Wie gut funktionieren diese Abkommen generell?

Leider ganz gut. Italien hat jahrelang mit dem gestürzten libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi kooperiert. Er erhielt Material zum Grenzschutz, Sensoren, Nachtsichtgeräte, Waffen, und sollte Italien Flüchtlinge "vom Hals halten". Da die nordafrikanischen Staaten nun aber selbst in der Krise sind, sind die gut organisierten Zeiten wie unter Gaddafi vorbei. Die Folge sind steigende Flüchtlingszahlen.

Welche Rolle spielen die Medien in ihrer Berichterstattung?

Im Vergleich zur Stimmung und Medienberichterstattung der Anfang der 90-er Jahre, sind wir erheblich weiter. Die Menschen verstehen, dass ein Bürgerkrieg in Syrien tobt, und es nicht um Wirtschaftsflüchtlinge geht. Es gibt natürlich Medien, die auf bekannte Naturkatastrophen-Metaphern wie "Asylflut" und "Tsunami" setzen. Wobei 2013 in ganz Europa 435.000 Menschen um Asyl angesucht haben. Dieselbe Zahl hatten wir 1992 alleine in Deutschland. Im Vergleich zur Million im Libanon und in der Türkei, wo nicht von einem Tsunami gesprochen wird. Wichtig ist eine realistische Berichterstattung.

Langfristig wird Europa nicht das Problem der Überbevölkerung haben. Vielmehr werden wir froh sein, wenn junge Menschen kommen. Man könnte – und darf – Migration auch so sehen: Da kommen kräftige Menschen mit Durchsetzungsvermögen und Aspirationen, die volkswirtschaftlich nützlich sein können. Wobei nicht nur der Leistungsgedanke im Vordergrund stehen sollte.
Ein anderer wertvoller Beitrag der Medien ist es, die häufig beeindruckenden Geschichten der Zuwanderer zu erzählen.