Corvallis/Wien. Schmetterlinge wohin man schaut. Diese farbenprächtige Aussicht trifft heute nicht mehr auf alle Regionen zu. Denn der Klimawandel und menschliche Einflüsse haben in den letzten Jahren auch den bunten Faltern immer mehr abverlangt. Einige Arten sind in ihrer Zahl massiv reduziert, aber auch insgesamt hat das Vorkommen abgenommen. Dies verdeutlicht einmal mehr eine Langzeitstudie aus den USA. 21 Jahre lang haben Forscher die Schmetterlingsbevölkerung beobachet. In dieser Zeit sei ein Drittel der zartbeflügelten Insekten verlustig gegangen. Den Rückgang beziffern die Forscher der Oregon State University mit zwei Prozent pro Jahr, wie sie im Fachblatt "Plos one" berichten.

Ein Schwalbenschwanz-Schmetterling bei der Nektaraufnahme. - © Rob Liptak, Ohio Lepidopterists
Ein Schwalbenschwanz-Schmetterling bei der Nektaraufnahme. - © Rob Liptak, Ohio Lepidopterists

Spezialisten gefährdet

"Die Rückgänge betreffen auch häufige Arten", erklärt der Insektenforscher und Studienautor Tyson Wepprich. "Diese Abnahme gerade bei den häufigen Arten beunruhigt mich, weil es zeigt, dass es weitreichende Umwelteinflüsse zu geben scheint, die auch jene Arten betreffen, von denen man dachte, dass sie sich an ein Leben mit dem Menschen gut angepasst haben." Vor allem zahlreich vorkommende Spezies sorgen für eine gute Bestäubung, dienen aber auch als wertvolle Quelle in der Nahrungskette, etwa für Vögel.

Schmetterlinge auf der App

"Manche Arten sind auch natürlichen Schwankungen unterworfen", erklärt der österreichische Schmetterlingsexperte Helmut Höttinger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das hänge nicht nur von der Witterung ab, sondern auch von der Zahl der Parasiten und Feinde. Dennoch habe es vor 60 bis 70 Jahren noch 100 Mal so viele Falter gegeben wie heute. Sowohl die Artenzahl als auch die Zahl der Individuen ist deutlich rückläufig. Häufig werde diese Gegebenheit allerdings verschleiert. Aufgrund eines kuriosen Einflugs aus Afrika sind hierzulande heuer etwa Milliarden an Distelfaltern unterwegs.

Indikator für den Klimawandel

Die Experten richten ihren Blick vor allem auf die Spezialisten unter den Tieren. Sie bevölkern meist nur ganz bestimmte Regionen, wie etwa Feuchtgebiete, Moore oder auch das Hochgebirge. Die Raupen fressen häufig nur eine Pflanzenart, was sie angesichts des Klimawandels und des Rückgangs von Gewächsen als gefährdet einstufen lässt. "Arten, die viel aushalten, viele verschiedene Lebensräume bewohnen und auch viele verschiedene Pflanzen von den Raupen gefressen werden, sind im Vergleich dazu nicht oder nur wenig gefährdet", betont Höttinger.

Er ist auch wissenschaftlicher Begleiter der Initiative Blühendes Österreich. Mit der seit etwa drei Jahren laufenden und erst jüngst wieder beworbenen App "Schmetterlinge Österreichs" - die "Wiener Zeitung" berichtete - wird man die Rückgänge in Zukunft auch belegen können. Derzeit kommen über die App pro Tag etwa 1000 Meldungen von Schmetterlingssichtungen herein, berichtet Höttinger. Damit lässt sich auch die Flugzeit von Arten sehr gut nachvollziehen, die sich teilweise deutlich verlängert hat. Sichtbar sei bereits, dass gewisse Arten früher schlüpfen und sich damit ihre Flugzeit bis in den Herbst hineinzieht. Das habe sogar dazu geführt, dass zum Beispiel der Aurora-Falter in einem Jahr bereits zwei Generationen hervorbringt. Damit ist er eine Schmetterlingsart, die man als Indikator für den Klimawandel heranziehen kann.