• vom 02.07.2013, 16:42 Uhr

Artenschutz

Update: 24.05.2018, 19:44 Uhr

Rote Liste

Und weiter leiden die Wälder




  • Artikel
  • Fotostrecke
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Heiner Boberski

  • 20.934 Arten vom Aussterben bedroht
  • Eine "Auslöschungskrise" gefährdet Leben auf der Erde, sagt Expertin.

Monterey-Kiefer: Sie ist sehr wichtig für das Klima.

Monterey-Kiefer: Sie ist sehr wichtig für das Klima.© wikimedia/Dreger Monterey-Kiefer: Sie ist sehr wichtig für das Klima.© wikimedia/Dreger

Wien. 70.294 Arten, um 4807 mehr als bisher, stehen auf der neuen Roten Liste gefährdeter Tier- und Pflanzenarten der Weltnaturschutzunion IUCN. 20.934 davon gelten als akut vom Aussterben bedroht. "Das Gesamtbild ist alarmierend", sagt Jane Smart, IUCN-Direktorin im Bereich Artenvielfalt. Sie begrüßt, dass dank der Roten Liste mehr Information als je zuvor über den globalen Zustand der Biodiversität vorliegt, fügt aber sofort hinzu: "Wir müssen dieses Wissen voll ausschöpfen, damit unsere Anstrengungen für den Artenschutz möglichst gezielt und effizient erfolgen, wenn es uns ernst damit ist, die Auslöschungskrise zu stoppen, die anhaltend alles Leben auf der Erde bedroht."

Besondere Sorgen machen sich die Naturschützer um die Nadelhölzer. Seit der letzten vollständigen Erfassung im Jahr 1998 ist der Grad ihrer Gefährdung um 4 Prozentpunkte auf nunmehr 34 Prozent gestiegen. Das bedeutet, dass weltweit ein Drittel der Zedern, Zypressen und Kiefern vom Aussterben bedroht ist. Der Status von 33 Koniferenarten hat sich verschlechtert, darunter auch jener der wegen ihres schnellen Wachstums geschätzten und weit verbreiteten kalifornischen Monterey-Kiefer (Pinus radiata).

Es gibt mehrere Ursachen für die Gefährdung der Nadelhölzer. Ein Faktum ist etwa die Zunahme von Krankheiten wie zum Beispiel der Dothistroma-Nadelbräune, die von zwei Mikropilzen hervorgerufen wird. Neben kleinen und winzigen Schädlingen können auch wilde Ziegen zum Schwinden von Baumbeständen beitragen - oder übermäßiges Abholzen durch den Menschen. So ist auch die in Algerien und Marokko beheimatete Atlas-Zeder (Cedrus atlantica) zu einer gefährdeten Art geworden. Dabei sind gerade Nadelwälder für das Klima äußerst wichtig. Laut IUCN lagern sie dreimal mehr Kohlenstoff ein als die Regenwälder. Zu den Koniferen zählen die ältesten und größten Organismen, etwa die Langlebige Kiefer (Pinus longaeva), von der man 2012 ein 5062 Jahre altes Exemplar entdeckt hat, oder der bis zu 110 Meter hohe Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens).

Manche Nadelholzsorten gehen durch Abholzung verloren, ehe die IUCN sie überhaupt auflisten könne, befürchtet der IUCN-Koniferenexperte Aljos Farjon. Er kann aber auch auf eine Art verweisen, die sehr gefährdet war, deren Status sich aber durch Schutzmaßnahmen in Kalifornien und Oregon deutlich verbessert hat: Lawsons Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsoniana). Solche Resultate seien ermutigend, aber "natürlich nicht genug".

Ausgestorbene Tiere

Auf der knapp 800 Arten umfassenden Liste jener Tiere, welche die IUCN als ausgestorben betrachtet, stehen neuerdings der Wüstenkärpfling (Cyprinodon arcuatus), eine als Kapverdischer Riesenskink bekannte Echse (Chioninia coctei) und eine Süßwasser-Garnelenart (Macrobrachium leptodactylus).

Da die Bestände in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen sind, gelten einige Tiere nun als extrem gefährdet, zum Beispiel ein Schwein namens Weißbartpekari (Tayassu pecari), dessen Population in Costa Rica und Mexiko um über 80 Prozent geschrumpft ist. Auch die Jangtse-Schweinswale, die im gleichnamigen chinesischen Fluss und zwei angrenzenden Seen leben, sind vom Aussterben bedroht. Gab es 2006 noch 1800 dieser Süßwasserwale, die Säugetiere sind, so sinkt ihre Zahl seither rasch - verursacht durch illegales Fischen, intensiven Schiffsverkehr und Verschmutzung.

Erstmals hat die Rote Liste auch die globalen Bestände von Süßwassergarnelen erfasst, von denen 28 Prozent als bedroht gelten. Zehn Prozent werden als Lebensmittel verkauft, darunter vor allem Rosenberggarnelen (Macrobrachium rosenbergii), die in der Süßwasser-Nahrungskette von Bedeutung sind.

In Österreich sind laut dem 10. Umweltkontrollbericht 40 Prozent aller Pflanzenarten gefährdet, in der Fauna sämtliche Arten von Lurchen und Kriechtieren.





1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-07-02 16:47:24
Letzte Änderung am 2018-05-24 19:44:25


Biologie

Schutzgebiete nützen Schildkröten im Amazonas

Manaus. An den Ufern des Jurua-Flusses im brasilianischen Amazonasgebiet tummeln sich wieder mehr südamerikanische Arrauschildkröten... weiter




Bedrohte Arten

Eine Formel gegen das Aussterben

Berggorillas stehen auf der Roten Liste. - © StockAdobe/bandanar Tempe/Wien. (gral) Mehr als 26.000 Spezies sind aktuell vom Aussterben bedroht. Diese Zahl prangt auf der Internetseite der Weltnaturschutzunion IUCN... weiter




Schiffsunglück

Frachtverkehr gefährdet Wale

Corsica - © Sanctuaire Pelagos / apaWeb / Reuters Nach dem Zusammenstoß zweier Frachtschiffe vor Korsika und dem Austritt von Treibstoff weisen Umweltschützer auf die Bedrohung von Walen und Delfinen... weiter




Monitoring

Das große Comeback der Bartgeier

Bartgeier - © Hansruedi Weyrich Hohe Tauern. Bartgeier zählen zu den größten und imposantesten Vögeln Europas. In Österreich starben sie im 19. Jahrhundert aus... weiter




Gefährdete Arten

Japan will verstärkt Wale fangen dürfen

Kommerzieller Walfang durch die Hintertür. - © APAwebAP, Kyodo News Tokio. Japan erwägt aus Frust über das bestehende Walfang-Moratorium den möglichen Austritt aus der Internationalen Walfangkommission (IWC)... weiter




Wildtiere

Turteltaube im Sinkflug

Turteltaube - © Chrischan1077 CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0 Wien. Am Stephansplatz entdeckt eine Taube das übrig gelassene Stanitzl eines Kindes. Sie beginnt zu fressen, Dutzende weitere kommen angeflogen... weiter




Artenschutz

Der Wolf ist zurück in Österreich

20180902Wolf - © APAweb / dpa, Bernd Thissen Wien. Der Wolf ist zurück und mancherorts herrscht Angst und Verunsicherung: Rund 20 Tieren streifen derzeit - vor allem ausgehend von Allentsteig -... weiter




USA

Gericht: Zunächst keine Jagd auf Grizzlybären

Bärin mit zwei Jungen im Yellowstone-Park. - © Jim Peaco - PD Ein US-Richter hat die geplante Jagd auf Grizzlybären in der Nähe des Yellowstone-Nationalparks zunächst verhindert... weiter




Artenschutz

Deutscher Zoll beschlagnahmt Schimpansenschädel

- © CITES Präparate geschützter Tiere und Produkte aus deren Haut oder Knochen sind keine geeigneten Mitbringsel aus dem Urlaub... weiter




Nashörner

116 Kilogramm Horn beschlagnahmt

Die Behörden in Kuala Lumpur präsentierten die beschlagnahmten Hörner. - © Perhilitan / CITES  Auf dem Flughafen von Kuala Lumpur hat der Zoll 116 Kilogramm Horn von bedrohten Nashörnern beschlagnahmt. Die 50 Stücke wurden vor einer entdeckt... weiter




Zoologie

Die Pinguine verschwinden

- © StockAdobe/czeiser Melbourne/Wien. Die größte Königspinguin-Kolonie der Erde ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um fast 90 Prozent geschrumpft... weiter




Vor Gericht

Der Mann, der Elfenbein mit Milch putzt

Die sichergestellten Zähne waren teilweise schmuckvoll verziert. - © apa/BMF/Bernhard Hradil Wien. Herr B. ist eine dieser Angeklagten, die wirklich gerne reden. Wie aus einem Wasserfall strömen die Worte aus ihm heraus... weiter




Artenschutz

Forscher fordern Handelsverbot für Amphibien

Mantella - © Bernard DUPONT - CC 2.0 Ein extrem aggressiver und tödlicher Pilz bedroht die Bestände von Fröschen und weiteren Amphibien weltweit. Ein internationales Forscherteam fordert... weiter




Artenschutz

Alarmierende Rückgänge bei heimischen Brutvögeln

20180509voegel - © APAweb/dpa Wien. Teilweise alarmierende Rückgänge im Vorkommen heimischer Vogelarten zeigen Daten des österreichischen Brutvogel-Monitorings... weiter




Vor Gericht

Elfenbeinsammler gerät unter Druck

Wien. Unter Druck geriet am Mittwoch Elfenbeinsammler B., der sich derzeit am Wiener Straflandesgericht verantworten muss... weiter




Vor Gericht

Der Elfenbeinsammler

Immer wieder werden im Kampf gegen illegale Wilderer beschlagnahmte Elefantenstoßzähne verbrannt (hier in einem Nationalpark in Nairobi). - © afp Wien. "Ich bin ein Sammler", sagt Herr B. Erzählt er über seine Leidenschaft, gerät er ins Schwärmen. Immer wieder tausche er seine Stücke aus - "so... weiter




Artenschutz

Sind alle Tiere schützenswert?

Wegen ihres bunten Gefieders sind Hellrote Aras begehrte Haustiere, die Nachfrage gefährdet den tropischen Papagei. - © VWPics/universal/getty 2017 war ein schlechtes Jahr für Waldelefanten. In den Republiken Kongo und Zentralafrika sank ihre Zahl auf 10.000 Tiere... weiter




Artenschutz

Punk-Schildkröte und Riesensalamander

Mary-River-Turtle - © Linda Matthewson - CC 4.0 / Australian Museum - J. Cann - Nature Focus Etwa hundert Arten von Reptilien sind akut vom Aussterben bedroht. Das geht aus einer Veröffentlichung der Zoologischen Gesellschaft von London (ZSL)... weiter




Artensterben

Wenn die Letzten ihrer Art sterben

FILE PHOTO: Sudan, the last surviving male northern white rhino, is fed by a warden at the Ol Pejeta Conservancy in Laikipia national park - © APAweb / Reuters, Baz Ratner Nairobi. Das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn der Welt ist gestorben. Der 45 Jahre alte Sudan habe zuletzt altersbedingt stark gelitten -... weiter




Schmetterlingszählung

Häufigster Schmetterling

- © Blühendes Österreich/Pabinger Wien. Die Ergebnisse der über die App "Schmetterlinge Österreichs" durchgeführten Schmetterlingszählung sind ausgewertet: Im Jahr 2017 wurde der... weiter




Artenschutz

Konflikte dezimieren Wildtiere

- © Fotolia/PeekCC Maputo. Wenn Menschen kämpfen, leiden auch Tiere. Von 1946 bis 2010 waren allein in Afrika 71 Prozent der Naturparks von bewaffneten Konflikten... weiter




Artenschutz

Größtes Sterben seit den Dinos

Die Bestände der Seepferdchenarten in Europa sind um bis zu 30 Prozent zurückgegangen. - © apa/WWF/Zankl Wien. Für die Zentralafrikanischen Wildelefanten, Koalas und besonders für Seepferdchen, Insekten und Schuppentiere war 2017 ein schlechtes Jahr... weiter




Artenvielfalt

Erste Korallen-Transplantation

Gesunde Ökosysteme benötigen Artenvielfalt: Clownfische zwischen Korallen. - © Afp/William West Sydney/Lunz. (est/afp/apa) Zuerst sammelten sie den Laich. Dann brüteten sie diesen zu Larven aus - und dann setzten sie die Larven in gefährdete... weiter





Werbung




Werbung