• vom 10.02.2011, 08:52 Uhr

Ägypten - Aktuelle Berichte

Update: 10.02.2011, 23:20 Uhr

Mubarak will Präsident bleiben, aber Amtsgeschäfte an Vizepräsident Suleiman übertragen

Mubarak tritt nicht zurück - Massen wütend




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Von WZ Online

  • Verwirrung nach Rede des ägyptischen Staatschefs.
  • Wütende Demonstranten in Kairo.
  • Suleiman fordert Ende der Proteste.
  • Kairo. Ägyptens Präsident Hosni Mubarak tritt nicht, wie kolportiert worden war, zurück. In einer mit Spannung erwarteten TV-Rede an die Nation kündigte er aber an, seine Amtsgeschäfte an seinen Vizepräsidenten Omar Suleiman zu übertragen, was für einige Verwirrung sorgte. Die tausenden Demonstranten in Kairo reagierten wütend auf Mubaraks Rede.
  • Mubarak: Wichtigste Stationen seines Lebens

Die genaue Abgrenzung der Machtbefugnisse zwischen Mubarak und Suleiman war unmittelbar nach der Rede an die Nation unklar.


Mubarak sagte, dass er die Umsetzung der versprochenen Reformen und eine friedliche Übergabe der Macht selbst überwachen wolle. "Ich bin entschlossen, alle Versprechen zu erfüllen." Er erkenne die Forderung der ägyptischen Jugend, die von einer besseren Zukunft träume, vollständig an. Er habe Änderungen von sechs Paragrafen der Verfassung angeordnet. Sobald wie möglich solle der seit Jahrzehnten geltenden Ausnahmezustand in Ägypten aufgehoben werden.

Mubarak-Gegner reagierten wütend auf die Ankündigung des Staatspräsidenten, im Amt bleiben zu wollen.

Mubarak-Gegner reagierten wütend auf die Ankündigung des Staatspräsidenten, im Amt bleiben zu wollen.© Reuters Mubarak-Gegner reagierten wütend auf die Ankündigung des Staatspräsidenten, im Amt bleiben zu wollen.© Reuters

Allerdings werden er sich keinem Druck beugen, sagte Mubarak. "Ich kann keine Befehle aus dem Ausland akzeptieren." Ein nationaler Dialog habe begonnen, "wir sollten diesen Weg weitergehen", sagte Mubarak. "Wir haben uns auf einen Rahmen geeinigt, bauen wir ihn aus zu einem Fahrplan, zu einem Zeitplan." Er sagte: "Das Blut, das vergossen wurde, war nicht vergeblich."

Wütende Demonstranten

Hosni Mubarak während seiner TV-Rede an die Nation.

Hosni Mubarak während seiner TV-Rede an die Nation.© Reuters Hosni Mubarak während seiner TV-Rede an die Nation.© Reuters

Die rund 200.000 Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo, die einen sofortigen Rücktritt Mubaraks erwartet hatten, reagierten wütend auf die Ankündigung. Sie reckten aus Wut ihre Schuhe in die Höhe. In den Stunden zuvor hatte es von mehreren Seiten Hinweise dafür gegeben, dass Mubarak seinen Rücktritt erklären würde.

Suleiman fordert Ende der Proteste

Der ägyptische Vize-Präsident Omar Suleiman hat nach der Rede von Staatschef Mubarak ein Ende der Proteste gefordert. In einer eigenen vom Fernsehen übertragenen Ansprache rief Suleiman die Demonstranten am Donnerstagabend auf, nach Hause zu gehen.

Er wolle eine friedliche Übergabe der Macht ermöglichen, sagte Suleiman. Er rief das ägyptische Volk auf, vereint in die Zukunft zu schauen und kein Chaos zuzulassen. "Die Tür für den Dialog ist noch immer offen", sagte Suleiman.

"Sie haben gewonnen"

"Sie haben gewonnen", hatte Hossam Badrawi, Generalsekretär der ägyptischen Regierungspartei NDP, noch am frühen Abend, vor der TV-Rede, an die Adresse der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz gesagt. Mubarak werde den Forderungen der Jugend nachkommen und Maßnahmen ergreifen, die im besten Interesse des Landes seien. Badrawi hatte sich aber nicht auf den Begriff "Rücktritt" festlegen wollen.

ElBaradei für Bildung eines Präsidialrates

Der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei hat sich für die Bildung eines ägyptischen Präsidialrates aus drei Personen ausgesprochen. Die "Führer des Regimes" müssten zur Seite treten und einem Präsidialrat von drei Personen sowie einer Regierung der nationalen Einheit Platz machen - einer Regierung aus Experten, die weithin über Glaubwürdigkeit verfügen, sagte ElBaradei in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" (Freitagsausgabe).

Nach einer Übergangsperiode von einem Jahr sollten freie und faire Wahlen abgehalten werden. In diesem Jahr des Übergangs müsse auch eine neue Übergangsverfassung erlassen werden. Die Menschen in Ägypten hätten Würde und Selbstvertrauen entdeckt, "sie werden nicht mehr zurückweichen", sagte ElBaradei in dem Interview. "Nach 30 Jahren Unterdrückung kommt der Druck aus dem Dampfkochtopf." (apa/Reuters/afp/dpa/red.)



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Dokument erstellt am 2011-02-10 08:52:00
Letzte Änderung am 2011-02-10 23:20:00


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