Er war 17, lebte in Genf und machte ein Lehre als Werkzeugmacher. Ich war 16 und in den Sommermonaten auf Sprachkurs im 30 Minuten entfernten Lausanne. Da uns die Schweizer Bahn zu teuer war, mussten wir per Anhalter zueinander finden. Er war witzig und entspannt - und er entpuppte sich als unkonventioneller Gentleman.

Um sicherzustellen, dass mir als Mädchen beim Autostoppen nichts passieren würde, ließ er mich keine Strecke alleine fahren. Am Samstag ließ er sich von sich zu Hause zu mir zu Hause karriolen und holte mich ab. Auf dieselbe Weise fädelten wir uns dann wieder ein, wo immer wir hinwollten. Am Sonntagabend brachte er mich dann zurück und ließ sich im Anschluss selbst nach Hause bringen. Wenn wir das Wochenende bei mir verbrachten, war es natürlich einfacher. Umständlich fanden wir es jedoch nie. Wir tourten per Anhalter den ganzen Genfer See entlang und sogar bis in die Berge.

Zwar hatten wir weniger Geld als die meisten unserer Chauffeure. Aber wir mussten uns nie ums Auto kümmern und keine Fahrkarten kaufen, sondern nur die Daumen rausstecken - es lag uns die ganze Welt zu Füßen. Die Gespräche während der Fahrt ließen die Fremdsprache zudem besser einsickern als die Übungen mit Kopfhörern im Sprachlabor.