• vom 01.01.2019, 06:30 Uhr

2050


Die Welt 2050

Die pazifische Epoche




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Von Thomas Seifert

  • Für die Zukunft des Planeten gibt es zwei Narrative: Dystopie und Utopie. Welche Erzählung wird sich bewahrheiten?

Wie wird sich 2050 das globale Machtgefüge verschobenhaben? - © WZ-Illustrationen: Irma Tulek

Wie wird sich 2050 das globale Machtgefüge verschobenhaben? © WZ-Illustrationen: Irma Tulek

Alles, was man heute schon über den 1. Jänner 2050 mit Sicherheit sagen kann, ist, dass er auf einen Samstag fällt und dass dieser Tag 31 Jahre in der Zukunft liegt. Der Rest ist Spekulation.

Wie schwierig Spekulationen über die Zukunft in 31 Jahren sind, lässt sich erahnen, wenn man 31 Jahre in die Vergangenheit blickt: Michail Gorbatschow war Präsident der Sowjetunion, Ronald Reagan US-Präsident, Helmut Kohl Kanzler in Bonn, Chinas starker Mann hieß Deng Xiaoping und in Österreich war Franz Vranitzky Bundeskanzler. Europa war durch den Eisernen Vorhang geteilt, in Südafrika herrschte Apartheid, im Flugzeug wurde geraucht und die Menschen in West und Ost hatten Angst vor einem Atomkrieg und im Westen noch vor Aids dazu. Vor 31 Jahren waren bestenfalls die Konturen der heutigen Gegenwart erahnbar - es gab die ersten ziegelsteingroßen Mobiltelefone, in Osteuropa und in der Sowjetunion schmeckte es nach Wandel.

Und heute? Kohl, Deng und Reagan sind tot. Die Sowjetunion ist längst Geschichte, der Eiserne Vorhang gefallen. Aids ist zwar nicht besiegt, die Krankheit gilt aber als beherrschbar.

Im "Future Shock"

Es ist heute die Rede von der großen Gereiztheit, der allgemeinen Verunsicherung, von Wutbürgern, Populisten und der Krise der Demokratie. Die einen flüchten sich in Retro-Utopien des "Früher war alles besser", die anderen in eine futuristische Silicon-Valley-Techno-Anarchie, und wieder andere stehen unter dem "Future Shock", den der US-Zukunftsforscher Alvin Toffler in seinem gleichnamigen Buch beschrieb: Wenn Menschen zu viel Wandel in zu kurzer Zeit ausgesetzt sind, führt das zu erschöpfendem Stress und Desorientierung. Dieses Konzept Tofflers stammt aus dem Jahr 1965, wurde 1970 mit der Veröffentlichung des Buches "Future Shock" populär und wirkt auch heute noch seltsam aktuell.

Es gibt aber auch Konstanten und relativ sichere Prognosen: Krieg oder Bürgerkrieg in Afghanistan. Nahost-Konflikt. Bevölkerungsexplosion. Klimawandel: Schon 1988 war bis zu diesem Zeitpunkt das wärmste Jahr seit Beginn systematischer Wetteraufzechnungen, der Klimawandel schreitet mit zunehmender Rasanz voran.

Wie werden wir im Jahr 2050 leben, wenn 9,8 Milliarden Menschen die Welt bevölkern (heute: 7,63 Milliarden, im Jahr 1988 waren es 5,1 Milliarden), sich der Energieverbrauch weiter verdoppelt und China die größte und bedeutendste Volkswirtschaft der Erde sein wird? Welche Prognosen lassen sich über die Welt im Jahr 2050 abgeben? Freilich unter der Voraussetzung, dass bis dahin kein Weltkrieg ausbricht, zumindest erste wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel getroffen wurden und keine Mega-Katastrophe (wie etwa eine Pandemie oder ein katastrophales Naturereignis) über die Menschheit kommt. Die Verschiebungen der aktuellen geopolitischen Plattentektonik sind gigantisch, 2050 werden wir in die pazifische Epoche eingetreten sein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-28 12:26:09
Letzte Änderung am 2018-12-31 18:06:43


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