Mit dem Hoch "Jürgen" kommt die Hitzewelle, die in Südeuropa seit Tagen für Rekordwerte und Brände sorgt, auch nach Österreich zurück. Mit bis zu 37 Grad, die bis Mitte der Woche angesagt werden, wird sich die Trockenheit in einigen Regionen des Landes verschärfen. Noch sei die Lage dank des feuchten Juni nicht dramatisch, aber die Waldbrandgefahr werde in den kommenden Tagen ansteigen, sagte Mortimer Müller vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur am Montag.

In Frankreich und Großbritannien waren bereits für Montag Rekordtemperaturen vorausgesagt. Britische Meteorologen rechneten mit Temperaturen von mehr als 40 Grad. Dies würde den bisherigen Rekord von 38,7 Grad 2019 deutlich übertreffen. In London hat die Regierung daher die nationale Notlage ausgerufen. In Frankreich galt am Montag für 15 von 101 Départements die rote Warnstufe für Hitzewelle. Generell betroffen ist vor allem die Atlantikküste und erstmals auch die Bretagne. In der Hälfte Frankreichs werden Höchsttemperaturen zwischen 38 und 40 Grad erwartet.

Die seit Tagen wütenden Waldbrände sind noch immer nicht gelöscht. Südlich von Bordeaux am Bassin d’Arcachon sind bereits 15.000 Hektar abgebrannt, vor allem Pinienwälder. Auch in Italien und Portugal flammen immer wieder Waldbrände auf, und die griechische Feuerwehr schätzt das Risiko für Waldbrände in vielen Landesteilen ebenfalls weiterhin als "sehr hoch" ein.

Hälfte der EU droht Dürre

Hand in Hand mit der Brandgefahr durch die Hitze geht die Dürre einher: Frankreich, Rumänien, Spanien, Portugal und Italien werden vermutlich mit einem Rückgang der Ernteerträge zu kämpfen haben, schreibt die EU-Kommission in einem am Montag veröffentlichten Bericht ihres Forschungszentrums zur Trockenheit im Juli. Demnach besteht auf 46 Prozent des EU-Gebiets ein Risiko für Dürre.

In Österreich ist die Brandgefahr laut Müller von der Boku im Flachland Ostösterreichs am höchsten. Da es dort aber relativ wenig Wald gibt, bedeute das eher eine hohe Flurbrandgefahr - also die Gefahr eines Brandes, der sich auf offener Flur ausbreitet. Was die Wälder betrifft, so sei der Alpenostrand in Niederösterreich mit seinen Schwarzkiefernbeständen am meisten gefährdet.

Schon in den vergangenen 10 bis 15 Jahren war es in Österreich tendenziell trocken. Direkt auf den Klimawandel könne man dieses Phänomen jedoch nicht zurückführen, meint Klimaforscher Klaus Haslinger, der bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik zu Trockenheit und Hydrologie forscht. Paradoxerweise zeigt sich die globale Erwärmung aufgrund des Klimawandels vielmehr darin, dass insgesamt sogar immer mehr Wasser in der Atmosphäre zirkuliert. Grund dafür sind die schmelzenden Eiskappen, wodurch mehr Wasser verdunstet und in der Luft als Wasserdampf gespeichert wird.

Mehr Wetterextreme

Mehr Wasser in der Atmosphäre bedeutet aber nicht automatisch auch mehr Niederschlag. Denn Verdunstung und Niederschläge sind regional sehr unterschiedlich und unter anderem von geologischen Strukturen - wie den Alpen - geprägt.

In Österreich zum Beispiel ist die Gesamtmenge des Niederschlags über das Jahr verteilt seit Jahrzehnten relativ gleich. Was aber zugenommen hat, ist den Aufzeichnungen zufolge die Anzahl der Wetterextreme wie mächtige Gewitter mit Überflutungen oder eben Dürreperioden, berichtet der Wetterdienst Ubimet.