Charisma und Wortgewalt: Bob Dylan im Jahr 1966. - © Getty/Fiona Adams
Charisma und Wortgewalt: Bob Dylan im Jahr 1966. - © Getty/Fiona Adams

Viele Jahre schien es ein Running Gag zu sein: Bob Dylan ist der Favorit für den Literatur-Nobelpreis, hieß es in den Medien vor der Vergabe der Auszeichnung. Doch immer gab es einen anderen wichtigen Dichter, der den Vorzug erhielt. Ob Tomas Tranströmer, Alice Munro oder Patrick Modiano, ganz gleich, wie die Namen auch lauteten, ihr Oeuvre hatte die Juroren schlussendlich mehr überzeugt als die vielen Songtexte des "song and dance man".

Doch jeder Schmäh ist einmal zu Ende und die Pointe lieferte die Schwedische Akademie am 13. Oktober 2016: Bob Dylan erhält den Literatur-Nobelpreis! Er habe "neue poetische Ausdrucksformen innerhalb der großen amerikanischen Song-Tradition geschaffen", lautet dabei die Begründung. Aus, vorbei. In Zukunft muss man sich einen neuen ewigen Favoriten suchen.

Der 75-Jährige wird sich freuen - und ein wenig wundern. Vor wenigen Jahren klang es aus Stockholm ein wenig anders: Der Nobelpreis an Bob Dylan sei "verrückt". Der Künstler sei eine Art "Literatur-UFO", meinte Peter Englund, der ständige Sekretär der Akademie. Nun, das UFO hat den Preis bekommen.

Dylan selbst war das Thema Nobelpreis nie so wichtig. Preise und Ehrungen ist der als Robert Allen Zimmerman in Duluth geborene Künstler gewohnt. Hie und da schrieb er auch darüber, etwa über das Ehrendoktorat der Princeton Universität, das er 1970 erhielt ("Day Of The Locusts"). Ja, richtig: Er schrieb darüber. Es war ein simpler Songtext, so wie viele davor und viele danach. Dylan hat neben Songtexten und wenigen Zeilen zu seinen Platten nur zwei Bücher geschrieben. "Tarantula", ein Band mit Gedichten, erschien offiziell 1971, nachdem schon in den Jahren davor illegale Versionen publiziert worden waren. 2004 kam dann der erste Teil seiner Autobiographie "Chronicles" heraus. Auf den zweiten Teil warten die Leser seither vergeblich.

Doch die Frage, die sich viele stellen, lautet: Warum erhält ein Songwriter, so bedeutend er auch sein mag, einen Literatur-Nobelpreis? Und was haben Songtexte mit Literatur zu tun? Die Antwort gab Dylan schon 1964: "I’m a poet, and I know it, hope I don’t blow it" ("I Shall Be Free No. 10"). Er hat es nicht vergeigt, bis heute nicht.

Natürlich kann man Literatur vom hohen Ross herab definieren. Doch geht es letztendlich immer um Worte - und was diese bei Menschen auslösen. Seit Beginn seiner Karriere waren es die Texte, die Dylan sang, die ihn zur Ikone einer ganzen Generation werden ließen. Andere Folk-Sänger sangen besser, konnten besser mit Gitarre und Mundharmonika umgehen, doch sie hatten nicht diese einzigartige poetische Ader.