• vom 02.04.2018, 16:09 Uhr

Autismus

Update: 02.04.2018, 16:21 Uhr

Arbeitsmarkt

Die Perspektive der Spezialisten




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Von Benjamin Schacherl

  • Menschen mit Autismus finden nur schwer einen Job. Das soziale Unternehmen "Specialisterne" will das ändern.

Unternehmen schätzen Mitarbeiter mit hoher Konzentrationsfähigkeit.

Unternehmen schätzen Mitarbeiter mit hoher Konzentrationsfähigkeit.© Erik Isakson/Getty Images/Blend Images Unternehmen schätzen Mitarbeiter mit hoher Konzentrationsfähigkeit.© Erik Isakson/Getty Images/Blend Images

Wien. Fällt der Blick von Johannes Klietmann auf ein Haus, springt ihm meistens ein Detail, zum Beispiel ein Fenster, ins Auge. Schaut Herr Klietmann eine Straße entlang, fällt es ihm schwer, die ganze Straße auf einmal im Ganzen zu betrachten. "Mein Unterbewusstsein leitet mehr an das Bewusstsein weiter, als es verarbeiten kann. Der Vorteil ist, dass mir manche Dinge stärker auffallen", sagt Klietmann. Es sind genau jene Eigenschaften, die man Menschen mit Autismus oftmals zuschreibt.

Klietmann erhielt seine Autismusdiagnose vor zwei Jahren, im Alter von 32 Jahren. Zuvor hat er an der Universität Wien einen Doktorabschluss in Paläobiologie absolviert. Die Art, wie autistische Menschen die Welt sehen, stimme nicht mit der neurotypischen Wahrnehmung überein, erklärt er. "Es ist daher nicht so leicht, einen Gedanken eins zu eins zu übernehmen. Das ermöglicht es aber, Vorgänge neu und anders zu betrachten", sagt er.


In Österreich gibt es rund 90.000 Autisten. Nicht alle sind so talentiert wie Klietmann. Er hat das Asperger-Syndrom, eine von vielen Autismusformen. Menschen mit dem Asperger-Syndrom sind durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent. Mit "Specialisterne" gibt es ein Unternehmen, das Fähigkeiten wie hohe Konzentrationsfähigkeit und außerordentliche Präzision aufgreifen und nützen möchte, um Menschen mit autistischer Wahrnehmung einen Job zu vermitteln.

Hürden und Konventionen
Specialisterne wurde 2004 von Thorkil Sonne in Dänemark gegründet. Der dänische Firmenname bedeutet "Spezialisten". Sonne hat einen autistischen Sohn, der einerseits herausragende Fähigkeiten, andererseits aber mit jenen Problemen zu kämpfen hat, mit denen Autisten oftmals konfrontiert sind. Sonne wollte die schlechten Jobchancen von autistischen Menschen nicht hinnehmen. Er gründete Specialisterne und verfolgt seitdem das Ziel, weltweit einer Million Autisten einen Arbeitsplatz zu verschaffen. Und zwar im ersten, also regulären Arbeitsmarkt, nicht in geschützten Werkstätten.

Die größte Hürde für Menschen mit Autismus stellt das klassische Bewerbungsgespräch dar. "Daran scheitern 80 Prozent der Autisten", sagt Specialisterne Österreich-Geschäftsleiterin Bettina Hillebrand. "In der Regel sind das keine Menschen, die sich gut präsentieren können." Es sei schade, dass Menschen, die in anderen Bereichen hochqualifiziert sind, an sozialen Konventionen und der mangelnden Fähigkeit zum Smalltalk scheitern würden.

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Dokument erstellt am 2018-04-02 16:15:06
Letzte Änderung am 2018-04-02 16:21:55


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