Linz. "Stop payin' taxes" wird man im Video zu Paolo Cirios Arbeit gesanglich aufgefordert. Dabei hat er eigentlich nichts gegen Steuern, sondern betrachtet sie als elementar, dass das System auch funktioniert. So will er den liederlichen Aufruf mehr als Provokation verstanden wissen. Denn der Italiener hat die Regierungswebsite des karibischen Steuerparadieses Cayman Islands geknackt und die Identitäten von mehr als 200.000 dort registrierter Firmen ihrer Anonymität beraubt. Die Firmenidentitäten bietet er nun auf www.loophole4all.com zum Kauf an.

Für seine Arbeit hat er die Goldene Nica im Bereich Interaktive Kunst gewonnen, seine Arbeit bringt Fragen zu Transparenz, institutionalisierter Illegalität und Demokratie aufs Tableau.

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Website Paolo Cirio
www.loophole4all.com
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Von Facebook zur Partnervermittlung

Bereits in der Vergangenheit hatte er mit Daten aus dem Internet für Aufsehen gesorgt: Gemeinsam mit Alessandro Ludovico  bastelte er aus Daten von rund 250.000 Facebook-Nutzern den angeblichen Dating-Service "lovely-faces.com". Die frei verfügbaren Informationen sammelten sie mit Hilfe einer speziellen Software zusammen. Die Fotos der Facebook-Mitglieder wurden auf der Seite anschließend per Bilderkennungs-Software in Kategorien wie sanft, lustig oder durchtrieben eingeteilt.

Mit dieser Arbeit wollten sie zeigen, wie leicht öffentlich zugängliche Informationen aus Facebook-Profilen missbraucht werden können. "lovely-faces.com" sei nur ein "Kunst-Projekt", mit dem man die Nutzer dazu bringen wolle, verantwortungsvoller mit ihren Daten umzugehen. Jeder könne persönliche Informationen stehlen und in einem völlig anderen Kontext verwenden - das zeige, wie anfällig und manipulierbar  Internet-Inhalte sind.