• vom 04.03.2011, 14:52 Uhr

Libyen - Aktuelle Berichte

Update: 04.03.2011, 19:19 Uhr

Austro-Libyer und Freund von Gaddafi-Sohn legt Funktion als Staatsfonds-Vize zurück

Mustafa Zarti kündigt Rücktritt an




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Von WZ Online

  • Klage gegen die Republik Österreich wegen Kontosperre angekündigt.
  • Wien.** Der libysche Topmanager Mustafa Zarti hat heute seinen Rücktritt von all seinen Ämtern in staatlichen bzw. staatsnahen Betrieben angekündigt.
  • Außerdem gab sein Anwalt bekannt, dass Zarti, dessen private Konten in Österreich heute von der Nationalbank gesperrt worden sind, deshalb die Republik Österreich klagen wird.
  • Österreich sperrt Konten von Gaddafi-Freund

Der Gaddafi-Vertraute Mustafa Zarti (hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2010, beim Besuch am Opernball) kann in Österreich nicht mehr auf libysche Gelder und Vermögenswerte in Österreich zugreifen.

Der Gaddafi-Vertraute Mustafa Zarti (hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2010, beim Besuch am Opernball) kann in Österreich nicht mehr auf libysche Gelder und Vermögenswerte in Österreich zugreifen.© APA/ROLAND SCHLAGER Der Gaddafi-Vertraute Mustafa Zarti (hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2010, beim Besuch am Opernball) kann in Österreich nicht mehr auf libysche Gelder und Vermögenswerte in Österreich zugreifen.© APA/ROLAND SCHLAGER

"Wir werden selbstverständlich Amtshaftungsklage einbringen und auch alle anderen rechtlichen Schritt ausschöpfen", sagte Zartis Anwalt am Freitag.


Was seinen Rücktritt anbelangt, so sei er von seinem Posten als Vizepräsident der Libyan Investment Authority (LIA), die Geld aus dem Ölgeschäft im Ausland anlegt, bereits zurückgetreten, sagte der libysche Topmanager Zarti im Gespräch mit der APA. Er habe als Vize keine Zeichnungsberechtigung für irgendwelche Konten gehabt, betonte er weiter.

"Kleiner Markt" Österreich

Trotz der Finanzkrise hätte er die LIA in den vier Jahren seiner Amtszeit "einen fantastischen Job" gemacht. Doch derzeit "ist die Arbeitsumgebung nicht wirklich gesund", begründete Mustafa Zarti seinen Rückzug. Das in Medien mit bis zu 140 Milliarden Dollar angegebene Volumen des Libyschen Staatsfonds dementierte er. "Nein, wir haben nicht diese Größe." Die LIA sei "ein Staatsfonds wie jeder andere, die Idee dahinter ist, Einkommen für die zukünftigen Generationen zu erlösen, den Libyen verfügt nur über Öl- und Gas, und dies Ressourcen sind limitiert." Und er erklärte: "Die Gaddafi-Familie hat keine Beziehungen zur LIA."

Wieviel die LIA in Österreich investierte, weiß Zarti nach eigenen Angaben nicht. "Österreich ist ein sehr kleiner Markt, die LIA hat ein sehr kleines Investment - ich habe keine Ahnung, wie groß." LIA habe Aktien von Wienerberger. Laut Zarti "einen kleinen Anteil, weil wir in dieses Unternehmen glauben. Das ist einer der besten Ziegelhersteller der Welt." Und: "Wir haben auch Einlagen in Banken." Ansonsten haben "wir keine anderen Investments in Österreich". Bei der Bank-Austria-Mutter UniCredit in Mailand ist der Staatsfonds zusammen mit der Nationalbank von Tripolis zweitgrößter Aktionär.

"Das ist ein Witz"

Außerdem weist er den Vorwurf zurück, in Österreich investierte Milliarden-Gelder des Regimes von Muammar al-Gaddafi in Sicherheit bringen zu wollen. Auch die am Freitag erfolgte Sperre seiner Vermögenswerte in Österreich nimmt er gelassen: "Habe ich Vermögen? Das ist ein Witz", sagte er. Er habe lediglich ein persönliches Bankkonto in Österreich, weil er viele Jahre hier gelebt habe. Seit 2006 besitzt er auch einen österreichischen Pass.

In Wien sei er nicht, um libysches Vermögen flüssig zu machen und aus Österreich hinaus zu transferieren: "Das sind Gerüchte", betonte er. "Da steckt nichts hinter dieser Geschichte, absolut nichts." Er wäre als Vizepräsident des Libyschen Staatsfonds auch gar nicht zeichnungsberechtigt gewesen.

Mit Saif al-Gaddafi befreundet

Zarti war am 21. Februar nach Wien geflogen, um - wie er sagt - "seine Familie zu sehen. Meine Frau ist hier." Sie sei ein paar Tage vor ihm nach Österreich gekommen. Auf die Frage, was er in Wien mache, meinte Zarti nur: "Ich komme immer gern nach Wien. Wien ist eine Stadt, die ich liebe. Ich war hier eine lange Zeit." Derzeit sei er in Wien auf Urlaub. "Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich hier bleibe, zurückgehe oder woanders hingehe."

Zarti hat zum Gaddafi-Clan nach eigenen Angaben keinen Kontakt. Nur mit dem Sohn des Machthabers, Saif al-Gaddafi, sei er befreundet. "Er (Saif, Anm.) ist ein fantastischer Mann", sagte er und lobte dessen Sicht von Demokratie und Menschenrechten. Er habe keine Ahnung, wieviel die Gaddafi-Familie in Österreich investiert hat.

Zarti ist am Freitagnachmittag von den Behörden befragt worden. Zuvor habe das Landesamt für Verfassungsschutz Wien (LVT) seinen Bruder einvernommen, berichtete er. (APA)



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-03-04 14:52:00
Letzte Änderung am 2011-03-04 19:19:00


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