Mit der Aufstiegsstufe kehren Armstrong und Aldrin zum Mutterschiff zurück. - © NASA
Mit der Aufstiegsstufe kehren Armstrong und Aldrin zum Mutterschiff zurück. - © NASA

Das Streben nach wissenschaftlichen Erkenntnissen spielte damals eine untergeordnete Rolle. Vielmehr ging es darum zu zeigen, welches politische System mehr leisten konnte. Die Kosten waren sekundär. Apollo-9-Astronaut David Scott: "Die zwei mächtigsten Länder der Erde wollten der Menschheit unbedingt beweisen, dass ihre jeweilige Ideologie die beste sei, indem sie als Erste den Mond erreichten".

Wassili Mischin leitete ab 1966 das für die sowjetische Raumfahrt höchst bedeutsame Konstruktionsbüro OKB-1. Wie er meint, wäre die Zurückgewinnung des verlorenen Prestiges die eigentliche Antriebskraft für die USA gewesen; aber auch Moskau hätte die bemannte Landung auf dem Mond schließlich "zur wichtigsten staatlichen Aufgabe erklärt, um das Prestige der UdSSR bei der Bezwingung des Weltraums zu erhalten".

Der resultierende Wettlauf zum Mond spielt sich vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs ab - und während des Stellvertreterkriegs in Vietnam: Der allein wird den USA ein Vielfaches des gesamten Mondflugprojekts kosten! Das Rennen tritt nun in die alles entscheidende Phase. Die sowjetische Mondrakete N1 explodiert beim zweiten unbemannten Teststart am 3. Juli 1969 abermals. Anders das US-amerikanische Gegenstück, die Saturn V: Die stärkste Rakete der Welt ist seit 1968 flugtauglich. Ihre Entwicklung hat Wernher von Braun geleitet.

Das Kennedy Space Center in Florida erbebt, als die fünf Triebwerke ihrer ersten Stufe am 16. Juli 1969 um 14:32 MEZ zünden. An der Spitze des 110 m hohen Ungetüms werden jetzt die Männer der Apollo-11-Mission in die Sitze gepresst. Alle drei sind schon in zweisitzigen Gemini-Schiffen um die Erde geflogen.

Noch bevor Apollo 11 in die Mondumlaufbahn einschwenkt, ist die unbemannte sowjetische Sonde Luna 15 dort. Auf Nachfrage versichert Moskau, die amerikanische Mission nicht stören zu wollen; die Sonde verfolge ein eigenes Programm. In Wahrheit soll Luna 15 sanft landen und dann automatisch ein paar hundert Gramm Mondgestein zur Erde befördern. Zumindest hier wollen die Russen die Ersten sein.

Die Nachrichtenagentur TASS bereitet die Sowjetbürger auf die amerikanische Mondlandung vor. Die UdSSR, so wird behauptet, wolle das Leben ihrer Kosmonauten nicht riskieren und überließe die Erforschung des Mondes daher lieber automatischen Sonden. Währenddessen blicken die US-Astronauten aus gut 100 km Höhe auf den geplanten Landeplatz hinab. Ihr Mutterschiff heißt Columbia - eine traditionelle, weibliche Personifizierung der USA. Michael Collins, früher Kampf-, dann Testpilot, wird bald allein darin um den Mond kreisen.

Von Korea zum Mond

In der Bodenkontrolle in Houston wechseln einander vier Teams ab. Die Flugleitung hat jetzt der 35-jährige Eugene Kranz inne. Die zumeist jüngeren Männer an den Monitoren vor ihm sind für unterschiedliche Raumschiff-Systeme zuständig. Jeder kann bei Kranz drei Lichter aufstrahlen lassen. Als die Landefähre vom Mutterschiff abdockt, leuchtet alles grün.