Schräg gegenüber ein bescheidener Friedhof von 10.000 bei der Verteidigung von Görz und Triest k.u.k.-Gefallenen. 1915, als die Toten noch zählbar waren, wurden auch für diese Heldenfriedhöfe errichtet, von denen einige stimmungsvoll bis heute bestehen, betreut vom österreichischen Schwarzen Kreuz: von Slaghenaufi auf der Hochfläche von Longarone bis ins nun slowenische Log pod Mangartom unter dem Predilpaß, und in der Javorka bei Tolmin am Isonzo. Die von Bühnenbildnern des Burgtheaters, die in Stellung waren, 1916 erbaute Jugendstilkirche ist heute liebevoll restauriert und für Mountainbiker ein beliebtes Ziel.

In Österreich gibt es seit den Zwanzigerjahren in jeder Gemeinde ein Kriegerdenkmal, mit den Namen der Gefallenen - nach 1945 erweitert um die der Toten des Zweiten Weltkrieges. Wäre der Krieg gewonnen worden, hätte Wien wohl ein den italienischen vergleichbares Monument: zwei Ausschreibungen von 1915 ergaben u.a. Otto Wagners Entwurf einer monumentalen Friedenskirche auf der Schmelz und, von Friedrich Ohmann, Stadt wie Donautal dominierend, eine Überbauung des Leopoldsberges mit einer Krypta für die Maria-Theresienritter und einer Völker- und Ruhmeshalle - am historischen Ausgangspunkt der Befreiung Wiens von den Türken 1683. Schließlich wurden zwei einfache Denkmäler im Zentralfriedhof errichtet und das Äußere Burgtor 1934 umgestaltet. Dies wurde aber nicht nur den Gefallenen gewidmet, sondern - man war schon im Ständestaat - auch den ruhmreichen Schlachten der habsburgischen Armeen und ihren Feldherren.

Erinnerungspolitik

Der Krieg gegen Italien blieb der bei uns einzig "populäre", umso schmerzlicher daher die "Perfidie" Italiens an seinem Anfang und die Niederlage im Feindesland. Man las Erinnerungen der Generäle - von diesen subjektiv geschrieben, oft auch, um die karge Pension aufzubessern; Memoiren von Politikern und Diplomaten waren selten. 1935 trat ein "Gesetz zum Schutze des Ansehens Österreich" in Kraft, um "Nestbeschmutzungen" zu verhindern. Aus dem Ständestaat, der den Rückbezug aufs "Altösterreichische" als Teil seiner Staatsidee pflegte, sei noch eine Episode erwähnt: Die Italiener hatten Ende 1918 nach der Besetzung des k.u.k. Hauptkriegshafens Pola in Istrien auch die dortige Statue von Admiral Tegetthoff entfernt und in Venedig gelagert. Als sich Mussolini kurzzeitig um Österreich bemühte, schenkte er 1935 jene Statue der Stadt Graz als Hauptstadt des (Kron)-Landes, in dem Tegetthoffs Geburtsort Marburg einst lag. Das Denkmal wurde in einem Staatsakt enthüllt, wobei Bundespräsident Miklas pathetisch die Zukunft Österreichs mit seiner Geschichte verknüpfte: "Zurück auch in die Vergangenheit und vorwärts in die Zukunft!"

Nach 1945 war das Verhältnis zwischen Österreich und Italien wegen Südtirol während dreier Jahrzehnte schwer belastet. Italien hatte im Friedensvertrag von Paris 1947 Istrien wieder abtreten müssen, Görz wurde geteilt, und Italien musste um Triest bangen. Aber es behielt Südtirol. Das Bemühen der Schutzmacht Österreich um die 1946 völkerrechtlich zugesagte Autonomie der Provinz Bozen wurde von Terrorakten in Südtirol, 1961 der Einführung der Visapflicht für Österreicher und dem Veto Italiens gegen die ersten Bemühungen Österreichs um Verträge mit der EWG erschwert, und beendet erst 1992 in der UNO und mit der Durchführung der Autonomie. Das war nicht die Zeit für ein offizielles Besinnen der beiden Staaten auf Gemeinsamkeiten der Vergangenheit.

Aber von Österreichern gingen private Initiativen aus, um das Geschehen jener Kriegsjahre in den Alpen dokumentarisch festzuhalten und den "Landesbeschreibungen" zuzufügen, ohne Pathos und Trauer um die verlorenen Gebiete oder Klagen über die Ungerechtigkeit der Geschichte: Heinz (von) Lichem gab mehrere reich illustrierte Bücher über den Gebirgskrieg heraus und Walter Schaumann ab 1973 vier Bände über den Frontverlauf und die Reste der Stellungen und Kriegsbauten beider Seiten vom Ortler bis zum Kanaltal, ebenfalls reich bebildert. Dieser Krieg war ja der erste auch in Fotos festgehaltene. Bis heute werden neu gefundene Aufnahmen publiziert und in Ausstellungen gezeigt.

Verbindende Wege

Schaumann ging in seinem Lebenswerk weit darüber hinaus: Der Verein "Dolomitenfreunde - Friedenswege" sicherte Stellungsreste, rekonstruierte und verband Kriegswege über die einstigen Fronten hinweg, um sie touristisch zu erschließen: "Wege, die einst die Fronten trennten, sollen heute verbinden." Das Freilichtmuseum Plöckenpass und das Historische Museum Kötschach-Mauthen wurden von ihm initiiert und bis zu seinem Tod 2004 betreut.

Gleich nach der Unabhängigkeit fanden sich in Slowenien Gleichgesinnte, die diese konservierende und beschreibende Arbeit in den Julischen Alpen und am Isonzo fortsetzten. In Kobarid (dem Karfreit der 12. Isonzo- schlacht vom Oktober 1917) wurde schon 1992 ein Museum eröffnet. Es ist der Abwehr der italienischen Angriffe gewidmet, zeigt aber auch drastisch den Kriegsalltag in seiner Unmenschlichkeit - dieser ist noch immer ausgespart in den offiziellen Museen Italiens.

Doch in den letzten Jahren gab es auch in Italien andere Aktivitäten. Es erschienen viele Bücher (leider nicht ins Deutsche übersetzt), und die einstigen Frontabschnitte wurden mit Infrastruktur, Beschilderung, neutraler Beschreibung und Aufnahme in die Tourismuswerbung erschlossen. Neue Straßen führen zum Monte Matajur oder auf den Gipfel des Kolovrat am Westufer des Isonzo. Die Strada delle Gallerie am Pasubio, der Aufstieg von Chiesa vorbei am Museumsfort Gschwendt zum Forte Cima di Vezzena, der Klettersteig auf den Paternkofel gegenüber den Drei Zinnen - das sind alles Landschaften von herausragender Schönheit.