- © Ernesto Gelles
© Ernesto Gelles

"‚Wenn der Herbst eine Frau wäre, müsste er Paul heißen und nach Brot riechen.‘ Poesie halt."

Wenn Günther Paal alias Gunkl sein zwölftes Soloprogramm mit diesem Einstiegssatz beginnt, ist immerhin eines klar: Es wird philosophisch. Und zwar sehr. Aber auf einem Niveau, das - Schachtelsätze hin oder her - das Publikum mitkommen lässt. Und am Ende des Abends kann man sich zumindest einbilden, dass man in den vergangenen zwei Stunden mehr Günther Paal als Gunkl gehört hat, ihm persönlich nähergekommen ist. Ihm, dem bekennenden Aspergerianer (quasi Light-Autist), der gerne erläutert, warum er lieber den Zahnarzt als ein Fest besucht. Der von Alkoholmissbrauch erzählt und Einblick in seinen mentalen Zustand gewährt. Oder eben zumindest dem Publikum erzählt, wie man mit dem Asperger-Syndrom lebt und die Menschheit betrachtet.

Und natürlich wäre er nicht Gunkl, würde er nicht damit kokettieren. Und so fällt zum Thema Asperger der Satz: "Ich leide nicht darunter, das tun die anderen." Er seziert aber nicht nur selbstironisch seine eigene Verfasstheit, sondern auch jene seiner Mitmenschen. Zwischendurch erklärt er unter anderem auch, warum Soziopathen vielleicht die besten Psychotherapeuten wären - was damit zu tun hat, dass man sich als "normaler" Mensch nie wirklich in jemand anderen hineinversetzen kann (und die anderen könnten es, wollen aber nicht). Weshalb auch ein Atheist einen Gottgläubigen nie ganz verstehen wird.

Dabei beeindruckt Gunkl einmal mehr mit ausgefeilter Sprache, hinreißend polemischer Rationalität und bodenständiger Philosophie. Und am Ende sitzt man da und hatte ein einziges großes Aha-Erlebnis.