• vom 08.09.2018, 08:00 Uhr

Alpbach

Update: 08.09.2018, 10:05 Uhr

Krisenfolgen

Eine Krise läuft auch auf eine Beurteilung hinaus




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Von Konstanze Walther

  • Ökonomische Schocks sind so alt wie die Geschichte der Währungen. Die wirkliche Zäsur im Leben vieler Menschen stellt der Umgang mit Krisen und ihren Folgen dar.

Athen, Mai 2017: Griechische Pensionisten demonstrieren gegen den harten Sparkurs der Regierung. - © APAweb/AFP Louisa Gouliamaki

Athen, Mai 2017: Griechische Pensionisten demonstrieren gegen den harten Sparkurs der Regierung. © APAweb/AFP Louisa Gouliamaki

Nach der Krise ist vor der Krise. Denn Krisen, ökonomische Schocks, sind zyklisch, sagen die Realisten und verweisen auf die Vergangenheit. König Midas etwa, 7. Jahrhundert vor Christus, hat nur der Legende nach alles in Gold verwandelt. Korrekterweise müsste man sagen, er hat alles in Blech verwandelt. Denn indem er den Edelmetall-Anteil in den Münzen reduzierte, konnte er mehr Münzen prägen lassen und hat so eine immense Ausweitung der Geldmenge herbeigeführt. Die erste dokumentierte Inflation der Geschichte. Die holländische Tulpenkrise im 17.  Jahrhundert hat zu einem wahren Börsencrash geführt – die Preise für die botanische Kostbarkeit kletterten in die Höhe, die Menschen nahmen Kredite für die Blumenzwiebeln auf. Bis die Nachfrage eines Tages zurückging, und das Tulpenzwiebel-Kredit-Kartenhaus in sich zusammenbrach.

Vernetzung der Wirtschaft
Im 20. Jahrhundert ging der Erste Weltkrieg fast nahtlos in die Weltwirtschaftskrise über, die den Boden für den Zweiten Weltkrieg bereitete.
Kriege, so befand man in der westlichen Welt, solle es nicht mehr geben. Der Ausweg: Eine Verschachtelung der Wirtschaft. In Europa wurde etwa die Gemeinschaft für Kohle und Stahl aus der Taufe gehoben, die später zur Europäischen Union führte. Andernorts wurde die Verschränkung durch Börsen und transnationales Investment auf weniger zeremoniellem Weg beschritten. Doch das hatte zur Folge, dass kein Land mehr alleine von einer Krise betroffen war. Und kein Land mehr alleine entscheiden konnte, was zu tun ist.

Schuldenkrisen, Strukturanpassungen & Co.
Bei der Schuldenkrise in den 1980er Jahren, als praktisch ganz Lateinamerika seine Schulden in US-Dollar nicht mehr begleichen konnte, waren viele Ökonomen der Ansicht, dass diese Staaten den Bankrott anmelden und auf Schuldenschnitte hoffen sollten. Nicht so die Experten aus den – von US-Amerikanern dominierten – Institutionen wie Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank. Die Länder im Süden der USA sollten zahlungsfähig bleiben. Dabei halfen Kredite und die berühmten Strukturanpassungsprogramme, die viele unter Kündigungen und Kürzungen zusammenfassen.

Bei der Asienkrise Ende der 1990er Jahren riefen Staaten wie Indonesien und Thailand den Währungsfonds um Hilfe. Die Rezepte waren die gleichen. Anfang der 2000er rief dann Argentinien den IWF um Hilfe. Das Verschlanken des Staates plus das Einfangen der Kapitalströme waren dabei die Hauptanliegen. Eine Krise würde doch ohnedies vorbeigehen, sagten Kritiker. Der IWF mache sie aber schlimmer.

Lehman und die Folgen für Griechenland
Als 2008 schließlich die US-amerikanische Investment-Bank Lehman Brothers unter ihren faulen Krediten zusammenbrach, war dieser Krach auf der ganzen Welt zu vernehmen. Denn dann versank der Immobilienmarkt in den USA gänzlich in einem schwarzen Loch, und mit ihm die Kreditwirtschaft. Jede Bank, jeder Fonds war direkt oder indirekt betroffen. Das Großreinemachen in den Bilanzen privater Institutionen holte schließlich auch die Staaten heim. Und dabei ist bekanntlich Griechenland besonders unter die Räder gekommen. 2010 erklärte der damalige Ministerpräsident Giorgos Papandreou, dass das Land am Rande einer Staatspleite ist. Da Griechenland Teil der Eurozone und der EU ist, betraf das Problem auf einmal alle. Die EU holte sich den IWF als Krisenspezialisten mit ins Boot, die Troika – inklusive Europäischer Zentralbank EZB – gab Griechenland Kredite und forderte im Gegenzug Strukturmaßnahmen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-07 14:42:44
Letzte Änderung am 2018-09-08 10:05:51



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Reportagen, Interviews und Analysen zum Europäischen Forum Alpbach, wo die "Wiener Zeitung" als Medienpartner vertreten ist. Der Diskurs im Alpendorf steht heuer im Zeichen von "Diversität und Resilienz".


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