Kairo. Nach monatelangen Unruhen in Ägypten haben Islamisten überraschend Verhandlungen über einen Ausweg aus der Krise angeboten. In einer am Samstag veröffentlichten Erklärung rief die von den Muslimbrüdern angeführte islamistische Koalition "alle Revolutionskräfte", politische Parteien und "patriotische Persönlichkeiten" zum Dialog auf. Die Übergangsregierung äußerte sich zunächst nicht dazu.

Das Bündnis "Nationale Allianz zur Unterstützung der Legitimität" hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Demonstrationen gegen die Entmachtung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi organisiert. Dabei war es immer wieder zu Ausschreitungen und Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften gekommen. Zuletzt ging die Zahl der Teilnehmer wegen der staatlichen Repressionen zurück. "Friedliche Opposition ist der einzige Weg, um den Putsch zu beenden und zurück auf den demokratischen Weg zu finden", erklärt das Bündnis nun. Die Wiedereinsetzung des im Juli vom Militär gestürzten Mursi wurde nicht explizit gefordert.

Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten sind in Ägypten mehr als 1000 Menschen bei Unruhen getötet worden. Mursi wird derzeit mit dem Vorwurf der Anstiftung zu Gewalt mit Todesfolge der Prozess gemacht. Die Muslimbruderschaft ist inzwischen verboten; der Großteil ihrer Führung sitzt im Gefängnis.

Mubarak-Prozess geht hinter verschlossenen Türen weiter

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde am Wochenende unterdessen der Prozess gegen den Langzeitmachthaber Hosni Mubarak fortgesetzt. Aus Gründen der nationalen Sicherheit sollte die Verhandlung noch am Sonntag und Montag hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Weil hochrangige Vertreter der ehemaligen Regierung und des Sicherheitsapparats befragt werden, verhängte Richter Mahmoud al-Rashidi für die Prozesstage eine Nachrichtensperre. Am Samstag wurde der 85-jährige Mubarak laut ägyptischem Medienbericht wegen dichten Nebels von einem Armeehubschrauber erst zwei Stunden zu spät zum Gericht in der Kairoer Polizeiakademie gebracht.

Zunächst sagte nach Angaben der Zeitung "Al-Ahram" der Ex-Ministerpräsident Ahmed Nazif zu den Ereignissen im Arabischen Frühling aus, die Anfang 2011 zum Tod von mehr als 800 Demonstranten und letztlich auch zum Sturz Mubaraks geführt hatten. Der Ex-Machthaber war wegen Tötung der Demonstranten in einem ersten Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde wegen Verfahrensfehlern aufgehoben. Im August wurde Mubarak aus der Untersuchungshaft entlassen. Seither lebt er in einem Militärkrankenhaus unter Arrest.