• vom 04.06.2017, 08:22 Uhr

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Arme haben ein großes Herz für Tiere




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Von Gerald Jatzek

  • Afrikas Staaten tun mehr für den Tierschutz als die Industrieländer.

Länder und Artenschutz auf einen Blick. - © WildCRU/Panthera - Creative Commons Attribution License (CC BY)

Länder und Artenschutz auf einen Blick. © WildCRU/Panthera - Creative Commons Attribution License (CC BY)

Nicht selten entsteht der Eindruck, dass Länder, in denen geschützte Tiere gewildert werden, viel zu wenig für deren Schutz tun. Eine neue Studie der Universität Oxford kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass ärmere Staaten dem Artenschutz mehr Bedeutung und Mittel einräumen als die reichen Nationen.

Die Forscher des Wildlife Conservation Research Unit (WildCRU) haben penibel recherchiert, wieviel Geld einzelne Länder für den Schutz von Wildtieren bereitstellen. Gemeinsam mit Panthera, einer Organisation zum Schutz von Großkatzen, wurde ein Mega-Fauna Conservation Index (MCI) von 152 Nationen erstellt. Am Ende stand die überraschende Erkenntnis, das die Biodiversität den reichen Ländern im Durchschnitt weniger wichtig ist als den armen.

Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Schutz großer Säugetiere. Als wichtigste Werte wurden die Flächen des Landes mit Wildtierpopulation, das Ausmaß des Schutzes der Tiere und die dafür aufgewendeten Mittel in Relation zum Bruttosozialprodukt herangezogen.

Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Schutz großer Säugetiere. Als wichtigste Werte wurden die Flächen des Landes mit Wildtierpopulation, das Ausmaß des Schutzes der Tiere und die dafür aufgewendeten Mittel in Relation zum Bruttosozialprodukt herangezogen.

Den Problemen vieler afrikanischer Länder, die mit Armut, Dürre, kriegerischen Auseinandersetzungen und politischer Instabilität zurechtkommen müssen, zum Trotz rangieren mit Botswana, Namibia, Tanzania und Zimbabwe vier afrikanische Länder unter den ersten fünf Staaten. Die USA liegen an neunzehnter Stelle. Österreich findet sich erst auf Rang 38.

Das höhere Engagement der ärmeren Länder kann, so die Studie, nicht damit erklärt werden, dass sie mehr Großwild beherbergen als die Industriestaaten. Die Autoren nehmen an, dass mit der Nähe zu den bedrohten Arten auch die Gefahr ihrer Auslöschung deutlicher wird. Darüber hinaus können Wildtierpopulationen zu einem wichtigen Faktor der Fremdenverkehrs werden.

Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass unter den afrikanischen Ländern nur wenige in den Artenschutz und die entsprechende Infrastruktur so viel investieren, dass dadurch langfristig ausreichende Einkünfte aus dem Tourismus gesichert erscheinen.

Die Industrieländer wiederum stellen von den 1992 in Rio beschlossenen zwei Milliarden Dollar für den internationalen Artenschutz gerade einmal die Hälfte bereit.

Die Studie erscheint vor dem Hintergrund einer globalen Bedrohung des Wildtierbestands. 59 Prozent der großen Raubtiere und sechzig Prozent der großen Pflanzenfresser gelten als bedroht.

Die Reihung der Länder

Country Continent Index (MCI) Rank
Botswana Africa 100 1
Namibia Africa 98.95 2
Tanzania Africa 96.69 3
Bhutan Asia 96.09 4
Zimbabwe Africa 95.93 5
Norway Europe 93.82 6
Central African Republic Africa 93.71 7
Canada North America 93.63 8
Zambia Africa 93.43 9
Rwanda Africa 93.26 10
Kenya Africa 91.67 11
Costa Rica North America 90.77 12
Thailand Asia 90.74 13
Malawi Africa 90.59 14
Mozambique Africa 90.33 15
Sweden Europe 90.26 16
Brunei Asia 90.03 17
Estonia Europe 89.94 18
United States of America North America 89.89 19
Finland Europe 89.81 20
Uganda Africa 88.87 21
Belize North America 87.81 22
Togo Africa 87.71 23
Senegal Africa 87.61 24
Honduras North America 87.4 25
Italy Europe 86.71 26
Sri Lanka Asia 86.7 27
Ivory Coast Africa 86.67 28
Switzerland Europe 86.22 29
Taiwan Asia 85.64 30
Venezuela South America 85.34 31
Mongolia Asia 85.14 32
Kyrgyzstan Asia 84.49 33
Benin Africa 84.43 34
Colombia South America 84.38 35
Cameroon Africa 84.09 36
Panama North America 83.59 37
Austria Europe 83.12 38
Latvia Europe 83.1 39
Angola Africa 82.69 40
Burkina Faso Africa 82.64 41
Armenia Europe 82.51 42
Slovakia Europe 82.44 43
Nepal Asia 82.43 44
South Korea Asia 81.85 45
Russia Asia 81.78 46
Brazil South America 81.48 47
Ghana Africa 81.39 48
Republic of the Congo Africa 81.37 49
Ethiopia Africa 81.23 50
Lithuania Europe 81.2 51
Burundi Africa 81.07 52
Belarus Europe 80.96 53
Chad Africa 80.39 54
Tajikistan Asia 79.65 55
Slovenia Europe 79.5 56
Malaysia Asia 79.1 57
Georgia Europe 78.95 58
Guatemala North America 78.9 59
France Europe 78.39 60
Cambodia Asia 78.25 61
Nicaragua North America 78.06 62
Myanmar Asia 77.97 63
India Asia 77.97 64
Peru South America 77.68 65
Azerbaijan Europe 77.13 66
Serbia Europe 76.93 67
Croatia Europe 75.93 68
Vietnam Asia 75.43 69
Chile South America 75.36 70
Ukraine Europe 74.99 71
Israel Asia 74.41 72
Czech Republic Europe 74.35 73
Hungary Europe 73.98 74
Nigeria Africa 73.65 75
Argentina South America 72.4 76
Spain Europe 71.62 77
Sierra Leone Africa 71.47 78
Niger Africa 71.37 79
Germany Europe 71.05 80
Swaziland Africa 70.77 81
Romania Europe 70.6 82
Paraguay South America 70.24 83
Poland Europe 69.82 84
Laos Asia 69.79 85
Macedonia Europe 69.63 86
Equatorial Guinea Africa 69.15 87
Suriname South America 68.85 88
Indonesia Asia 68.8 89
Mali Africa 68.75 90
Gabon Africa 68.48 91
Uzbekistan Asia 68.28 92
Mexico North America 67.49 93
Sudan Africa 67.44 94
Lesotho Africa 66.89 95
Dem. Republic of the Congo Africa 66.21 96
Eritrea Africa 66.13 97
Turkmenistan Asia 66.08 98
Kazakhstan Asia 65.6 99
Morocco Africa 65.16 100
Bolivia South America 64.54 101
Guinea Africa 64.02 102
Bangladesh Asia 63.29 103
Pakistan Asia 62.88 104
Guyana South America 62.82 105
Iran Asia 62.71 106
Tunisia Africa 62.55 107
Portugal Europe 61.42 108
Gambia Africa 60.67 109
Greece Europe 60.61 110
Algeria Africa 60.36 111
South Africa Africa 59.64 112
Bulgaria Europe 58.51 113
Afghanistan Asia 56.84 114
Liberia Africa 50.49 115
Ecuador South America 47.92 116
Denmark Europe 47.91 117
Bosnia and Herzegovina Europe 47.16 118
China Asia 46.83 119
Japan Asia 44.92 120
Belgium Europe 44.23 121
Saudi Arabia Asia 43.41 122
United Kingdom Europe 43.29 123
Turkey Asia 42.45 124
Luxembourg Europe 39.83 125
Netherlands Europe 39.08 126
Albania Europe 37.45 127
Egypt Africa 37.42 128
Guinea Bissau Africa 34.4 129
Ireland Europe 33.17 130
Moldova Europe 33.03 131
Philippines Asia 31.32 132
Somalia Africa 30.14 133
Australia Oceania 29.76 134
Djibouti Africa 29.28 135
El Salvador North America 29,01 136
Jordan Asia 29,09 137
Montenegro Europe 27.22 138
Mauritania Africa 26.61 139
Kuwait Asia 26,07 140
Lebanon Asia 24.85 141
Andorra Europe 22.36 142
Iraq Asia 21.88 143
Oman Asia 20.63 144
Liechtenstein Europe 20.28 145
Uruguay South America 15,01 146
Yemen Asia 13,05 147
Qatar Asia 12,71 148
Libya Africa 7,24 149
Syria Asia 6,15 150
United Arab Emirates Asia 5,15 151
San Marino Europe 0 152




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2017-06-02 16:14:45
Letzte Änderung am 2017-06-04 05:46:16


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