• vom 23.11.2014, 10:30 Uhr

1914


Wirtschaftsgeschichte

Geheimrat der Kanonen




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Von Ilona Gälzer

  • Der Großindustrielle Karl Freiherr von Skoda führte den ererbten Stahlkonzern zu Wachstum und Blüte.

Karl Freiherr von Skoda (1878-1929).

Karl Freiherr von Skoda (1878-1929).© ONB Bildarchiv Austria Karl Freiherr von Skoda (1878-1929).© ONB Bildarchiv Austria

Als Karl von Skoda 1900 von seinem unerwartet gestorbenen Vater Emil, dem Gründer der Skoda AG, dessen Unternehmensanteile erbte, war aus einer kleinen Pilsner Werkstätte mit 30 Mitarbeitern ein breit gefächertes Unternehmen mit 3000 Beschäftigten entstanden. Weltweite Absatzmärkte fanden die Skodawerke als Ausrüster der Zucker- und Brauindustrie, aber auch als Ausstatter von Handels- und Kriegsschiffen. Der Qualität des Stahlgusses verdankte man etwa die Mitwirkung am Bau des Suezkanals oder die Lieferung von Turbinen für die Stromerzeugung bei den Niagarafällen. In der auf Wunsch der Heeresverwaltung im letzten Dezennium des 19. Jahrhunderts gegründeten Waffenfa-brik bemühten sich die Skoda-Ingenieure erfolgreich, den technologischen Vorsprung der deutschen und französischen Rüstungsunternehmen aufzuholen.

Mit 22 Jahren schien Karl von Skoda, trotz maschinenbaulicher Ausbildung und Dienst als Einjährig-Freiwilliger bei der k.u.k. Kriegsmarine, den Banken, die in der Skoda A. G. herrschten, zu jung, um nach dem Tode seines Vaters schon die Funktion eines Generaldirektors zu übernehmen.

Information

Literatur: Gerhard A. Stadler: Die Rüstungsindustrien der Donaumonarchie und ihre Exporte nach Lateinamerika. Wien 1986.


Die Banken suchten einen erfahrenen Unternehmensleiter und fanden ihn in Georg Günther, dem Zentraldirektor der Böhmischen Montangesellschaft. Günther verringerte durch Neustrukturierung die Produktionskosten und verlegte die Generaldirektion nach Wien, um einen besseren Zugang zur Heeresadministration zu finden. Sein kommerzieller Erfolg - schon 1906 wurde eine Dividende von 6 Prozent ausbezahlt, die in den Folgejahren stetig steigen sollte - stärkte auch die Position Karl von Skodas.

Seit 1902 in den Verwaltungsrat kooptiert, wurde er 1906 zum Stellvertreter des Generaldirektors und nach anhaltenden Machtkämpfen mit Günther, der seinen Vertrag vorzeitig löste, 1909 zum Generaldirektor des Unternehmens gewählt.

Jahre der Expansion
Karl von Skoda verlegte den Sitz der Wiener Generaldirektion an seinen Wohnsitz in die Kantgasse Nr. 3. Unter seiner Leitung begann ein unaufhaltsam erscheinender Aufstieg der Skodawerke. Durch Aktientausch verlagerte er die gesamte Friedensproduktion der Skodawerke in die Prager Maschinenbau AG (nunmehr "Vereinigte Maschinenfabriken A. G. vorm. Skoda, Ruston, Bromovsky und Ringhoffer") und konzentrierte die Skodawerke in Pilsen auf die Rüstungsproduktion. Skoda löste die alten Werkstätten im Pilsener Stadtzentrum auf und errichtete am Stadtrand neue Werkhallen, eine große Schmiede und eine Versuchsanstalt.

Um 1910 wurden in Pilsen aber nicht nur neue Produktionsstätten gebaut, sondern auch die ersten Arbeiterhäuser und ein Konsumverein für die Angestellten. So mancher Besucher meinte staunend, Pilsen sei eigentlich eine Vorstadt von Skoda.

Skoda war während des Ersten Weltkriegs der Haupt-Geschützlieferant der k.u.k. Monarchie. Der enorme Investitionsbedarf der Rüstungsindustrie lässt sich an der Steigerung des Aktienkapitals der Skoda AG. ablesen: Von 30 Millionen Kronen im Jahre 1911 steigerte es sich auf 42 Millionen bei Kriegsbeginn und bis zu 72 Millionen Ende 1916. Die Mitarbeiterzahl stieg von rund 3000 zur Jahrhundertwende auf rund 30.000 im Jahre 1917. Der Gewinn betrug 1909 bei Funktionsantritt Karl von Skodas rund 2,8 Millionen Kronen, lag 1913 bereits bei rund 7 Millionen; reduzierte sich zwar mit den Rohstoff-Versorgungsproblemen im ersten Kriegsjahr, stieg aber 1916 und 1917 auf je über 18 Millionen Kronen an.

Schweres Geschütz
Skoda war Mitbegründer der Österreichischen Flugzeugfabrik in Wiener Neustadt, aber auch der Kanonenfabrik im ungarischen Györ. Er war an den Österreichischen Daimler Werken beteiligt, mit denen eine langjährige Zusammenarbeit entstand, um den bei Skoda entwickelten 30,5 cm Mörser leichter transportieren zu können. Dieser zu den schwersten Geschützen des Weltkriegs zählende Mörser war zwar nicht so durchschlagskräftig wie die "dicke Berta", der 42 cm Mörser von Krupp (während des Krieges baute auch Skoda 42 cm Haubitzen), war aber leichter manövrierbar. Mit einem eigenen, von Ferdinand Porsche entwickelten Motorzug befördert, konnte der Mörser binnen einer Stunde gefechtsbereit sein.

Seine Wirkung beschrieb seinerzeit Generalmajor Ritter von Obermeyer: Trotz eines nur 3 m langen Rohres könnten die 380 kg schweren Spitzbomben bis zu einer Höhe von rund 4000 Meter abgefeuert werden und damit also den Großglockner überfliegen. Eine spezielle Füllung der Bomben erzeugte die heftige Wirkung von Minengranaten. Im August 1914 sandte die k.u.k. Heeresleitung auf deutsches Ersuchen 30,5 cm Mörser nach Belgien, wo sie rasch die drei Meter dicken Betonkuppeln der Forts von Namur und Antwerpen durchschossen.

Durch diese ersten Erfolge wurde der Mörser so populär, dass sein Abbild Notenblätter zierte - etwa den "Skoda-Marsch" von Hans Rezek und den "Freiherr von Skoda-Marsch" von Julius Hafner -, aber auch Abzeichen, deren Verkaufserträgnisse Hilfsmaßnahmen ermöglichen sollten.

Skodas Geschick sorgte dafür, den Mörser im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. 1914 überreichte der Unternehmer in einer besonderen Audienz Kaiser Franz Joseph ein Modell des Mörsers, bald danach präsentierte er dem Monarchen gemeinsam mit dem Maler Goltz die in Belgien entstandenen Bilder über die Wirkung des Mörsers.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-11-20 18:53:06
Letzte Änderung am 2014-11-21 15:31:54


Anno 1914





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