Im Vorfeld wurde gar von neuen Visionen gesprochen, die Obama für die US-arabischen Beziehungen entwickeln werde - doch das war wohl zu hoch gegriffen. Vielmehr betonte Obama die demokratischen Prinzipien, von denen die US-Politik geleitet werde und versprach konkrete finanzielle Maßnahmen für einzelne Länder. Im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern forderte er eine rasche Zwei-Staaten-Lösung.

Die Botschaft der USA sei simpel, sagte Obama: Wer das Risiko von Reformen auf sich nehme, "hat die volle Unterstützung der Vereinigten Staaten". Den USA selbst wiederum biete sich eine historische Gelegenheit. "Wir haben die Chance zu zeigen, dass Amerika die Würde eines Straßenverkäufers in Tunesien höher achtet als die rohe Macht des Diktators."

Der US-Präsident betonte aber auch, dass der Erfolg demokratischer Umbrüche "von einer Ausweitung von Wachstum und verbreitetem Wohlstand" abhängt. Er versprach daher konkrete Hilfen für die Länder, in denen die Demokratiebewegungen Langzeitherrscher bereits gestürzt haben, nämlich für Ägypten und Tunesien. Kairo wird gar eine Milliarde Dollar an Schulden erlassen. Zudem sollen Förderprogramme in den beiden Ländern gestartet werden. Dabei sollen auch die Weltbank und der Internationale Währungsfonds mitwirken.

Kritik an Assad

Obama nahm zudem Bezug auf die Länder, wo Revolten noch im Gang sind. Er wandte sich dabei direkt an Syriens Herrscher Bashar al-Assad, gegen den die USA nun Sanktionen verhängt haben.

Assad habe die Wahl, Proteste und Reformen zuzulassen - oder abzutreten. Obama richtete damit eine indirekte Rücktrittsaufforderung an Assad, ließ dem syrischen Herrscher aber gleichzeitig eine Hintertür offen.

Auch zu Bahrain äußerte sich Obama. Die Führung in dem Golfstaat müsse endlich einen Dialog mit der Opposition zulassen. Mit Bahrain las Obama einem Verbündeten die Leviten, die US-Flotte hat in dem Land einen Stützpunkt.

Ein mächtigerer US-Verbündeter, der ebenfalls Regimegegner verhaften lässt, blieb aber in der Rede vollkommen ausgespart: nämlich Saudi-Arabien. Das autoritär regierte Königreich ist ein Partner im Kampf gegen die Al-Kaida, ein regionales Gegengewicht zum Iran und ein wichtiger Öl-Lieferant. Saudi-Arabien dient Demokratieaktivisten in der arabischen Welt immer wieder als Beispiel, dass die Vereinigten Staaten mit zweierlei Maß messen und dort, wo es ihren Interessen dient, auch mit autokratischen Regimen ein Auskommen finden.

Ein weiterer heikler Punkt im US-arabischen Verhältnis ist der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Den USA wird von arabischer Seite eine zu große Unterstützung Israels vorgehalten. Obama forderte in seiner Rede eindringlich eine Zwei-Staaten-Lösung. Er plädierte für den Beginn neuer Gespräche, in denen zunächst die zentralen Streitfragen des Grenzverlaufs zwischen Israel und einem Palästinenser-Staat sowie Sicherheitsfragen behandelt werden. Die Verhandlungen sollten nach Obamas Aussagen auf den Grenzen von 1967 basieren.

Treffen mit Netanyahu

Obama warnte die palästinensische Führung zudem vor der angekündigten einseitigen Ausrufung eines eigenen Staates mit Hilfe der UNO. "Symbolische Aktionen bei der UNO, um Israel zu isolieren, werden nicht zu einem Palästinenser-Staat führen", sagte Obama. An Israel richtete er die Mahnung: "Einen dauerhaften Frieden kann es nicht mit anhaltender Besatzungspolitik geben." Zugleich versprach Obama Israel, die USA würden sich unbeirrbar für die Sicherheit des jüdischen Staates einsetzen.

Heute, Freitag, wird Obama Israels Premier Benjamin Netanyahu treffen - die Erwartungen, dass es zu Fortschritten im Friedensprozess kommt, sind auch nach der Rede gering.