Nur sieben bis zwölf Arten zählen zur Gattung der Honigbienen. Sie bilden mehrjährige Staaten, gelten jedoch gewissermaßen als Haustiere, weil ihre Existenz und Zahl auch von der Sorgfalt der Imkerei abhängt. In Österreich leben rund 350.000 Honigbienen-Völker. Während die Arbeiterinnen mit Nestbau und Blütenbesuchen beschäftigt sind, sorgt die Königin für den Nachwuchs. Nach ihrem Jungfernflug bleibt sie im Stock. "Drohnen begeben sich immer wieder zu eigenen Sammelplätzen. Dort warten sie auf Königinnen, die, dem Geruch von bestimmten Pheromonen folgend, vorbeikommen", erklärt Michael Rubinigg vom Verein Biene Österreich. Es folgt biologische Effizienz: Die Königin wird nur einmal im Leben von mehreren
Drohnen begattet, deren Lebensaufgabe sich darin erschöpft, Spermien-Pakete im Leib der Königin abzulegen. Diese ermöglichen es ihr, ein Leben lang Eier zu produzieren. Die restlichen Wochen seines Lebens wird ein Drohn von seinen Schwestern durchgefüttert.

Die auf eine einzige Aufgabe beschränkte Rolle der Drohnen zählt zu den wenigen Dingen, die die Lebensarten von Honig- und Wildbienen verbinden. Manche Wildbienen-Arten leben sogar im Boden. Sie graben sich bis zu 50 Zentimeter hinab, um Nester und Brutzellen anzulegen. Zur Schimmelpilz-Abwehr tapezieren die pelzigen Baumeisterinnen ihre unterirdischen Gänge mit Sekreten. Sie füllen ihre Nester mit Nektar und Eiern. Damit ist ihre Lebensaufgabe erfüllt. Nach sechs Wochen sterben die Mutterbienen. Ohne es je gezeigt bekommen zu haben, weiß der Nachwuchs genau, was er nach dem Schlüpfen zu tun hat. "Zwischen den Generationen gibt es keinen Kontakt. Das gesamte Wissen einer Wildbiene ist in den Genen festgeschrieben", erklärt Fritz Gusenleitner. Eine andere Technik, die im Erbgut steht, ist das Blätterschneiden. Die Blattschneider-Biene bringt Blätter so in Form, dass sie inklusive eines Deckels als Brutkasten taugen. In verschlossenen Blatt-Röhren liegen sie Eier, jedes in seiner eigenen Zelle. Die Bienchen schlüpfen eines nach dem anderen - die Männchen zuerst, damit sie bereit sind, wenn die Weibchen folgen. Die Biene gilt als eine der wichtigsten Tierarten im Ökosystem. In den 1970er Jahren machte die Zeichentrickserie "Biene Maja" erstmals auf ihre Bedeutung aufmerksam, indem sie die Wiese als Lebensraum und als zu
Hause vorstellte. Indem sie Blütenpollen von Pflanze zu Pflanze trägt, verbessert die Biene deren Fortpflanzungschancen. Eine Welt ohne Bienen wäre somit auch eine Welt ohne Blumenwiesen.

Blütentreue

"Der Großteil der Blumen und Blüten sind das Ergebnis eine Ko-Evolution mit ihren Bestäubern", erklärt Gusenleitner, Leiter des Biologiezentrums in Linz. Die Pflanzen haben im Laufe der Evolution süße Säfte entwickelt, um bestäubende Insekten anzulocken und sie an sich zu binden. Bestäuberinnen und Blütenpflanzen passten sich aneinander an: Die Pflanzen entwickelten Blütenformen mit tiefen Nektarkelchen und Staubfäden, die Bienen Rüssel, um an den Nektar heranzukommen, sowie ihr speziell an den Pollentransport angepasstes Haarkleid.

Etwa 20 Prozent der Bienen sind genau jenen Blüten treu, die in der größten Menge vorhanden sind und dem Nachwuchs am meisten Nektar liefern. Doch wo soll der Nektar herkommen, wenn die Wiesen alle paar Wochen gemäht und Feldkräuter mit Spritzmitteln vernichtet werden und die Lebensräume von Pflanzen und ihren Bestäubern Äckern und Siedlungen weichen? "Wichtig für die Wildbiene sind die Nahrung, die vorhanden sein muss, und die Strukturen, in denen sie ihre Nester legen können", betont die Biologin Doris Dannenmann von der Technischen Hochschule Bingen im "Deutschlandfunk".