Zwar liefert das Buch interessante Einsichten in die unterschiedlichen kulturellen Sichtweisen über Autismus, der Umfang dazu fällt aber enttäuschend aus. Nur ein Drittel des Buches widmet er sich wirklich diesem Thema. Grinkers Schilderungen über die Erfahrungen und Kontexte von Eltern in Kenia, Indien, Südkorea werden den Erwartungen, den der Klappentext verspricht, nicht gerecht. Da ändern auch die kleinen Häppchen an Details nicht, die er präsentiert: Traditionelle Heiler in Südafrika, die Autismus-Diagnosen stellen oder dass autistische Kinder in Senegal "Nit-Ku-Bou", wunderbare Kinder, genannt werden.

Die Mär von den Impfungen 

Trotz dieser Mängel liefert das Buch einen erfrischenden und lehrreichen Zugang zu diesem Thema. Er verpackt viele wissenschaftlich und medizinische Informationen in einen leicht lesbaren Stil und ermöglicht einen umfassenden Überblick über die vielen Facetten von ASS: "Unstrange Minds", bisher leider nur auf Englisch erschienen, scheut aber auch nicht vor tabuisierten Fragen zurück, etwa wenn es um die Sorgen von Eltern geht, was nach ihrem Ableben mit ihrem autistischen Kind passieren wird. An manchen Stellen sind Grinkers Erläuterungen redundant, was vielleicht daran liegen mag, dass ihm gewissen Themen eben sehr wichtig sind, wie etwa die nach wie vor weit verbreitet Mär, dass Impfungen für Autismus verantwortlich sei. Der Autor führt viele überzeugende Argumente dagegen an und betont, dass es bis heute keinen einzigen Beweis dafür gibt.