• vom 25.04.2011, 18:13 Uhr

Naher Osten - Aktuelle Berichte

Update: 25.04.2011, 18:20 Uhr

Syriens Assad lässt Deraa stürmen - Demonstranten errichten Straßensperren - Grenze zu Jordanien dicht

Syriens Oppositionelle greifen zu Waffen




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  • Sicherheitskräfte schießen in Deraa um sich.
  • UNO verurteilt die Eskalation der Gewalt.
  • In Syrien lebende Österreicher sind derzeit wohlauf.
  • Amman. (schmoe) Der syrische Machthaber Bashar Assad setzt jetzt Panzer und Truppen im großen Maßstab gegen Demonstranten ein. Am gestrigen Montag marschierten bis zu 3000 Soldaten und Kolonnen von Militärfahrzeugen in Deraa ein - jener Stadt, in der der Aufstand gegen Assad begann. Nach Angaben von Augenzeugen gab es zahlreiche Todesopfer - die Rede war von vorerst 20 - als die Panzer das Feuer auf Demonstranten eröffneten.

Ein Augenzeuge berichtete, dass zahlreiche verletzte Demonstranten auf den Straßen rund um die zentrale Moschee von Deraa lägen.


Syrien vor Bürgerkrieg?

In Nawa, wo auf einem Begräbnis ebenfalls Tausende zu einem Sturz des Staatschefs aufgerufen hatten, richteten sich Einwohner auf einen Angriff der Assad-Truppen ein. Hier bewaffneten sich Männer und errichteten Straßensperren. Sie reagierten auf Berichte, Bulldozer und Militärfahrzeuge seien in Richtung der 25 Kilometer nördlich von Daraa gelegenen Stadt unterwegs. Wenn die Demonstranten in größerer Zahl zu den Waffen greifen und dem Druck der Sicherheitskräfte nicht nachgeben, käme es auch in Syrien zu einem Bürgerkrieg.

Zu Ausschreitungen ist es auch in Damaskus gekommen, vor allem die Vororte Douma und El Muadamijeh sind betroffen. In der Küstenstadt Jabla wurden nach Angaben einer Menschenrechtsgruppe mindestens 13 Zivilisten von Regierungstruppen und Scharfschützen getötet. In Banias, südlich von Jabla, drohten Protest-Anführer mit einer Unterbrechung der Küstenautobahn, sollte die Belagerung Jablas nicht aufgehoben werden.

Menschenrechtler sprechen von einem "brutalen Krieg" der Sicherheitskräfte mit dem Ziel, die demokratische Opposition Syriens auszulöschen. Seit Beginn der Unruhen im März sollen allein in Deraa bereits 350 Zivilisten ums Leben gekommen sein, ein Drittel davon allein in den vergangenen vier Tagen, nachdem der Aufstand am vergangenen Freitag eskaliert war.

Zuvor hatte Präsident Assad den Ausnahmezustand nach 48 Jahren aufgehoben. Spätestens nach dem Blutbad am folgenden Tag hat der Staatschef bei den Demonstranten aber jede Glaubwürdigkeit verspielt.

Assad, der die Macht nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2000 übernommen hat, will die Oppositionsbewegung ähnlich wie Muammar Gaddafi in Libyen schon im Anfangsstadium auslöschen. Ähnlich wie in Tripolis vor wenigen Wochen gehen die Syrer in Hauseinfahrten und in Wohnungen in Deckung; auf den Straßen liegen Verletzte, die nicht versorgt werden können. So wie in der libyschen Rebellen-Stadt Misrata sind in Syrien jetzt Scharfschützen auf den Dächern von Regierungsgebäuden postiert, Sicherheitsleute schießen in die Menge. Panzer gehen an den Einfallstraßen nach Deraa in Stellung, vor hier feuern sie in das Zentrum der Stadt. Nach Darstellung der Regierung gehen die Soldaten gegen bewaffnete Islamisten vor, die das Land infiltriert hätten. Diese Islamisten hätten bereits zahlreiche Polizisten erschossen, so die Behörden.

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Dokument erstellt am 2011-04-25 18:13:05
Letzte Änderung am 2011-04-25 18:20:00


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