• vom 20.11.2018, 16:52 Uhr

Artenschutz

Update: 20.11.2018, 17:43 Uhr

Artenvielfalt

DNA-Strichcodes für jede Art




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  • Artenschutz: 70 Prozent der Wirbeltiere in Österreich verschwunden - Gensequenz soll helfen.

- © Hermann - stock.adobe.com

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Wien. (gral/est) In den vergangenen 40 Jahren hat die Welt mehr als die Hälfte ihrer Wirbeltiere verloren. Österreich habe in den letzten 30 Jahren 70 Prozent seiner Bestände eingebüßt. Diese Zahlen zitierten Naturschützer und Biologen bei einem Hintergrundgespräch im Naturhistorischen Museum Wien (NHM) am Montagnachmittag aus einer noch unveröffentlichten Studie. Zur Zahl der auf der Erde lebenden Spezies insgesamt gebe es allerdings nur Schätzungen, die sich "zwischen drei Millionen und 30 Millionen Arten" bewegen würden. Für Österreich sei von 75.000 Arten (ohne Mikroorganismen) auszugehen.

Die Ungewissheit wollen die Experten beenden. Im Rahmen des Projekts "International Barcode of Life" (Ibol) wollen sie möglichst alle Arten erfassen, um wirkungsvolle Maßnahmen zu ihrer Erhaltung zu entwickeln. "Derzeit gibt es nur episodische Berichte zum Ausmaß der Bestandsverluste", erklärte NHM-Biologe Nikolaus Szucsich. Was fehle, sei ein umfassendes Bild der Biodiversität. Bettina Thalinger blickt auf den Bildschirm ihres Laptops. Zu sehen sind in unterschiedlichen Reihenfolgen die Anfangsbuchstaben von Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin - die Grundbausteine der DNA. Jede Reihenfolge steht für ein Tier - vom Rotkehlchen über die Blindschleiche bis zur Seerose. Wenn bestimmte Sequenzen übereinstimmen, handelt es sich um die gleiche Art. "Wir arbeiten an einem digitalen Bestimmungsbuch, um die Fehlerquote zu minimieren und die internationale Zusammenarbeit zu erleichtern", erklärt die Biologin der Universität Innsbruck.


Genetische Diversität
Möglichst alle Pflanzen-, Tier- und Pilzarten sollen als "DNA-Strichcode" erfasst werden, durch den sie schnell und sicher identifizierbar sind. Der Code ist ein wichtiges Instrument für die Unterscheidung von Arten und die Beschreibung genetischer Diversität. Um ihn zu bekommen, wird das Erbgut verschiedener Lebewesen sequenziert. Danach werden jene Gene in eine Datenbank aufgenommen, an denen sich Arten einerseits identifizieren und andererseits unterscheiden. Die Barcodes erlauben eine eindeutige Zuordnung, erklärte Elisabeth Haring vom NHM Wien, die das "Austrian Barcode of Life"-Projekt (Abol) leitet. Im Rahmen des Projekts sollen auch alle österreichischen Arten erfasst werden. "Dabei ist die Qualitätssicherung beim Sammeln, Bestimmen, Zuordnen und Archivieren wirklich wichtig", sagte sie.

Viele Organismen können selbst von Experten nur in erwachsenem Zustand sicher ermittelt werden. Mit dem Barcoding können nicht nur schwer bestimmbare Arten, sondern auch Eier, Larven oder gar Gewebereste sogar am Kot, am Blut oder an Geweberesten klassifiziert werden. Auch Böden oder Gewässer können auf ihre Artenzusammensetzung getestet werden, ohne die Organismen selbst einfangen und testen zu müssen. Allerdings muss die globale Zuordnung schnell erfolgen. Denn "die Zeit zwischen den Forschungsergebnissen, den erarbeiteten Vorschlägen und der politischen Umsetzung ist derzeit so groß, dass wie mehr Biodiversität verlieren, als wir bekämpfen können", warnte Haring. Viele Arten würden aussterben, bevor man sie erfasst hätte.

Die Zerstörung von Lebensräumen gilt als Hauptursache für die Entwicklung. Wenn der Mensch seinen Einfluss auf die Biosphäre nicht reduziere, müsse er mit einem katastrophalen Zusammenbruch rechnen, betonte Franz Essl vom Department für Biodiversitätsforschung der Uni Wien. Langfristig könne ein unausgewogenes System mit derartigen Verlusten nicht existieren. Das sei aber vielen Menschen nicht bewusst.

Würde die Bestimmung global organisiert, würde es schneller gehen. Bisher mangelt as jedoch am Geld. "Bei einer generellen Finanzierung bräuchten wir 25 Millionen Euro für alle Arten", sagte Haring: "Bisher haben wird aber nur 1,6 Millionen aus den Hochschulraum-Strukturmitteln finanziert bekommen." Am 6. und 7. Dezember treffen sich Forscher aus ganz Österreich zur "5. Abol-Jahrestagung" im NHM, um über Fortschritte in dem seit 2014 laufenden Projekt zu diskutieren.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-11-20 17:04:24
Letzte Änderung am 2018-11-20 17:43:42


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