Historisches Konzert: Dylans Auftritt in der "Royal Albert Hall" fand allerdings in Manchester statt. - © Sony Music
Historisches Konzert: Dylans Auftritt in der "Royal Albert Hall" fand allerdings in Manchester statt. - © Sony Music

1966 war das Jahr, das fast das Ende der Karriere von Bob Dylan bedeutet hätte. Ende Juli blockierte das Hinterrad seines Triumph-Motorrades, Dylan stürzte und wurde schwer verletzt. Danach war alles anders. Die frenetischen Jahre waren vorbei, Dylan zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und der Mythos war geboren. All das, was der einstige Folk-Jüngling aus Duluth/Minnesota vollbracht hatte, wurde im Licht der aufkeimenden Legende gesehen.

Vor dieser Zäsur im Leben des damaligen Folk-Rock-Poeten waren rastlose Zeiten gestanden. Der Griff zur elektrischen Gitarre, die Abkehr vom Protestsong, Konzerte, die sich zum ewigen Zweikampf mit dem Publikum entwickelt hatten, in den wenigen Pausen zwischen den zahlreichen Auftritten in der ganzen Welt waren Platten- und Filmaufnahmen gestanden. Der Unfall am 29. Juli 1966 dämpfte die Kerze, die an beiden Enden brannte, wie es Weggefährten poetisch bezeichneten, zumindest kurzfristig.

Am Wendepunkt

"Ja, ich wurde ganz schön hart in Anspruch genommen, und ich konnte nicht mehr länger so weiterleben. Die Tatsache, daß ich alles schaffte, was ich schaffte, grenzte an ein Wunder", meinte er zwölf Jahre später in einem Interview. Schon davor hatte er sehr freizügig über seinen Ausstieg aus der sich immer schneller drehenden Rock-Maschinerie gesprochen: "Der Wendepunkt war damals Woodstock. Kurz nach dem Unfall. Saß da während einer Vollmondnacht, schaute in die öden Wälder hinaus und sagte: ,Irgend etwas muß sich ändern.`"

Dokumente aus jener Zeit, als der Dylan-Mythos geboren wurde, waren bislang kaum legal zu erwerben. Konzertmitschnitte aus dem 66er-Jahr kursierten nur als Bootlegs, der Film "Eat The Document", der für ABC-TV gedreht wurde, ist nie gesendet worden und kam zum Unterschied zu "Don't Look Back" (ebenfalls von D.A. Pennebaker) auch nicht als Video auf den Markt. Nun, 32 Jahre später, ist alles anders. Sony brachte dieser Tage die Doppel-CD "Bob Dylan Live 1966 · The ,Royal Albert Hall` Concert" als Vol. 4 der "Bootleg Series" heraus. In den USA wird im November in verschiedenen Kinos "Eat The Document", den 1966 eigentlich Dylan selbst editieren sollte, aufgeführt. Eine Videoedition ist aber vorerst weiterhin nicht geplant. Vielleicht auch deswegen, weil Dylan selbst in zahlreichen Interviews kein gutes Haar daran gelassen hatte ("Jeder Filmmeter ist Müll").