In den siebziger Jahren befanden wir uns auf dem Weg von Newcastle nach Edinburgh. Ein lustiger britischer Lastwagenfahrer hatte uns mitgenommen. Er war sehr gesprächig, zeigte uns durchs Autofenster die Sehenswürdigkeiten, an denen wir vorbeifuhren, Lindisfarne Priory, und so rollten wir heiter Richtung Schottland.

Wir, das waren meine damalige Freundin und ich, beide Mitte zwanzig. An seinem Stammlokal, er bezeichnete es als "Transport Caf‘", machte der Fahrer Halt, um einen Tee zu trinken und ein Sandwich zu essen. Wir taten das Gleiche. Meine Freundin, die einzige Frau im Café, musste auf die Toilette, und als sie zurückkam, sagte der Fahrer zu mir: "My God, look at her!" Sie war an irgendeinem Nagel oder Haken hängen geblieben und hatte sich die Außennaht ihrer Jeans von unten bis fast ganz oben aufgerissen. Und nun ging sie durch den Raum, und die Augen sämtlicher englisch-schottischer Lastwagenchauffeure waren auf ihr nacktes, schlankes Bein gerichtet, das aus der zerrissenen Hose herausschaute. Mir war die Szene ein bisschen peinlich, aber meine Freundin ging ganz ruhig dahin und tat, als ob nichts wäre. Für diese Souveränität habe ich sie sehr bewundert.