Der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi hat in der Vergangenheit wiederholt den internationalen Terrorismus unterstützt - am bekanntesten ist der Bombenanschlag auf ein US-Linienflugzeug im Dezember 1988 über dem schottischen Lockerbie, bei dem 270 Menschen starben. Dem libyschen Regime werden aber auch Beteiligungen an mehreren Attentaten in Österreich vorgeworfen:

ÜBERFALL AUF DIE OPEC - Am 21. Dezember 1975 attackierte ein Terror-Kommando des Terroristen Carlos (alias Ilich Ramirez Sanchez) die Wiener Zentrale der Erdöl-Organisation OPEC und nahm rund 70 Personen, darunter die Ölminister mehrere Staaten, als Geiseln. Drei Menschen wurden bei der Geiselnahme getötet. Die sechs Terroristen konnten sich nach Verhandlungen mit der Regierung von Bundeskanzler Bruno Kreisky (S) in einem gekaperten Flugzeug in den Nahen Osten absetzen. In einer Erklärung forderten die Terroristen die Einheit der arabischen Staaten gegen den US-Imperialismus und Solidarität mit den Palästinensern. Im Nachhinein hieß es von ehemaligen Teilnehmern, der Anschlag habe den Ölpreis beeinflussen sollen. Einer der damaligen Geiselnehmer, der Deutsche Hans-Joachim Klein, sagte später, die Gruppe habe die Attacke selbstständig geplant - die Idee dafür, Waffen und Informationen seien jedoch aus Libyen gekommen. Die Gruppe von Carlos soll Kontakte zum Gaddafi-Regime unterhalten haben.

ATTACKE AUF DEN FLUGHAFEN WIEN-SCHWECHAT - Für die Attacke von palästinensischen Extremisten auf den Wiener Flughafen am 27. Dezember 1985 werden die Terrororganisation von Abu Nidal (alias Sabri al-Banna) und das libysche Regime als Drahtzieher verantwortlich gemacht. Bei dem Angriff am Abfertigungsschalter der israelischen Fluglinie El Al schossen Terroristen wild um sich und warfen Handgranaten in die Menge der wartenden Passagiere, dabei wurden 16 Menschen getötet und rund 70 weitere teils schwer verletzt. Zeitgleich fand eine ähnliche Attacke auf den römischen Flughafen Fiumicino statt. Zu beiden Attacken bekannte sich die Organisation von Abu Nidal. US-Präsident Ronald Reagan sprach wenig später von einem "Kriegsakt Gaddafis gegen Österreich". Die staatliche libysche Nachrichtenagentur Jana feierte in einer später zurückgezogenen Reaktion das Attentat als "Heldentat". In Berichten hieß es, die Attentäter hätten aus libyscher Hand tunesische Pässe zur Einreise nach Österreich erhalten. Gaddafi leugnete hingegen eine Beteiligung seines Regimes und der Gruppe um Abu Nidal. Von den zwei überlebenden Palästinensern wurde einer mittlerweile aus der Haft entlassen, der andere sitzt weiterhin in der Justizanstalt Stein ein. Abu Nidal wird auch die Ermordung des Wiener Stadtrats Hans Nittel (S) 1981 sowie der Terroranschlag auf die Wiener Synagoge in der Seitenstettengasse im gleichen Jahr angelastet. Ob an den Attentaten Gaddafi beteiligt gewesen sein könnte, ist unklar.

ANSCHLÄGE AUF EX-BOTSCHAFTER GHADAMSI - Auf den libyschen Ex-Botschafter in Wien, Ezzedin al-Ghadamsi, wurden 1985 und 1987 Attentate verübt. Der einstige Wegbegleiter und Vertraute Gaddafis war als Botschafter nach Österreich entsandt worden, nach seiner Abberufung im Jahr 1980 weigerte sich der Diplomat jedoch, nach Libyen zurückzukehren. Auch nach seiner Demission soll er laut damaligen Berichten weiterhin für Libyen tätig geworden sein. Am 28. Februar wurde er von einem unbekannten Attentäter niedergeschossen und schwer verletzt. Die libyschen Regierung verurteilte die Tat und machte palästinensische Gruppen und den US-Geheimdienst CIA verantwortlich. Bei einem weiteren Schussattentat am 20. Mai 1987 wurde Ghadamsi nur leicht am Kopf verletzt. Der libysche Attentäter, der von der Polizei gefasst und 1988 zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, nannte private Gründe als Tatmotiv. Ghadamsi sprach hingegen von einer politischen Tat nach einer Verschlechterung seines Verhältnisses zu Gaddafi. Der Ex-Botschafter übersiedelte später nach London und kritisierte wiederholt das Gaddafi-Regime. Der ehemalige Außenminister Erwin Lanc (S) nannte vor kurzem im APA-Gespräch das Gaddafi-Regime als Drahtzieher hinter den Attacken auf Ghadamsi.