Dicke Rauchwolken über Bengasi. - © AP Anja Niedringhaus
Dicke Rauchwolken über Bengasi. - © AP Anja Niedringhaus

"Die Resolution steht im Widerspruch zur UNO-Charta, die jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Mitgliedslandes verbietet", hieß es in dem Schreiben, das der libysche Regierungssprecher Mussa Ibrahim vor der Presse in Tripolis verlas.

Der Brief war an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, den britischen Premierminister David Cameron, die beide bei der Resolution federführend waren, und UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon adressiert.

"Libyen gehört nicht euch. Libyen gehört uns", hieß es darin. "Wir können keinen einzigen Schuss auf unser eigenes Volk abfeuern, es ist die Organisation Al-Kaida", die von den Regimetruppen bekämpft werde. Wenn die Westmächte eine Militärintervention gegen Libyen starteten und sich in die Angelegenheiten des Landes einmischten, würden sie dies "bedauern". Sie würden "unkalkulierbare Risiken für das Mittelmeer und Europa in Kauf nehmen", drohte er.

"Sohn" Obama

Gaddafi schrieb einen weiteren Brief an US-Präsident Barack Obama, in dem er diesen seinen "Sohn" nannte. "Selbst wenn Libyen und die USA - Gott verbiete es - in den Krieg miteinander treten, wirst Du für immer mein Sohn bleiben", hielt Gaddafi fest. Auch in diesem Schreiben versteifte er sich auf die Behauptung, in Libyen nicht Gegner seiner Diktatur, sondern das ganz Nordafrika umspannende Terrornetz Al-Kaida zu bekämpfen. "Was würdest Du tun, wenn Du sie in bewaffneter Kontrolle über amerikanische Städte vorfändest? Wie würdest Du Dich verhalten, damit ich Deinem Beispiel folgen kann?", schloss der Brief an Obama.

Bengasi unter Beschuss

Truppen des libyschen Machthabers haben am Samstag in der Früh offenbar die Aufständischen-Hochburg Bengasi angegriffen. Damit hätte er gegen eine UNO-Resolution verstoßen, die u.a. ein Flugverbot vorsieht. Bengasi wurde von starken Explosionen erschüttert, während ein Kampfflugzeug über die Stadt flog. Einwohner sagten, sie würden von Gaddafi-Leuten angegriffen. Nach jüngsten Angaben des Senders Al-Jazeera drangen die Gaddafi-Soldaten mittlerweile in westliche Vororte von Bengasi ein.

Die USA hatten dem Machthaber zuvor vorgeworfen, das Flugverbot zu missachten. Die UNO-Botschafterin der USA, Susan Rice, sagte dem US-Nachrichtensender CNN, falls Gaddafi nicht unverzüglich die Bedingungen der UNO-Resolution erfülle, müsse er die Konsequenzen tragen. Die USA und ihre Alliierten seien zum Handeln bereit. Nach der UNO-Resolution ist der internationalen Allianz gegen Gaddafi militärisch fast alles erlaubt bis auf den Einsatz von Bodentruppen.

Sondertreffen in Paris

Am Samstag beraten Spitzenvertreter der Europäischen und der Afrikanischen Union, der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga in Paris über das weitere Vorgehen. An dem Treffen in Paris werden neben UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon unter anderen auch US-Außenministerin Hillary Clinton und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Deutschland will sich anders als Großbritannien, Spanien, Frankreich oder auch Katar nicht an Militäraktionen beteiligen.

Ein Militärschlag der internationalen Gemeinschaft gegen Gaddafi könnte noch am Wochenende erfolgen. Die Intervention sei binnen Stunden nach dem Gipfel am Samstag in Paris möglich, sagte Frankreichs UNO-Botschafter Gerard Araud in einem Interview mit dem britischen Fernsehsender BBC in der Nacht auf Samstag. Der französische Außenminister Alain Juppe erklärte, alle Vorbereitungen für Luftschläge seien getroffen.

US-Präsident Barack Obama sagte, Gaddafi müsse sofort alle Angriffe auf sein Volk beenden, seine Truppen zurückziehen und humanitäre Hilfe in dem Land zulassen. Sonst würde er entsprechend der UNO-Resolution militärische Konsequenzen zu spüren bekommen. Zugleich machte er deutlich, dass die USA sich bei möglichen Militäraktionen lediglich als "Teil der einer internationalen Koalition" sehen.

NATO bereitet sich für mögliches Eingreifen vor

Die NATO bereitet sich auf ein militärisches Eingreifen des Bündnisses in Libyen vor - doch noch gibt es kein Mandat dafür. Am Samstag berieten die Botschafter der 28 NATO-Staaten in Brüssel über Details zur Kriegsvorbereitung, um dem Regime von Diktator Muammar al-Gaddafi Einhalt zu gebieten. "Wir treiben die Planungen mit Hochdruck voran und gehen die einzelnen Schritte durch", sagte ein NATO-Sprecher auf Anfrage. "Wir wollen fertig sein, wenn es losgehen sollte." Bisher gebe es aber noch keine Entscheidung.

Am Vortag hatten sich die Botschafter der NATO-Staaten zunächst noch nicht auf ein Mandat für den Einsatz von Militär einigen können. Wie aus Militärkreisen verlautete, zeichnet sich aber ab, dass die NATO bereit sein wird, das vom UNO-Sicherheitsrat genehmigte Flugverbot über Libyen durchzusetzen. Die Planungen seien aber nach wie vor noch nicht entscheidungsreif. Unklar ist vor allem, welche Staaten bei dem Einsatz mitmachen werden.

Nach Angaben eines Majors der dänischen Verteidigungsakademie, Steen Egesö, werden auch die Kampfflugzeuge aus Dänemark an den erwarteten NATO-Angriffen in Libyen teilnehmen. Sechs dänische F-16-Kampfjets waren bereits am Samstag in der Früh auf eine NATO-Basis in Sizilien geflogen, nachdem das Parlament in Kopenhagen in einer Nachtsitzung einstimmig Grünes Licht für den Einsatz gegeben hatte.