Angesichts der "dramatischen Situation" der Wildbienen hat sich an der Uni Salzburg der "Österreichische Wildbienenrat" konstituiert. Die Experten für Insekten, Ökologie und Biodiversität fordern ein allgemeines "Umdenken und Umlenken" und sehen im "Bestäuberschutz ein Gebot der Stunde", heißt es in einer Aussendung, in der sie sich für eine Forschungs- und Bildungsoffensive aussprechen.

Wie dramatisch die Situation der Wildbienen ist, würden Daten aus Deutschland zeigen, die direkte Rückschlüsse auf Österreich zulassen, so der Biologe und Mitglied des Bienenrats, Johann Neumayer. Er verweist auf die vor einigen Jahren veröffentlichte Studie, wonach die Insektenbiomasse im vergangenen Vierteljahrhundert um mehr als 75 Prozent abgenommen hat, wovon auch die Bienen zumindest proportional betroffen seien. Zudem seien laut der aktuellen Roten Liste mehr als die Hälfte der Bienen Deutschlands gefährdet.

Rote Liste und Monitoring gefordert

In Österreich würden allerdings belastbare aktuelle Daten für eine Detailbeurteilung der Situation und damit auch für zielgerichtete Schutzprioritäten und Maßnahmen fehlen. So gebe es im Gegensatz zu vielen anderen Ländern keine Rote Liste der mehr als 700 hierzulande nachgewiesenen Bienenarten.

Der Wildbienenrat fordert daher dringend die Erstellung einer solchen Roten Liste sowie ein fundiertes Monitoring nach dem Vorbild Deutschlands und der Schweiz. "Wer die Landschaft so intensiv nutzt, wie wir es tun, muss die Folgen für die Artenvielfalt erkennen können", betonen die Experten.

"Ein Umdenken ist dringend geboten"

Der Wildbienenrat will sich dafür einsetzen, dass in Österreich der Schutz von bestäubenden Insekten in Privatgärten, auf Agrar- und öffentlichen Flächen Priorität bekommt. "Ein Umdenken und Umlenken ist dringend geboten, denn die Weiterführung der bisherigen Praxis sägt an unseren Lebensgrundlagen", betonen die Experten unter Verweis auf die Bedeutung der Bestäubung durch Insekten. Zudem helfe der Schutz von Bienen auch vielen weiteren Tausenden Tier- und Pflanzenarten.

Ein Problem orten die Experten auch darin, dass nur noch wenige Menschen Wildbienen-Arten kennen und zuverlässig bestimmen können, weshalb es "höchste Zeit für eine Ausbildungsoffensive ist". Deshalb unterstützt der Wildbienenrat die Ausbildung Interessierter durch Bestimmungskurse, Führungen, Exkursionen, Schulprojekte oder über Online-Plattformen wie www.naturbeobachtung.at. (apa)