• vom 05.11.2014, 15:00 Uhr

Europas Grenzen

Update: 07.10.2015, 14:29 Uhr

Festung Europa

FAQ: Frontex "Triton"




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Von WZ Online, dpa

  • Kurswechsel in Europas Flüchtlingspolitik - die wichtigsten Fakten zur neuen Grenzschutzmission.

Rom. Jedes Jahr sterben im Mittelmeer Tausende Flüchtlinge. Wegen der Krisen in Nahost und Afrika wächst die Zahl der Menschen, die den gefährlichen Weg nach Europa auf sich nehmen. Vor allem Italien ist überfordert. Nun erhält Rom bei der Überwachung seiner Küstengewässer neue Unterstützung von der EU. Am 1. November startete die Mission "Triton" der EU-Grenzschutzagentur Frontex.

1. Welche Aufgabe hat "Triton"?


Die Grenzschützer patrouillieren an der italienischen Küste und auf dem Meer. Sie sollen die Grenzen überwachen und gegen Schlepper vorgehen. Flüchtlinge, die in Seenot geraten, werden sie retten. Die scheidende EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström nennt "Triton" "ein wichtiges Mittel, (...) um ein Zeichen europäischer Solidarität zu setzen." Italien hatte um die Hilfe gebeten.

2. Wie ist die Mission ausgestattet?

Mit sieben Schiffen (vier Offshore Boote, zwei Küstenwachboote und ein Küstenpatrouillenboot), vier Fixed Wing Flugzeugen und einem Hubschrauber. Teams mit 65 Mitarbeitern sind im Einsatz, sie sollen auch Migranten befragen und Informationen über Schlepper sammeln. Da Frontex nicht über eigene Schiffe verfügt, ist die Agentur darauf angewiesen, dass die EU-Staaten technische Ausrüstung und Personal bereitstellen. 21 EU-Staaten beteiligen sich. Das monatliche Budget beträgt 2,9 Millionen Euro.

3. Löst "Triton" die italienische Mission "Mare Nostrum" ab?

Die italienische Regierung hat angekündigt, "Mare Nostrum" einzustellen. Ein abruptes Ende werde es nicht geben, Innenminister Angelino Alfano hat eine langsame Auslaufphase über die nächsten zwei bis drei Monate angekündigt. Die Operation gibt es seit dem Flüchtlingsdrama von Lampedusa im Oktober 2013 mit mehr als 360 Toten. Sie sollte Boote aufspüren und in den nächsten sicheren Hafen eskortieren.

4. Warum musste Italien wegen "Mare Nostrum" so viel Kritik einstecken?

Aus zwei Gründen: Erstens ärgerten sich andere EU-Staaten darüber, dass die Italiener viele Flüchtlinge nicht registrieren und einfach nach Norden weiterreisen lassen. Zweitens waren die italienischen Schiffe auch vor der Küste Libyens unterwegs. Da Schlepper und Flüchtlinge wussten, dass ihre Boote gerettet wurden, stellte dies einen Anreiz dar. Frontex-Chef Gil Arias-Fernandez sagte jüngst im "Tagesspiegel": "Es ist eine Tatsache, dass Schlepper wesentlich mehr Flüchtlinge auf ihren Booten unterbringen und diesen weniger Lebensmittel, Wasser und Benzin mitgeben, seit Mare Nostrum eingerichtet wurde. Sie missbrauchen die Operation."

Was wird mit "Triton" anders?

Oberstes Ziel ist die Überwachung der Grenzen - und nicht das Aufspüren von Flüchtlingsbooten. "Der Fokus wird auf dem Grenzschutz liegen", sagt eine Frontex-Sprecherin. Das Budget beträgt monatlich knapp drei Millionen Euro - das ist nur ein Drittel von "Mare Nostrum".

Warum steht auch "Triton" schon vor dem Start in der Kritik?

Menschenrechtsorganisationen wie Pro Asyl und Amnesty International halten Umfang und Budget für zu niedrig: "Es ist absehbar: Noch mehr Menschen werden sterben", klagt Pro Asyl. Die Finanzierung von "Triton" ist zudem nur bis Jahresende sicher, die Mission soll aber weitergehen.

Wird Europa seine Flüchtlingspolitik künftig ändern?

Das ist schwer zu sagen. Die Debatten um eine gerechtere Verteilung und legale Wege zur Einreise laufen. Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere fordert, dass EU-Staaten Asylbewerber nach Quoten, gemessen an ihrer Einwohnerzahl aufnehmen. Dies würde Italien - aber ebenso Deutschland - helfen. Nach Schätzungen von EU-Diplomaten hätte Deutschland 2013 dann statt der 130.000 etwa 56.000 Asylbewerber weniger aufnehmen müssen. Doch bisher gibt es innerhalb der EU keine Mehrheit für den deutschen Vorschlag.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-11-05 15:04:41
Letzte Änderung am 2015-10-07 14:29:16


FAQ: Frontex-OP "Triton"


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