Für "Tempest" hat Bob Dylan auf seine Tour-Band zurückgegriffen. An den Gitarren werken Charlie Sexton und Stu Kimball, an der Steel-Gitarre agiert Donnie Herron, am Schlagzeug sitzt wieder George G Receli und den Bass zupft Tony Garnier. Zusätzlich ist, wie auch beim letzten Studio-Album "Together Through Life", David Hidalgo mit seinem Akkordeon mit dabei. Als Produzent ist einmal mehr ein Mann am Werk, dem der Altmeister blind vertraut: Jack Frost alias Dylan selbst.

Tribut an John Lennon

Das Ergebnis ist musikalisch überzeugend. Schon der Auftaktsong "Duquesne Whistle" wirbelt den Zuhörer mit seinem treibenden Sound ordentlich durcheinander. Darin singt Dylan die Zeilen "Listen to that Duquesne whistle blowin’/ Sounds like it’s on a final run". Doch vom letzten Gang will "Onkel Bob" nichts wissen. Das dazugehörige Video hat mit seiner brachialen Handlung (ein junger Mann, der einer Frau den Hof macht, landet mit gebrochenen Kniescheiben am Trottoir) für Aufregung gesorgt. Es scheint sich dabei um eine Abrechnung mit stalkenden Fans zu handeln, die Dylan nerven und mitunter sogar gefährlich werden.

Die Eingangssequenz, mit einem John-Lennon-Plakat, verdeutlicht es und bildet die Brücke zu einem weiteren Song: "Roll On John", ein Tribut an den von einem Fan ermordeten John Lennon. Der Song klingt ganz so, als sei er in den 80er Jahren entstanden. Dylan hat in einem "Rolling Stone"-Interview erwähnt, dass er ursprünglich ein Album mit religiösen Liedern aufnehmen wollte, aber nicht genug Songmaterial hatte. Im geradezu liebevollen Lennon-Tribut zitiert Dylan auch einige Beatles-Songs.

Hörenswert, obwohl musikalisch ein wenig eintönig, ist die 14-Minuten Ballade "Tempest", in der sich Dylan mit dem Untergang der Titanic beschäftigt. Ähnlich wie in "Desolation Row" lässt er alle möglichen Personen auftreten, darunter auch Leonardo DiCaprio. Die Idee zum Song hatte er, als er einen alten Carter-Family-Song hörte. Doch während das Schiff unterging, fährt Dylan neverending weiter.