Wiener Neustadt/Wien. Um 10 Uhr am Vormittag konnte Richterin Petra Harbich bei kompletter Besetzung den seit Mitte März laufenden Prozess fortsetzen. Letzter Verhandlungstermin des sogenannten Schlepper-Prozesses soll der 26. Juni sein. Bei den acht Angeklagten handelt es sich um Asylwerber aus Afghanistan, Indien und Pakistan, darunter auch einige Servitenkloster-Flüchtlinge.

Als Zeugen geladen waren Vertreter von karitativen Einrichtungen, die u.a. auch mit einigen der Angeklagten Kontakt hatten. So etwa der Leiter des Wiener Kolpinghauses. Er berichtete von Problemen mit "Fremdübernachtungen". Damit meinte er, dass die offiziell und legal zugewiesenen Asylwerber mitunter illegal in Österreich lebende Landsleute im Kolpinghaus übernachten ließen.

"Wir haben verschärfte Kontrollen gestartet und einige Leute des Hauses verweisen müssen. Es waren Hausfremde, die bei uns nächtigen wollten." Ein Zivildiener, der während der Besetzung des Servitenklosters im Einsatz war, sagte als Zeuge ebenfalls aus, dass fremde Personen die Betten von angemeldeten Asylwerbern "besetzt" gehabt hätten und er sie des Hauses verwiesen habe.

Dolmetscher wieder vor Gericht

Nach der Mittagspause musste sich am Mittwoch im Wiener Neustädter Schlepper-Prozess erneut ein Dolmetscher den kritischen Fragen der Verteidiger-Riege stellen. Die Anklageschrift basiert zum Großteil auf den Übersetzungen von Telefonmitschnitten der angeklagten Asiaten.

Bereits an anderen Verhandlungstagen waren Zweifel an korrekten Übersetzungen bei den polizeilichen Telefonüberwachungen aufgekommen. Nicht zuletzt waren diese Mitschnitte auch der Grund, weshalb die Richterin Ende März den Prozess vertagt und Staatsanwältin Gunda Ebhart die Enthaftung der sechs noch in U-Haft sitzenden Angeklagten beantragt hatte.

Wortkreationen erfunden?

In einer früheren Verhandlung war das erste Mal publik geworden, dass die von der Polizei eingesetzten Dolmetscher Wortkreationen quasi erfunden hatten. Am Mittwoch kam dies wieder zur Sprache. War in den mitgeschnittenen Telefonaten von "Burschen" die Rede, wurde das vom Dolmetsch mit "Schleppungswillige" übersetzt.

"Es ist schon ein Unterschied, wenn ich einen Akt bekomme und darin lese, 'Die Burschen sind gekommen' oder die 'Schleppungswilligen sind gekommen' ", stieß sich auch die Staatsanwältin an dieser Interpretation des Dolmetschers. Warum er nicht wortwörtlich übersetzt habe, wollte die Staatsanwältin wissen. Das sei die "Problematik exotischer Sprachen", erklärte der Dolmetsch. Oft gäbe es keinen eindeutigen Begriff in den von den Angeklagten (Afghanen, Pakistani, Inder, Anm.) gesprochenen Sprachen, der einem deutschen Wort entspräche. Aus dem Kontext wäre es aber klar gewesen, dass es sich um Schleppungswillige gehandelt habe, wenn man von "Burschen" sprach.

Als Beispiel zitierte der Dolmetscher im Zeugenstand folgendes: "Wenn in den Telefonaten von 'Karton' gesprochen wird, dann weiß ich, dass damit ein Reisepass gemeint ist, weil es ganz einfach kein Wort für Reisepass in dieser Sprache gibt."

Polizisten im Zeugenstand

Am Donnerstag sollen jene Polizisten in den Zeugenstand, die bei umstrittenen Telefonüberwachungen federführend gewesen sein sollen.

Den acht Asylwerbern wird vorgeworfen, im Rahmen einer kriminellen Vereinigung Landsleute illegal nach bzw. durch Österreich geschleust zu haben. Die Angeklagten legten Teilgeständnisse ab. Sie wollen aber nur aus sozialem Engagement, nicht jedoch gegen Geld, geholfen haben, die Menschen "irgendwo hin zu bringen oder von irgendwo abzuholen".