Roboter übernehmen die Pflege

Für Gesundheitsökonom Eiko Meister, Oberarzt an der Universitätsklinik für Innere Medizin in Graz, sieht die Welt 2050 indes ganz anders aus. "Pflegeroboter und die intelligente Robotik an sich, wie es sie heute schon gibt, werden sich sehr stark weiterentwickeln", sagt er. Bereits jetzt kommen im stationären Bereich Pflegeroboter zum Einsatz, die etwa Medikamente austeilen. Die Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt in Deutschland agiert hier höchst innovativ.

Am Pflege- und Gesundheitspersonal wird es somit laut Meister in Zukunft nicht mangeln - am Geld dafür aber womöglich schon. "Billiger wird es nicht werden, es bedarf einer entsprechenden Finanzierung. Ohne wirtschaftliche Prosperität ist eine solche Weiterentwicklung kaum möglich." Für ihn wäre zusätzlich zur Kranken- eine Pflegeversicherung ein gangbarer Weg. Das könne man freilich schon jetzt privat abwickeln - "im Sinne eines solidarischen Gesundheitswesens müsste man sich aber eventuell überlegen, einen Teil der Sozialversicherungsbeiträge für den Pflegebereich zu parken". Dennoch dürfe eines nicht verloren gehen: der Bezug zum Patienten. "Bei allen Vorteilen der Technologisierung ist das eine der größten Herausforderungen." Vorrangiges Ziel sei jedoch, dass es erst so spät wie möglich so weit komme, dass Menschen zum Pflegefall werden. Gesund zu leben und zu altern müsse das Grundsatzthema sein. Präventionsprogramme wie gesundes Essen in Volksschulen müssten bereits jetzt starten. Denn: "Sie beginnen erst in 20 Jahren zu wirken", sagt Meister.

Gesund bleiben, um zu arbeiten

Dass die Menschen gesund altern sollten, meint auch Wolfgang Lutz vom IIASA - wenn auch aus etwas anderen Beweggründen. "Würde man länger und in höherem Ausmaß arbeiten, stellte sich das demografische Problem gar nicht", sagt Lutz. In Schweden etwa arbeiten auch die Frauen - dank ausgereifter Kinderbetreuung - für gewöhnlich Vollzeit, und das maximale Pensionsantrittsalter soll auf 69 Jahre angehoben werden. "So nimmt der Anteil der Erwerbstätigen auch in einer alternden Bevölkerung gar nicht ab."

Die Menschen werden zwar immer älter, die Geburtenrate sinkt jedoch auch global gesehen: Mitte der 1960er Jahre bekam eine Frau im globalen Durchschnitt 5 Kinder, heute sind es 2,5. In naher Zukunft wird das Bestandserhaltungsniveau unterschritten sein. Die Bevölkerung kann und wird nicht ewig wachsen. Noch rattert die Einerstelle stetig nach oben, Prognosen zufolge wird sich die Gesamtzahl von aktuell rund 7,7 Milliarden bis zum Jahr 2060 auf rund 10 Milliarden Erdbewohner erhöhen - und dabei ihren Scheitelpunkt erreichen. "Danach wird die Bevölkerungszahl vermutlich sinken", sagt Lutz. "Vermutlich. Denn Afrika bleibt die große Unbekannte."