• vom 25.05.2016, 19:48 Uhr

Artenschutz

Update: 27.05.2016, 23:47 Uhr

Artenschutz

Wohin geht CITES?




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Gerald Jatzek (WZ Online)

  • Die staatlichen Artenschützer diskutieren demnächst auch über ihr Selbstverständnis.

Vor dem Menschen kann der Pangolin nicht flüchten. - © Creative Commons - David Brossard

Vor dem Menschen kann der Pangolin nicht flüchten. © Creative Commons - David Brossard

Im September findet in Johannesburg das 17. Treffen der CITES-Staaten, der Unterzeichner des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, statt. Besserer Schutz für wenig beachtete Arten, die Auseinandersetzung mit einer Initiative Swasilands zum Verkauf von Hörnern des Breitmaulnashorns und eine heiße Diskussion um Elefanten stehen auf der Tagesordnung.

Zunächst wird allerdings die Frage des Abstimmungsmodus zu behandeln sein. Obwohl die Vereinten Nationen, denen CITES angeschlossen ist, keine geheimen Abstimmungen erlauben, wurden solche in der Vergangenheit immer wieder durchgeführt. Das dies zu Absprachen, ein früherer Teilnehmer sprach von "Rosstäuscherei" führt, liegt auf der Hand. Anstelle des vorsichtigen, diplomatischen Vorgehens von CITES fordert eine Initiative eine Neuausrichtung der Organisation: "CITES muss eine schlagkräftige Organisation zur Verbrechensbekämpfung werden", zitiert das südafrikanische Nachrichtenportal News24 den Umweltschützer Ian Michler.

Geringe Chancen, bei welchem Abstimmungsmodus auch immer, dürfte ein Antrag Swasilands für den Verkauf von 330 gelagertem Kilo Horn von toten Rhinozerossen haben. Dass die potentiellen asiatischen Käufer ungenannt bleiben, legt den Verdacht nahe, dass es sich um ein Geschäft mit einem kriminellen Unternehmen handelt. Zu Pulver zermahlen könnte das Horn mit illegalen beständen vermischt werden und solcherart von gewilderten Tieren stammende Bestände legalisieren.

Elefanten

Im Blickpunkt der Öffentlichkeit werden wohl einmal mehr die Elefanten stehen. Während Kenia vor kurzem mit 105 Tonnen Stoßzähnen und Figurinen fast den gesamten Bestand an Elfenbein vernichtet hat, wollen Simbabwe und Namibia den Inhalt ihrer Lager verkaufen. Simbabwe behauptet in seinem Antrag, dass nur reguläre Verkäufe von Stoßzähnen den Schutz der Elefanten finanzieren können. Dem widersprechen gleichermaßen Umweltschützer und Tourismusmanager.

Ein anderer Antrag fordert hingegen, die Gefährdung für alle afrikanischen Elefanten auf die höchste Stufe (Appendix I) zu heben. Die USA, Kenia und weitere Staaten fordern hingegen ein Ende des bislang noch geduldeten innerstaatlichen Handels mit Elfenbein.

Schuppentiere

In Zoos bekommen Schuppentiere stets viel Aufmerksamkeit aufgrund ihres ungewöhnlichen Äußeren. Die umgangssprachlich auch Tannenzapfentiere genannten Manidae schützen ihren Körper mit Hornschuppen und können sich bei Gefahr zu einer kompakten Kugel einrollen. Gegen den Menschen hilft ihnen diese Taktik freilich wenig. Sowohl in Afrika wie in Asien werden sie wegen ihres Fleisches gejagt. Dazu kommt die Verwendung der Schuppen in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Laut Meldungen von Zollbehörden und Artenschützern stehen Schuppentiere mittlerweile an der Spitze der illegal gehandelten Säugetiere. Im Mai wurden rund 130 Kilo Pangolinschuppen in Hongkong und 123 Kilo in Indien beschlagnahmt. Im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh wurden am 4. Mai 82 Schmuggler festgenommen, die den chinesischen Markt mit Fleisch, Blut und Schuppen von Pangolinen belieferten.

Auf der Konferenz in Südafrika werden mehrere Länder den Antrag stellen, den Schutz der Schuppentiere auf die Stufe I zu heben. Das allein wird freilich nicht allzu viel nützen. Der Sunda-Pangolin etwa steht seit 2014 auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Information

CITES-Tagung
 24.9.-5.10.2016 in Johannesburg

Bei einer geschätzten Aussterbensrate von 50 Prozent pro Jahr sind freilich Empfehlungen und polizeiliche Maßnahmen allein zu wenig. Organisationen wie Education for Nature in Vietnam versuchen daher, das Bewusstsein der Konsumenten zu ändern. Dabei setzen sie auf die Auseinandersetzung mit den traditionellen Heilmethoden.

Laut Naturheilern in China und Vietnam sollen Pangolinschuppen unter dem Namen Chuan Shan Jia den Körper entgiften, die Produktion von Muttermilch anregen, Thrombosen vorbeugen, Entzündungen hemmen und Fieber senken. Dazu kommt der Einsatz in Potenzmitteln.

Die Wirksamkeit ist oft eine Frage des Glaubens. Daher gilt es, einerseits ein Bewusstsein bei den Konsumenten zu schaffen und andererseits Ersatzstoffe anzubieten. Auch das sehen einige Delegierte als eine mögliche Aufgabe von CITES. Unverbindliche Empfehlungsbehörde, effektive Wirtschaftspolizei oder aufklärerische Organisation - welches Modell sich Ende Jänner in Johannesburg am ehesten durchsetzen wird, ist nicht abzusehen.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-05-25 19:04:57
Letzte Änderung am 2016-05-27 23:47:36


Wildtiere

Turteltaube im Sinkflug

Turteltaube - © Chrischan1077 CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0 Wien. Am Stephansplatz entdeckt eine Taube das übrig gelassene Stanitzl eines Kindes. Sie beginnt zu fressen, Dutzende weitere kommen angeflogen... weiter




Artenschutz

Der Wolf ist zurück in Österreich

20180902Wolf - © APAweb / dpa, Bernd Thissen Wien. Der Wolf ist zurück und mancherorts herrscht Angst und Verunsicherung: Rund 20 Tieren streifen derzeit - vor allem ausgehend von Allentsteig -... weiter




USA

Gericht: Zunächst keine Jagd auf Grizzlybären

Bärin mit zwei Jungen im Yellowstone-Park. - © Jim Peaco - PD Ein US-Richter hat die geplante Jagd auf Grizzlybären in der Nähe des Yellowstone-Nationalparks zunächst verhindert... weiter




Artenschutz

Deutscher Zoll beschlagnahmt Schimpansenschädel

- © CITES Präparate geschützter Tiere und Produkte aus deren Haut oder Knochen sind keine geeigneten Mitbringsel aus dem Urlaub... weiter




Nashörner

116 Kilogramm Horn beschlagnahmt

Die Behörden in Kuala Lumpur präsentierten die beschlagnahmten Hörner. - © Perhilitan / CITES  Auf dem Flughafen von Kuala Lumpur hat der Zoll 116 Kilogramm Horn von bedrohten Nashörnern beschlagnahmt. Die 50 Stücke wurden vor einer entdeckt... weiter




Tschechien

Dubiose Geschäfte mit Tigern und Löwen

20180819tiger - © APAweb, afp, Arun Sankar Prag. In Tschechien gibt es immer mehr Privatzoos mit Raubkatzen. Ein grausamer Fall hat nun ein Schlaglicht auf mangelnde Kontrollen und kriminelle... weiter




Zoologie

Die Pinguine verschwinden

- © StockAdobe/czeiser Melbourne/Wien. Die größte Königspinguin-Kolonie der Erde ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um fast 90 Prozent geschrumpft... weiter




Vor Gericht

Der Mann, der Elfenbein mit Milch putzt

Die sichergestellten Zähne waren teilweise schmuckvoll verziert. - © apa/BMF/Bernhard Hradil Wien. Herr B. ist eine dieser Angeklagten, die wirklich gerne reden. Wie aus einem Wasserfall strömen die Worte aus ihm heraus... weiter




Artenschutz

Forscher fordern Handelsverbot für Amphibien

Mantella - © Bernard DUPONT - CC 2.0 Ein extrem aggressiver und tödlicher Pilz bedroht die Bestände von Fröschen und weiteren Amphibien weltweit. Ein internationales Forscherteam fordert... weiter




Artenschutz

Alarmierende Rückgänge bei heimischen Brutvögeln

20180509voegel - © APAweb/dpa Wien. Teilweise alarmierende Rückgänge im Vorkommen heimischer Vogelarten zeigen Daten des österreichischen Brutvogel-Monitorings... weiter




Vor Gericht

Elfenbeinsammler gerät unter Druck

Wien. Unter Druck geriet am Mittwoch Elfenbeinsammler B., der sich derzeit am Wiener Straflandesgericht verantworten muss... weiter




Vor Gericht

Der Elfenbeinsammler

Immer wieder werden im Kampf gegen illegale Wilderer beschlagnahmte Elefantenstoßzähne verbrannt (hier in einem Nationalpark in Nairobi). - © afp Wien. "Ich bin ein Sammler", sagt Herr B. Erzählt er über seine Leidenschaft, gerät er ins Schwärmen. Immer wieder tausche er seine Stücke aus - "so... weiter




Artenschutz

Sind alle Tiere schützenswert?

Wegen ihres bunten Gefieders sind Hellrote Aras begehrte Haustiere, die Nachfrage gefährdet den tropischen Papagei. - © VWPics/universal/getty 2017 war ein schlechtes Jahr für Waldelefanten. In den Republiken Kongo und Zentralafrika sank ihre Zahl auf 10.000 Tiere... weiter




Artenschutz

Punk-Schildkröte und Riesensalamander

Mary-River-Turtle - © Linda Matthewson - CC 4.0 / Australian Museum - J. Cann - Nature Focus Etwa hundert Arten von Reptilien sind akut vom Aussterben bedroht. Das geht aus einer Veröffentlichung der Zoologischen Gesellschaft von London (ZSL)... weiter




Artensterben

Wenn die Letzten ihrer Art sterben

FILE PHOTO: Sudan, the last surviving male northern white rhino, is fed by a warden at the Ol Pejeta Conservancy in Laikipia national park - © APAweb / Reuters, Baz Ratner Nairobi. Das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn der Welt ist gestorben. Der 45 Jahre alte Sudan habe zuletzt altersbedingt stark gelitten -... weiter




Schmetterlingszählung

Häufigster Schmetterling

- © Blühendes Österreich/Pabinger Wien. Die Ergebnisse der über die App "Schmetterlinge Österreichs" durchgeführten Schmetterlingszählung sind ausgewertet: Im Jahr 2017 wurde der... weiter




Artenschutz

Konflikte dezimieren Wildtiere

- © Fotolia/PeekCC Maputo. Wenn Menschen kämpfen, leiden auch Tiere. Von 1946 bis 2010 waren allein in Afrika 71 Prozent der Naturparks von bewaffneten Konflikten... weiter




Artenschutz

Größtes Sterben seit den Dinos

Die Bestände der Seepferdchenarten in Europa sind um bis zu 30 Prozent zurückgegangen. - © apa/WWF/Zankl Wien. Für die Zentralafrikanischen Wildelefanten, Koalas und besonders für Seepferdchen, Insekten und Schuppentiere war 2017 ein schlechtes Jahr... weiter




Artenvielfalt

Erste Korallen-Transplantation

Gesunde Ökosysteme benötigen Artenvielfalt: Clownfische zwischen Korallen. - © Afp/William West Sydney/Lunz. (est/afp/apa) Zuerst sammelten sie den Laich. Dann brüteten sie diesen zu Larven aus - und dann setzten sie die Larven in gefährdete... weiter




Artenschutz

"Die letzten ihrer Art"

105 Tonnen Stoßzähne wurden bei dieser Razzia in Kenia am 28. April 2016 beschlagnahmt. Hier hält ein Vertreter des Stammes der Maasai einen der Zähne, die aufgetürmt sind, um als abschreckende Maßnahme verbrannt zu werden. - © reu/Thomas Mukoya Streng verboten, illegal: Tausende gefährdete Tierarten werden getötet, damit ihre Zähne, Knochen und Felle für teures Geld verkauft werden können... weiter




Menschenaffen

Der dritte Orang-Utan

Der Tapanuli-Orang-Utan lebt im abgelegenen Hochland Sumatras. Videostill: Universität Zürich Jakarta/Zürich/Wien. (dpa/est) Auf der indonesischen Insel Sumatra hat ein internationales Forschungsteam eine neue Orang-Utan-Art ausfindig gemacht... weiter




Artenschutz

Wo die wilden Katzen wohnen

Majestätisch und getupft: Amerikanischer Jaguar in seinem natürlichen Habitat. - © fotolia/photocech Austin/Wien. Ob Schneeleopard, Löwe oder Tiger: Großkatzen sind vom Aussterben bedroht. Auch der Jaguar steht auf der Roten Liste der... weiter




Naturschutz

Eschen, Heuschrecken und Tausendfüßler vom Aussterben bedroht

Gland. Die Rumpelstilzchen-Zwergheuschrecke, der zirpende Riesenkugler und die ganz gemeine amerikanische Esche sind vom Aussterben bedroht... weiter





Werbung




Werbung