Wien. Der Flüchtlingsstrom nach Österreich ist laut Innenministerium in den letzten Wochen "massiv" angestiegen. Als Konsequenz schließt man die Errichtung von Zeltstädten für Asyl Suchende nun nicht mehr aus, heißt es aus dem Innenministerium am Donnerstag.  "Auch uns ist bewusst, dass es nicht die optimale Lösung ist, aber es ist eine Alternative", sagt Ministeriumssprecher Alexander Marakovits auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Um über mögliche Standorte oder einen Zeitrahmen etwas zu sagen, sei es noch zu früh.

Das Ressort von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) appellierte an diverse Hilfsorganisationen, Unterkünfte zu schaffen. Die oberste Priorität, so Marakovits sei, die Länder zur Erfüllung der Unterbringungs-Quote zu bekommen. "In den Sommermonaten haben wir Aufrufe an Private gestartet, woraufhin sich auch schon einige Anbieter gemeldet haben." Man müsse aber erst unterschiedliche Kriterien prüfen wie Wasser- und Strom-Zufuhr oder welche Personengruppen man wie einquartiert. Das nehme alles viel Zeit in Anspruch.

In Wien sinkt die Zahl der betreuten Flüchtlinge

Auch an die Bundesländer appelliert das Innenministerium aufgrund der verschärften Lage im Asylwesen erneut, mehr Flüchtlinge unterzubringen. So erfülle Oberösterreich zwar nun die vereinbarte Quote zur Unterbringung mit 88,44 Prozent. In Wien, wo man nach wie vor weit über 100 Prozent liege, sinke allerdings die Zahl der betreuten Flüchtlinge.

Die Zahl der Asylanträge werde sich im August voraussichtlich um die 50 Prozent steigern, warnte man im Ministerium. "Die humanitäre Katastrophe im Nahen Osten erreicht Österreich mit voller Wucht", kommentierte man dort die Entwicklung. So habe es allein vergangene Woche 610 Anträge gegeben, gestern Mittwoch seien es 127 gewesen. Der Großteil der Flüchtlinge komme aus Syrien.

Auswirkungen auf die Länder

Die Bundeshauptstadt ist als "Übererfüller" ist auch der Grund, warum die restlichen Bundesländer ihre Unterbringungsverpflichtungen nicht zur Gänze erfüllen müssen: Mit in den vergangenen Monaten knapp 140 Prozent hat Wien die Möglichkeiten zur Unterbringung deutlich übererfüllt. Aktuell sei diese Zahl allerdings auf 136 Prozent gesunken, dabei handle es sich "um hunderte Flüchtlinge weniger als in der Vergangenheit", betonte man im Innenministerium.