Für die Dreharbeiten war Regisseur Richard Ladkani acht Monate vor Ort, getragen von dem Gedanken: "Warum sollte man sich Sorgen um den Vaquita machen, einen kleinen Schweinswal, dessen Namen man wahrscheinlich noch nie gehört und gesehen oder ihn gar berührt hat, geschweige denn um sein Schicksal weiß? Ganz einfach: Weil der Vaquita ein mächtiges Symbol von dem ist, was wir auf unserem Planeten verlieren. Wenn wir nicht den kleinsten und meistgefährdeten Kleinwal retten können, welche Hoffnung gibt es da noch für Elefanten, Tiger und Nashörner?"

Laut Ladkani geht es um von Menschenhand ausgelöste Zerstörung und die Gier einiger weniger: Im Juni 2019 wurden zwei Chinesen in Kalifornien festgenommen, sie hatten Schwimmblasen im Wert von vier Millionen US-Dollar bei sich. Im März haben chinesische Behörden elf Menschen strafrechtlich verfolgt. Sie wollten Totoaba-Blasen von 119 Millionen US-Dollar schmuggeln. 2018 hat der chinesische Zoll 440 Kilo an Blasen von rund 26 Millionen US-Dollar sichergestellt. Das Ausgangsmaterial kam von Andrea Crosta. Er war schon länger den schweren Umweltverbrechen im Golf von Kalifornien auf der Spur und konnte belegen, dass sich die chinesische Mafia und mexikanische Drogenhändler zusammengeschlossen haben, um ein grausames, höchst lukratives Geschäft abzuwickeln.

ine Totoaba Schwimmblase wird am Zoll in Hong Kong beschlagnahmt. - © Terra Mater Factual Studios
ine Totoaba Schwimmblase wird am Zoll in Hong Kong beschlagnahmt. - © Terra Mater Factual Studios

Umweltkriminelle entlarven

Crosta spielte schon in Ladkanis letztem Film "The Ivory Game" den Undercover-Agenten. Der gebürtige Italiener ist es auch in Echt: Als Geschäftsführer und Co-Gründer von Earth League International (ELI) hat er jahrzehntelange Erfahrung mit verdeckten Ermittlungen und kennt die Arbeitstechniken des CIA gut. Ihm geht es vor allem darum, das eigentliche Verbrechen offenzulegen. Dafür hat er Namen, Adressen und Daten der Händler, Mittelsmänner, Schlepper und Drahtzieher ausfindig gemacht. Crosta gab sich beispielsweise als illegaler Käufer aus und sprach mit chinesischen Schwarzhändlern, wie sie den Totoaba verwenden, um das Geld zurück nach China reinzuwaschen.

Den Totoaba entzaubern

Eines ist Crosta klar: "Ein Konservierungsplan allein reicht nicht aus." Man müsse die gesamte Versorgungskette zerschlagen, nicht nur die Wilderer und Endkonsumenten ausforschen, sondern mit einer harten Strafverfolgung die Mittelsmänner, die aus Transitländern operieren, die Geschäftsmänner und die korrupten Regierungsbeamten ausschalten. Und den Menschen vor Ort, den Fischern, eine Existenz sichern. "Noch verdient man mit einem Totoaba mehr als andere in einem Jahr. Daher gilt es, das Problem an der eigentlichen Wurzel zu packen und die sinnlose Nachfrage nach dem Totoaba zu entzaubern."

"Es ist Eile geboten. Die von Profitgier getriebene Ausrottung passiert im Echtzeitmodus. Jetzt", warnt der Ermittler Andrea Crosta. Bald wird es für die letzten der Vaquita gefährlich: Von Jänner bis April ist Hauptfangzeit, das könnte ihr Ende einleiten.