Moskau. Es gibt einen Ort im Moskauer Park mit dem sperrigen Namen WDNCh, an dem jeder Besucher ein Selfie schießt. Ein Denkmal, vor dem die Eltern ihre Kinder zum Posieren aufstellen und an dem Großeltern wie Enkel ihre Köpfe ehrfürchtig in die Schlünde der Triebwerke recken. Auf einer Startrampe befestigt, mächtig in den Himmel gerichtet, allzeit zum Start bereit: ein Modell der Wostok-Rakete. Jene Rakete, mit der der Kosmonaut Jurij Gagarin als erster Mensch ins Weltall flog.

Das WDNCH-Gelände im Norden Moskaus, unter Stalin als pompöse Leistungsschau gegründet, wurde zuletzt von der Moskauer Stadtregierung renoviert und als eine Art Vergnügungspark wieder eröffnet. Wenig erinnert heute an die ursprüngliche Bestimmung des Ortes, die "Errungenschaften der sowjetischen Volkswirtschaft" zu preisen. In die Pavillons, in denen einst die "Brudervölker" auf die sowjetische Völkerfreundschaft eingeschworen wurden, sind heute Aquarien, Museen, Food-Courts und Kioske eingezogen. Besucher flitzen auf E-Scootern durch die weitläufigen Anlagen, Kinder essen Zuckerwatte. Doch im Zentrum des Parks, von einem Brunnen umfasst, thront das Modell einer Wostok-Rakete, um die Besucher auch heute noch daran zu erinnern, was die Sowjets waren: die ersten Menschen im All.

Kosmonauten überall

Die Sowjetunion ist tot, aber das Gedenken an die Errungenschaften der sowjetischen Raumfahrt ist ungebrochen. Im öffentlichen Raum sind die Kosmonauten immer noch präsent - sei es auf den vielen kunstvollenWandmosaiken quer durch das Land, die Gagarin-Denkmäler in den Städten oder an den Verkaufsständen vor dem Roten Platz, auf denen neben Lenin- und Putin- auch Gagarin-T-Shirts angeboten werden. Das Kosmonauten-Museum gehört heute noch zu den Fixpunkten eines jeden Moskau-Besuches, am 12. April, dem "Tag der Kosmonauten", wird noch jedes Jahr der Pionierleistung Gagarins gedacht. Die erste Frau im All, Walentina Tereschkowa, wird wie eine Heldin verehrt und sitzt heute für die Kreml-Partei "Einiges Russland" in der Staatsduma.

Über viele Jahre hielt das so genannte "Space Race", der Wettlauf ins All zwischen der Sowjetunion und den USA, die Welt in Atem. Zwischendurch hatte immer wieder Moskau die Nase vorne: Als die Sowjets 1957 den ersten künstlichen Erdsatelliten Sputnik ("Sputnikschock") starteten oder 1961 mit dem Kosmonauten Gagarin den ersten Mensch ins Weltall schickten. Nach den erfolgreichen Raumsonden-Programmen Lunik ab 1959 und Luna ab 1963 sollte ein Kosmonaut als erster Mensch auf dem Mond landen und den USA zuvorkommen. Diesen Wettlauf haben die Sowjets letztlich verloren, als vor 50 Jahren, im Juli 1969, die amerikanische Apollo 11 auf dem Mond aufsetzte und Neil Armstrong und Buzz Aldrin die US-Flagge hissten. Wenig später stellten die Sowjets ihr Programm zur bemannten Mondfahrt ein, Details darüber wurden erst in den Neunziger Jahren bekannt.