• vom 23.02.2011, 19:49 Uhr

Libyen - Aktuelle Berichte

Update: 24.02.2011, 09:34 Uhr

Minister schließen sich dem Widerstand an, Botschafter brechen mit Gaddafi, Einwohner wollen fliehen

Libyen löst sich als Staat auf




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Von Alexander U. Mathé


Den Osten Libyens haben die Aufständischen (hier in Tobruk) bereits unter Kontrolle. Foto: reuters

Den Osten Libyens haben die Aufständischen (hier in Tobruk) bereits unter Kontrolle. Foto: reuters

Der libysche Justizminister ist bereits zurückgetreten und auch der Ölminister hat sich laut Diplomatenkreisen abgesetzt. Innenminister Abdel Fattah Junis Obaidi hat sich dem Widerstand angeschlossen und ist der neue starke Mann im Osten des Landes. Als einer der wichtigsten Führer des Aufstandes versucht er von der Stadt Bengasi aus, das Land unter Kontrolle zu bringen.

Den Osten Libyens haben die Aufständischen (hier in Tobruk) bereits unter Kontrolle. Foto: reuters

Den Osten Libyens haben die Aufständischen (hier in Tobruk) bereits unter Kontrolle. Foto: reuters Den Osten Libyens haben die Aufständischen (hier in Tobruk) bereits unter Kontrolle. Foto: reuters

Rund um die Welt stellen sich Libyens Botschafter gegen Gaddafi, darunter die Missionschefs bei der UNO, China und Indien. Auch der Botschafter in Wien, Ahmed Menesi, hat Gaddafi verurteilt und sich von ihm abgewandt. Die Botschaft war am Mittwoch nicht mehr erreichbar, unter ihrer Nummer lief nur noch der Anrufbeantworter. Wer kann, flieht aus Libyen, darunter auch Angehörige Gaddafis.


Die Frau des wegen Körperverletzung und Nötigung in der Schweiz angezeigten Hannibal Gaddafi versuchte, mit weiteren Familienmitgliedern in einem Privatjet im Libanon unterzukommen. Der Flughafen Beirut verweigerte jedoch die Landegenehmigung und forderte den Piloten auf, es in Zypern und Syrien zu versuchen. Das gleiche Schicksal ereilte Gaddafis Tochter Aischa, als sie mit ihrer Machine und 13 weiteren Personen in Malta landen wollte. Bereits am Dienstag desertierte die gesamte Besatzung eines libyschen Kriegsschiffs mitsamt dem Schiff. Zwei Bomberpiloten bogen bei einem Einsatz nach Malta ab. Auch die Zivilbevölkerung steht Insidern zufolge vor einem Massenexodus. Großteils soll es sich dabei allerdings um schwarzafrikanische Gastarbeiter handeln.

In Tripolis Blutbad

Gegen Gaddafi: Ahmed Menesi, Botschafter in Wien. Foto: www.diplomatic-press.net

Gegen Gaddafi: Ahmed Menesi, Botschafter in Wien. Foto: www.diplomatic-press.net Gegen Gaddafi: Ahmed Menesi, Botschafter in Wien. Foto: www.diplomatic-press.net

und Vergewaltigung

Die Furcht im Land ist groß. Laut Angaben des italienischen Außenministeriums sind bereits 1000 Menschen bei Kämpfen ums Leben gekommen. Der französische Arzt Gérard Buffet, der am Montag aus Bengasi zurückgekehrt ist, berichtet gar von mindestens 2000 Toten alleine in dieser Stadt. Der Fernsehsender Al-Arabiya zählt insgesamt gar 10.000 Tote. Während sich angeblich weite Teile Libyens unter Kontrolle der Aufständischen befinden, will Muammar Gaddafi bis zuletzt kämpfen. In der Hauptstadt Tripolis haben seine Anhänger Augenzeugenberichten zufolge ein Blutbad angerichtet. Sie schießen wild in alle Richtungen, sie nehmen willkürlich Menschen auf den Straßen der Hauptstadt fest, sie vergewaltigen Frauen. "Ich habe ein Massaker gesehen", berichtet eine 40-jährige Frau, die nach Tunesien geflüchtet ist. Beweise wie Fotos und Filme gebe es nicht, da jedem, der die Stadt verlässt Speicherkarten und Kameras abgenommen würden.

Gaddafi soll sich mit vier Brigaden der Sicherheitskräfte auf dem Stützpunkt Bab Asisiya in Tripolis verschanzt haben. Mit Geld erkauft er sich nach Kräften Unterstützung. Die Volksrepublik hat laut der italienischen Zeitung "la Repubblica" eine Belohnung von 7000 bis 9000 Euro für jeden getöteten Aufständischen ausgesetzt.

Im Ausland rekrutiert das Regime Söldner. 30.000 sollen sich laut der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Solidarity" bereits in Libyen befinden, 5000 weitere schwer bewaffnet auf dem Weg dorthin sein. Vier Transportflugzeuge sollen von Benin aus nach Libyen gestartet sein, an Bord Kämpfer aus zahlreichen afrikanischen Ländern. Angeblich finden sich aber auch Söldner aus Serbien und aus Indien. Hinter den Rekrutierungen soll Gaddafis Sohn Khamis, ein Brigadier, stecken. Weniger Erfolg hatte Ahmed Gaddafi, ein Verwandter von Gaddafi, der in Ägypten versuchte, den Volksstamm der Awlad Ali mit Geld für den Kampf gegen die Aufständischen zu ködern. Er erhielt eine Absage.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-02-23 19:49:00
Letzte Änderung am 2011-02-24 09:34:00


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