Während der Punk-Ära war es schlecht um ihn bestellt

Der Fluss an Bob Dylan-Erwähnungen in Pop-Songs ist bis in die Gegenwart nie versiegt. Der Ruf des Künstlers ist immer mal wieder ein paar kleineren "konjunkturellen" Schwankungen unterlegen - während der Punk-Zeit und während seiner christlichen Phase Ende der 70er Jahre war es um ihn nicht bestens bestellt. Die Sex Pistols etwa drohten auf ihrer allerdings auch nicht über alle Zweifel erhabenen Doppel-LP "The Great Rock’n’Roll Swindle": "I kill Bob Dylan ... the asshole." Dazu gab es über all die Jahre auch immer Huldigungen von eher limitierter Geschmackssicherheit. Dem Poeten Andre Heller etwa verdankt die Nachwelt die Metapher "New York, du Bruchband Bob Dylans". Cindy & Bert veräußern in "Wenn du mich hören solltest" die Botschaft: "Denk an den Song, den Bob Dylan damals sang: The answer is blowin’ in the wind"- solchermaßen auch die Grauslichkeiten in Erinnerung rufend, die in Bob Dylans Namen an Lagerfeuern, auf Schulskikursen oder bei Treffen der Katholischen Jugend begangen wurden.

Andererseits ist immer wieder auch Zuspruch für Dylan aus Ecken gekommen, die man nicht unbedingt als kompatibel mit seinem Schaffen gewähnt hätte. Das gilt besonders für die Glam-Rock-Szene der frühen 70er Jahre, mit der Dylan nicht nur Brian Ferrys Jahrhundert-Version von "A Hard Rain’s A-Gonna Fall" verbindet, sondern auch Marc Bolans Kompliment "Bobby’s alright" im T.Rex-Hit "Telegram Sam".

Liebeserklärungen aus der Alternative-Folk-Ecke

Ab den 80er Jahren war im Pop das Denken in Kategorien ohnedies obsolet und damit Dylans Reputation jenseits aller Angreifbarkeit. Das New Yorker HipHop-Trio Beastie Boys benutzt 1989, ohne seine Credibility im geringsten anzupatzen, den Namen auf seinem Album "Paul’s Boutique" für ein Wortspiel: "I’m just chillin’ like Bob Dylan" ("3-Minute-Rule").

Praktisch eine Liebeserklärung ist Song To Bobby von der Folk-Sängerin Cat Power aus dem Jahr 2000. Besonders hochgehalten wird Dylan von der Alternative-Folk-Rock-Klientel - was Wunder, ist diese doch in hohem Maß von ihm beeinflusst. Giant Sand betonen in mehreren Songs die wichtige Rolle Dylans nicht nur für ihre Musik, sondern auch die akustische Ausgestaltung ihrer Lebensräume. Ähnliches tun Lambchop, in deren Heimat Nashville Dylan nach seiner motorradunfallbedingten Zwangspause sich in das seinerzeit verpönte Country-Genre versenkte.

Eine der aktuelleren Erwähnungen Bob Dylans kommt übrigens von jemandem, den viele auf gleicher Augenhöhe als Songwriter sehen, nämlich von Neil Young: "Listening to Bob Dylan singin’ in 1963 / Watching the flags of freedom flyin’" bezieht er sich 2006 in "Flags Of Freedom" mit empathischer Nennung ihres Autors auf Dylans Hymne "Chimes Of Freedom". Als Teil eines nachdrücklich gegen die Kriegspolitik des damaligen US-Präsidenten Bush gewandten Albums ("Living With War") ist dieses Zitat mehr als nur Referenz: nämlich ein symbolischer Fingerzeig. Und derer gibt Bob Dylans Werk mehr ab als das jedes anderen Populärmusikers.

Siehe auch:

Artikel im extra 'Der Flug des Phönix'

+++ Annäherung an ein Phänomen: 'Bob Dylan von A bis Z' von Michael Endepols

+++ Das Bob Dylan-Dossier der Wiener Zeitung Online

Links

Homepage Bob Dylan

+++ Bob Dylan auf Wikipedia