Mit Aluminium und Gold bedampfte Folien schützen die Mondfähre "Eagle" vor der Hitze. - © NASA
Mit Aluminium und Gold bedampfte Folien schützen die Mondfähre "Eagle" vor der Hitze. - © NASA

Die Fähre sinkt der Mondoberfläche entgegen. Man hat sie Eagle ("Adler") getauft, nach dem Wappentier der USA. Ihr Pilot ist Edwin "Buzz" Aldrin. Er flog einst Kampfeinsätze im Korea-Krieg und promovierte später in Astronautik. Neben ihm steht der Kommandant, der 38-jährige Neil Armstrong. Er unternahm in Korea Aufklärungsflüge für die US-Navy. Dann studierte er Luftfahrttechnik und bewies Nervenstärke als Testpilot von Raketenflugzeugen: So steuerte er unter anderem das mehr als 7000 km/h schnelle Experimentalflugzeug X-15.

Im Meer der Ruhe

Das geplante Landegebiet liegt im Mare Tranquillitatis, dem Meer der Ruhe. Der italienische Jesuit Giovanni Battista Riccioli taufte es 1651 so: in Anlehnung an den alten Glauben, die Mondphasen würden das irdische Wetter prägen. Um den Sinkflug abzubremsen, hat das Triebwerk des Abstiegsteils in 15 km Höhe gezündet. Der Bordcomputer kommt mit dem Rechnen nicht nach: Houston überlegt kurz und ignoriert den Alarm.

Der Autopilot trägt die Fähre etwas übers geplante Ziel hinaus, hin zu einem Terrain mit automobilgroßen Geröllbrocken. Daher verzögert Armstrong die Landung. Er sucht einen sicheren, flachen Platz. Der Treibstoffvorrat ist bereits zu knapp, um noch angezeigt zu werden. Houston schätzt die verbleibende Zeit: "60 Sekunden . . .". Armstrong sucht weiter. "30 Sekunden . . .". Soll man landen oder abbrechen? Zwölf Meter über Grund wirbelt Staub auf. "15 Sekunden . . .". Das Gefährt setzt endlich sanft auf, am 20. Juli 1969 um 21:18 MEZ. Das Triebwerk wird für immer abgestellt.

"Houston. Hier Tranquillity-Station", meldet Armstrong: "Der Adler ist gelandet". Bald zwängen sich die beiden Mondreisenden in die Raumanzüge; keine leichte Aufgabe in der engen Fähre. Die Luke wird geöffnet. Kommandant Neil Armstrong steigt als Erster die Leiter hinunter. Er ist zuvor bei öffentlichen Auftritten zurückhaltend geblieben und scheint nicht geneigt, Gewinn aus dem Ruhm schlagen zu wollen. In Mitteleuropa ist es knapp vor 4 Uhr morgens.

Das sowjetische Fernsehen verzichtet auf eine Live-Berichterstattung. In Moskau drängen sich jedoch Kosmonauten, hohe Militärs und spezialisierte Geheimdienstexperten zusammen. "Wir alle saßen wie gebannt vor den krächzenden Empfangsgeräten", wird Kosmonaut Alexei Leonow später berichten. Er beobachtet Armstrong mit einer Mischung aus Neid und Bewunderung: "Ich hielt den Atem an, als er zuerst den Mond leicht mit der Fußspitze berührte, den anderen Fuß von der letzten Stufe nahm, dann die wacklige Metalleiter los ließ und sich schließlich auf dem Mond stehend aufrichtete".

Applaus der Sowjets

Selbst die führenden Militärs im sowjetischen Raumfahrtzentrum klatschen begeistert Beifall, als ein Mensch zum ersten Mal einen anderen Himmelskörper betritt: Und das, obwohl der Erfolg nun der gegnerischen Supermacht gelungen ist! "Am Morgen des 21. Juli 1969 vergaßen wir alle, zumindest für kurze Zeit, dass wir Bürger unterschiedlicher Staaten waren", so Leonow: "Diese Leistung erfüllte mich mit Stolz für die gesamte Menschheit".