Am 1. Jänner 2002 führten 12 Länder, darunter Österreich, den Euro ein. Gestaltet wurden alle europäischen Scheine von Robert Kalina, damaliger Banknotendesigner in der Österreichischen Nationalbank. Er gewann 1996 den Designerwettbewerb des Europäischen Währungsinstituts zur Gestaltung des neuen Zahlungsmittels. Seine Idee, auf den Geldscheinen Brücken, Tore und Fenster darzustellen, setzte sich durch.

Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" blickt er auf die Ereignisse vor 20 Jahren zurück, erzählt über die Vorgaben der EU und erklärt welcher sein liebster Schein ist:

"Wiener Zeitung": Herr Kalina, wann haben Sie zum ersten Mal mit Euro gezahlt?

Robert Kalina: Genau am Tag der Einführung, am 1. Jänner 2002. Mit Schillingen habe ich dann nicht mehr bezahlt.

Sie sind nicht nur Designer der Euro-Scheine, sondern haben davor auch die Schilling-Scheine gestaltet. Wie kamen Sie vom Schilling zum Euro?

Die Europäische Zentralbank schrieb damals einen Wettbewerb aus, für die Gestaltung der neuen Währung. Gesucht wurde jemand, der schon davor Banknoten designt hat. Die Oesterreichische Nationalbank lud mich ein, an diesem Wettbewerb teilzunehmen.

Die Entscheidung fiel dann auf Sie. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Schilling und Euro liegt in den fehlenden Gesichtern auf der europäischen Währung. Auch im Vergleich zu anderen Währungen ist es ungewöhnlich keine Persönlichkeiten auf den Scheinen abzubilden. Warum ist das beim Euro so?

Es gab verschiedene Bedingungen, die mir vorgegeben wurden. Kein EU-Land hervorzuheben, war eine Bedingung davon. Zudem musste das Design mit den beiden Themen Zeitalter und Stile Europas zu tun haben. Es war wichtig, dass kein Land gekränkt sein kann. Ich musste daher Motive finden, mit denen sich alle identifizieren können. Im Nachhinein wurden die gesichtslosen Scheine kritisiert, doch das war die Bedingung, dass sie neutral und nicht zuordenbar sind.

Also ein Gesichtsverbot auf den Scheinen?

Kalinas Motive fanden Anklang bei der EU. - © apa/Artinger
Kalinas Motive fanden Anklang bei der EU. - © apa/Artinger

Theoretisch hätte ich schon Porträts verwenden können, wobei es keine Berühmtheiten, sondern nur unbekannte Personen sein durften. Unbekannte Gesichter waren für mich aber wert- und sinnlos. Ich habe mich stattdessen für die Architektur entschieden.

Auf den Scheinen haben Sie Fenster, Tore und Brücken abgebildet. Was für eine Bedeutung haben die Motive?

Sie sind Symbole für die Verbindung zwischen den Ländern und stehen für Transparenz und Öffnung. Die Architekturteile durften auch nicht rückverfolgbar sein auf existierende Bauwerke. Ich musste sie so stark verändern, dass sie nur als Symbol, für den Stil und die jeweilige Epoche stehen.

Wie haben Sie sich für diese Motive inspirieren lassen?

Ich suchte in Büchern nach charakteristischen Motiven. Für die ersten Entwürfe verwendete ich tatsächliche Brücken, die ich ein wenig abänderte. In Zusammenarbeit mit Spezialisten fertigten wir dann die Endmotive an.

Wollen Sie uns verraten, welche Bauwerke auf den Euro-Scheinen zu sehen sind?

Es könnte sie geben, aber es gibt sie nicht, so wie sie auf den Scheinen zu sehen sind. Wir haben es so stark abgeändert, dass es mit dem tatsächlichen Bauwerk nichts mehr zu tun hat.

Kurz bevor der Euro kam, wurden die 500- und 1000-Schilling-Scheine neu designt. Zu welchem Zweck?

Das liegt an der langen Vorlaufzeit. Die neudesignten Scheine wurden schon in die Wege geleitet, bevor in Österreich überhaupt die Rede vom Euro war.

Wie war die Kampagne der Nationalbank damals aufgebaut?

Man hat den Menschen gezeigt, wie die Banknoten aussehen. Es gab Startpakete mit Euromünzen in einem Sackerl. Der Wechsel von Schilling auf Euro war dann ziemlich klaglos. Am 1. Jänner sind halt aus den Bankomaten die Euros rausgekommen. Ich kann mich an keine Komplikationen erinnern, außer, dass die Banknoten gesichtslos, neutral und ein bisschen fad seien.

So gesichtslos und neutral die Banknoten designt wurden, so grell sind ihre Farben. Wie kam es dazu?

Die Grundfarben wurden schon im Vorfeld vom Währungsinstitut festgelegt, um Verwechslungen vorzubeugen. Der rote Zehner und der grüne Hunderter sind komplementär, der Zwanziger und Zweihunderter blau und gelb.

Es gab auch neue Sicherheitsmerkmale, was sehen Sie auf den Scheinen, was wir nicht sehen?

Das ist das Los des Banknotendesigners. Er bekommt ein ganzes Buch mit Vorgaben, welche sichtbaren und unsichtbaren Sicherheitsmerkmale auf dem Schein drauf sein müssen. Trotzdem muss es für das Auge ein harmonisches Bild ergeben.

Wie lange dauert die Arbeit an einem Schein?

Ziemlich lange. Der Wettbewerb war 1996, die Banknoten kamen 2002 heraus. Bis das Design beim Euro gestanden ist, dauerte es sicher ein Jahr.

Haben Sie eine Lieblingsbanknote?

Ich habe den Zwanziger ganz gern. Um den Fünfhunderter tut es mir auch leid, dass der aufgegeben wurde. Bei der Serie fehlt jetzt die letzte Note.