Völlig richtig. Und nein, das reicht nicht. Außerdem sind Richter und Beamte in den Entscheidungsprozess involviert, die mit den Lebensrealitäten von Homosexuellen überhaupt nicht vertraut sind. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Spezialisten im Asylwesen tätig wären, die die Situation von Homosexuellen in den jeweiligen Ländern kennen.

Im Fall von Uganda froren die Weltbank und zahlreiche europäische (vor allem skandinavische Länder) Finanzierungen ein. Ist das die richtige Reaktion auf diskriminierende Systeme? Österreich hingegen "erwägt" diese Sanktionen erst. Wieso ist man da so zögerlich?

Das ist eine der schwierigsten Fragen überhaupt. Uganda ist ein Schwerpunkt der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Ich habe bereits meinen Wunsch im Außenministerium deponiert: Projekte, bei denen Finanzierungsgelder direkt an die Regierungen fließen, eher zu unterbinden und vor Ort zu helfen. Man muss diesen Regierungen klar machen, dass ihre Gesetze inakzeptabel sind. Das Problem ist aber, dass sie Homosexualität als "dekadentes westliches Importprodukt" bezeichnen – vollkommen negierend, dass es in der gesamten Gesellschaft vorkommt. Hier stellt sich die Frage, ob Sanktionen die vorherrschende Kluft noch mehr verstärkt. Deshalb ist ein sofortiger Boykott schwierig.