"Wir sind keine Monster"

Der libysche Regierungssprecher Ibrahim bedauerte die Entscheidung Italiens. Er warf einigen westlichen Regierungschefs vor, Gaddafi aus persönlichem Interesse oder wirtschaftlichen Gründen stürzen zu wollen. Niemand könne nach Libyen kommen und den Menschen sagen, sie müssten Gaddafi oder ihr System oder ihre Regierung loswerden, sagte Ibrahim. "Wer sind Sie, so etwas zu sagen?" "Entscheiden Sie nicht unsere Zukunft von außen, machen Sie uns Vorschläge für einen Wandel von innen heraus." Vorwürfe, Gaddafi-Truppen würden Zivilisten angreifen, wies der Regierungssprecher zurück. "Ich werde nicht hier stehen und für eine Regierung sprechen, die Zivilisten tötet. Was denken Sie, was wir sind - Monster?"

Tote in Misrata

In einem Wohnviertel in der belagerten Stadt Misrata wurden bei einem Beschuss durch Gaddafi-Truppen mindestens fünf Menschen getötet. Vermutlich werde die Zahl der Todesopfer noch steigen, sagte ein Arzt per Telefon der Nachrichtenagentur Reuters. Misrata ist die letzte Hochburg der Aufständischen im Westen Libyens und seit Tagen heftig umkämpft. Auch in der ostlibyschen Ölstadt Brega waren die Kämpfe am Montag weitergegangen. Am Abend verkündeten die Rebellen, sie hätten Brega wieder unter ihre Kontrolle gebracht.

Die EU bemüht sich um bessere Kontakte zu den Rebellen. Das Büro von Außenamtschefin Catherine Ashton kündigte für Dienstag die Entsendung einer Delegation nach Benghazi, dem Sitz des Rebellenrats, an. Die EU-Abgesandten sollten Informationen sammeln, hieß es in Brüssel. Direkte Kontakte zu Gaddafis Regierung seien nicht geplant. Im Gegensatz zu einzelnen Mitgliedsländern erkennt die Europäische Union den oppositionellen Libyschen Nationalrat nicht an.

Die USA hoben unterdessen die Sanktionen gegen Ex-Außenminister Moussa Koussa auf, der sich in der vergangenen Woche nach Großbritannien abgesetzt hatte Zur Begründung erklärte das Finanzministerium in Washington am Montag auf seiner Internetseite, Koussa habe "die Verbindungen gekappt, die ihn mit dem Gaddafi-Regime verbanden". Deshalb gehöre er nicht mehr zu den Personen, die von den US-Sanktionen gegen Gaddafi betroffen seien.

Gaddafis Sohn Seif al-Islam erklärte hingegen in einem BBC-Interview, dass die Abwendung des Außenministers vom Regime keinesfalls als Zeichen einer bröckelnden Unterstützung für seinen Vater zu bewerten sei. Koussa habe sich nicht wirklich von Gaddafi senior losgesagt, sondern lediglich medizinische Behandlung in Großbritannien benötigt. Den Briten hätte er "lustige Geschichten" erzählt, die sie gerne hören wollten, um vom Reiseverbot der internationalen Gemeinschaft für libysche Regime-Funktionäre befreit zu werden. (APA/Reuters/dpa/AFP)