Rote und weiße Rosen für seine Ehefrau: Dafür gab am 1. Jänner 2002 kurz nach Mitternacht der damalige EU-Kommissionspräsident Romano Prodi in einem Blumengeschäft in der Wiener Kärntner Straße sein erstes Euro-Bargeld aus. Für ihn und mehr als 300 Millionen Europäer hieß es vor 20 Jahren Abschied nehmen von Schilling, D-Mark, Franc, Lira & Co: Pünktlich zu Neujahr 2002 kamen aus den Bankomaten druckfrische Euro-Scheine.

Münzen waren schon einige Tage zuvor in Form sogenannter Starter-Kits im Wert von jeweils 14,54 Euro (200,07 Schilling) ausgegeben worden. Man bekam dafür quasi zum Üben im Vorverkauf je vier Ein-Euro- bzw. Zwei-Euro-Münzen - und jede Menge Cent. Vor allem die kleinsten Cent-Münzen sind aber vielen lästig geworden, denn das mühsame Herauszählen aus der Geldbörse verlängert den Bezahlvorgang an der Kassa.

Schluss mit dem Kramen
in der Geldbörse

Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, prägt seit 2018 keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr. Die winzigen Geldstücke, die zu 96 Prozent aus Stahl bestehen und mit Kupfer ummantelt sind, gingen den Italienern gehörig auf die Nerven. Wirtschaftlich rentierte sich die Herstellung auch nicht. Um eine Ein-Cent-Münze herzustellen, fielen Kosten von 1,65 Cent an. Alle Beträge werden in Italien seitdem auf 5 Cent auf- oder abgerundet. Die Verbraucherpreise sind als Folge dessen nicht - wie befürchtet - messbar gestiegen.

Finnland, wo bargeldloses Bezahlen einen hohen Stellenwert hat, legte schon von Anfang an keinen großen Wert auf das Kleinstgeld. Ein- und Zwei-Cent-Münzen wurden nur in sehr geringer Auflage geprägt. Die kleinen Münzen sind aber gesetzliches Zahlungsmittel und müssen - ebenso wie in Italien - von Geschäften angenommen werden, etwa von Touristen. Auch in Belgien, den Niederlanden und in Irland werden die fast wertlosen Geldstücke bereits nicht mehr ausgegeben.

Während in anderen Ländern die Herstellung der kleinen kupferroten Cent-Münzen ein Verlustgeschäft ist, macht die Münze Österreich damit sogar einen kleinen Gewinn. Die 100-Prozent-Tochter der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) produziert jährlich rund 100 Millionen Stück der kleinsten Cent-Münzen. Derzeit sind rund 4,5 Milliarden Stück Ein- und Zwei-Cent-Münzen in Umlauf. Ihr Wert beträgt 65 Millionen Euro. Das entspricht 3,6 Prozent des Gesamtumlaufs aller Euro-Münzen.

Eine öffentliche Konsultation der EU-Kommission zwischen Ende September 2020 und Mitte Jänner 2021 hat ergeben, dass 70 Prozent der Befragten dafür sind, diese Münzen nicht mehr auszugeben. In Österreich waren es sogar 76 Prozent. Teilgenommen haben Bürger, öffentliche Institutionen, Unternehmen, Handels- sowie Verbraucherverbände und Nichtregierungsorganisationen. Allerdings kamen von den insgesamt mehr als 17.000 Antworten fast 79 Prozent aus Deutschland, wo ebenfalls eine rege Diskussion herrscht. Bis Ein- und Zwei-Cent-Münzen kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr sind, wird es aber noch dauern. Die EU-Kommission befasst sich schon seit dem Jahr 2013 damit.

Wer die Diskussion um das Kleinstgeld als Vorbereitung für das Aus des Bargelds interpretiert, liegt falsch. Von offizieller Seite will niemand das Bargeld abschaffen - ganz im Gegenteil. So warben die Münze Österreich und der Handelskonzern Spar sogar für den Einsatz von Scheinen und Münzen, die trotz der vielfältigen elektronischen Bezahlmöglichkeiten an den Kassen hierzulande nach wie vor die beliebtesten Zahlungsmittel sind. Bares ist Wahres, betont die Münze Österreich, deren Gewinn in den Staatshaushalt geht. Wer mit Karte zahle, unterstütze US-amerikanische und asiatische Zahlsysteme, heißt es. Zudem funktioniere Bargeld auch bei Serverausfällen und sei anonym.

Aus für den lilafarbenen Fünfhunderter

Um Geldwäsche, Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit einzudämmen, wurde die Herstellung und Ausgabe des 500-Euro-Scheins gestoppt. Die OeNB und die Deutsche Bundesbank gaben die letzten lilafarbenen Fünfhunderter am 26. April 2019 aus. Die anderen 17 nationalen Zentralbanken des Eurosystems hatten die Ausgabe bereits am 26. Jänner beendet. Die 500-Euro-Banknoten sind nach wie vor gesetzliches Zahlungsmittel. Ende Februar 2021 waren laut Europäischer Zentralbank noch rund 400 Millionen Stück im Gesamtwert von 200 Milliarden Euro im Umlauf.