• vom 10.08.2016, 19:00 Uhr

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"Alte Feinde" bedrohen Arten




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  • Viel mehr als der Klimawandel bedroht die Ausbeutung der Ressourcen die weltweite Vielfalt.

Das Braunkehlchen ist laut Experten nur mit raschen Hilfsprogrammen zu retten.

Das Braunkehlchen ist laut Experten nur mit raschen Hilfsprogrammen zu retten.© fotolia/mirkograul Das Braunkehlchen ist laut Experten nur mit raschen Hilfsprogrammen zu retten.© fotolia/mirkograul

Brisbane/Wien.(gral) Der Mensch lebt weit über seine Verhältnisse und verbraucht mehr natürliche Ressourcen, als der Planet regenerieren kann. Diese Übernutzung, aber auch die Intensivierung der Landwirtschaft im Laufe der vergangenen Jahrzehnte sorgen dafür, dass die weltweite Artenvielfalt darunter verfällt. Die von diesen altbekannten Gefahren ausgehenden Bedrohungen seien noch dazu stärker als der Einfluss durch den Klimawandel, betonen Wissenschafter im Fachblatt "Nature". Die Fokussierung auf das Klimageschehen könne dazu führen, dass Prioritäten beim Artenschutz falsch gesetzt werden, befürchtet das Forscherteam um Sean Maxwell von der University of Queensland in Brisbane.

Vögel und Falter im Sinkflug

Durch die flächendeckende Intensivierung der Landwirtschaft befinden sich etwa in Österreich fast alle Feld- und Wiesenvögel im Sinkflug, da ihre Gelege häufig durch die Bewirtschaftung zerstört werden, warnte zeitgleich zur Veröffentlichung der australischen Studie die Vogelschutzorganisation BirdLife am Mittwoch. Einige der vom Aussterben bedrohten Arten, wie zum Beispiel der Große Brachvogel, kommen daher fast ausschließlich in Schutzgebieten vor. Die letzten Restbestände von Braunkehlchen und Wiesenpieper seien nur mit raschen Hilfsprogrammen zu retten. Bei Kiebitz und Heidelerche könnte nur naturnäheres Bewirtschaften der Brutplätze in Äckern weitere Einbußen verhindern.

Aber auch die "Schmetterlinge stehen stellvertretend für den sorglosen und von kurzfristigen Profiten getriebenen Umgang mit unseren Ressourcen. Die Gefährdungslage ist dabei größer als erwartet", vermeldete zuletzt auch Global 2000. Dabei würden die Lebensräume der Falter nicht nur durch Verbauung, landwirtschaftliche Intensivierung und den Verlust artenreicher Blumenwiesen massiv eingeschränkt, sondern auch durch den intensiven Einsatz von Spritz- und Düngemitteln. In der aktuellen Situation der Schmetterlinge sieht Global 2000 ein Indiz für "eine Schieflage des gesamten Ökosystems".

Die australischen Forscher haben wiederum weltweit fast 8700 Arten in ihre Analyse einbezogen, die auf der Roten Liste bedrohter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) stehen. Sie stellten fest, dass 72 Prozent von ihnen durch die Übernutzung der Ressourcen bedroht sind. Allein 4000 seien durch Waldrodungen in Gefahr, schreiben die Experten in ihrer Publikation. Beispielhaft werden darin der Tropenvogel Borneowolltimalie, die indische Nikobaren-Spitzmaus und die Stumpfnasenaffen aus Myanmar genannt.

Als zweitwichtigsten Faktor nennen die Forscher die Landwirtschaft, die 62 Prozent der einbezogenen Arten treffe. Allein der Getreidebau gefährde 4600 Spezies wie die Fresno-Kängururatte und den Afrikanischen Wildhund, weil die dafür genutzten Flächen als Lebensraum verloren gingen. An dritter Stelle stehe die Urbanisierung. Mehr als 2700 Spezies seien der Auswertung zufolge zudem direkt bedroht, weil sie gejagt, gefischt oder für die Tierhaltung gefangen werden.

Appell an Verantwortliche

Beim Thema Naturschutz sollten sich die politisch Verantwortlichen daher nicht nur auf Klimafragen konzentrieren. Der Klimawandel könne zwar künftig eine große Gefahr für die Artenvielfalt darstellen, dringlicher sei es aber jetzt, die "alten Feinde" zu bekämpfen. Ihren Appell richten sie vor allem auch im Vorfeld des im September auf Hawaii stattfindenden Weltnaturschutzkongresses.

"Schutzzonen, die Durchsetzung von Jagdregulationen und der Aufbau einer Landwirtschaft, die bedrohten Arten ein gleichzeitiges Überleben ermöglichen - all das spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, die Artenvielfalt zu erhalten", erklärt Koautor James Watson von der University of Queensland in einer Mitteilung der Wildlife Conservation Society. Die Aufrechterhaltung einer intakten Fauna und Flora könne helfen, künftige Gefahren durch den Klimawandel zu entschärfen. Momentan stünden Gefährdungen durch das Klimageschehen erst an siebenter Stelle der Ursachenliste. 19 Prozent der untersuchten Arten seien betroffen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-08-10 16:32:05
Letzte Änderung am 2016-08-10 18:03:50


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