Hoch über Armstrong gleißt die blau-weiße Erde. Sie ist noch mehr als halb beleuchtet und hält dem Mond den Pazifik hin. Am Rand der Kugel liegen die amerikanische Westküste und Australien: Dort wird das geisterhafte Fernsehsignal vom Mond von drei mächtigen Parabolantennen aufgefangen. Jeder sechste Erdenbürger - so eine Schätzung - verfolgt den ersten Mondspaziergang live mit.

Rasch füllt Armstrong seine Tasche mit Mondgestein: Es ist das einzig handfeste Souvenir, das er von dieser fremden Welt mitbringen kann. Mittlerweile hat auch Aldrin die Mondfähre verlassen. Die stechend weiße Sonne hängt keine Handspanne über dem flachen, überraschend nah wirkenden Mondhorizont. Alles wirft lange, ungewohnt dunkle Schatten. Aldrin blickt auf den farblosen Mondboden, über den sich ein atmosphäreloser, pechschwarzer Himmel spannt. Mit der Sonne im Rücken wirkt der graue Untergrund hell, in gegenteiliger Blickrichtung aber fast so dunkel wie Kohle. Aldrin fasst seinen Eindruck mit den Worten "magnificent desolation" zusammen: Der Mond erscheint ihm prächtig und trostlos zugleich.

Die Mondfahrer sind bloß einem Sechstel der irdischen Schwerkraft ausgesetzt. Deshalb muten ihre Schritte trotz der schweren Raumanzüge mühelos an. Sie stellen die US-Flagge auf. Ein Alu-Stab spannt das rot-weiß-blaue Stück Nylon. Präsident Richard Nixon ruft an und spricht von einem unschätzbar kostbaren Moment der Geschichte. Der Himmel sei nun Teil der Menschenwelt, meint er.

Im Meer der Krisen

Nach zweieinhalb Stunden müssen die beiden Astronauten wieder in die Fähre klettern. Sie schlafen lange, um dann Vorbereitungen für den Rückflug zu treffen. Währenddessen zerschellt, rund 1200 km entfernt, die unbemannte Sonde Luna 15 - ausgerechnet im Mare Crisium, dem Mondmeer der Krisen. Sie bringt kein Gestein nach Moskau.

Noch am 21. Juli, um 18:54 MEZ, starten die Astronauten das Triebwerk der Aufstiegsstufe: Es bläst die stolze Flagge um. Der nutzlos gewordene Abstiegsteil verbleibt auf dem Mond. Dreieinhalb Stunden später begrüßt Michael Collins seine beiden Kameraden wieder an Bord der Columbia. Mit 21,6 kg Mondgestein machen sich die Männer auf den Heimflug. Die Wasserung im Nordpazifik beschließt ihre insgesamt acht Tage währende, legendäre Reise.

Allerdings muss das Trio noch zwei Wochen in Quarantäne ausharren, da es - vermeintlich - Mikroorganismen vom Mond einschleppen könnte. Deshalb starten die Feiern und Paraden in New York, Chicago oder Los Angeles nicht vor dem 13. August. Später folgt eine Tour durch mehr als zwei Dutzend Staaten der Erde.

Die sowjetischen Kosmonauten hatten auf die sichere Rückkehr ihrer US-amerikanischen Kollegen angestoßen. Sie rechnen sich Chancen aus, in etwa zwei Jahren selbst zum Mond zu fliegen. Doch dazu wird es nicht kommen. Am vielleicht größten Abenteuer der Menschheit nehmen sie nicht teil.