Ein unerwartetes Weihnachtsgeschenk von Bob Dylan: Christmas In The Heart. - © Sony Music
Ein unerwartetes Weihnachtsgeschenk von Bob Dylan: Christmas In The Heart. - © Sony Music

Weihnachten ohne musikalische Untermalung ist irgendwie undenkbar. Aber da die Stimmen der Liebsten in den seltensten Fällen jenen der Sängerknaben gleichen, legt man lieber Weihnachtsplatten auf. Davon gibt es bekanntlich mehr als genug: Ob man laszive Songs von Dean Martin, klassisch-biedere von Bing Crosby oder rockige von Bruce Springsteen anhört, bleibt dem eigenen Geschmack überlassen. Und damit sich die Auswahl mit den Jahren ein wenig ändert - wer will schon "Last Christmas" bis zum Lebensende hören? -, liefern Topstars immer wieder neue Weihnachtsplatten.

Heuer hat Bob Dylan mit einem Album für das Fest des Jahres überrascht. "Christmas In Heart" heißt das Werk, das die Öffentlichkeit ein wenig verstört. Der einstige Protestsänger, der sich selbst nur als song & dance man bezeichnet, interpretiert plötzlich harmlose Stücke wie "Here Comes Santa Claus" oder "Silver Bells".

Hommage an die 50er
"What is this shit?!" , schrieb Greil Marcus einst in einer "Rolling Stone"-Rezension über das Dylan-Album "Self Portrait". Diese Frage haben sich viele wohl auch knappe 40 Jahre später gestellt. Doch "Santa Bob" hat ein Herz für seine Fans - und er hat Humor. Seit Jahren schon gab es Gerüchte um ein Weihnachts-Album, das der Altmeister zu Beginn der siebziger Jahre aufgenommen haben soll. Doch bis heute ist nicht einmal ein Bootleg davon aufgetaucht.

Sogar von einer gemeinsamen Session von Bob Dylan mit Elvis Presley im Mai 1971 in Nashville wurde gemunkelt. Das Studio war damals für Elvis gebucht, der Weihnachtssongs aufnehmen wollte.

Nun brauchen Dylan-Fans nicht mehr mit der Vergangenheit zu hadern, sondern können sich auf Robert Zimmermans heurige Weihnachtsweisen konzentrieren. "Christmas In The Heart" ist eine Hommage an die 50er Jahre. Nicht nur die Songauswahl und Aufmachung des Albums zeugen davon, auch musikalisch dominiert der Swing. Und stimmlich wird Dylan von einem Damen-Chor unterstützt, der den Songs im Stile der Andrew Sisters die nötige Patina verleiht.

Dylan hat hörbar Spaß an der Sache, die Platte hinterlässt keinen gekünstelten Eindruck, sondern klingt geradezu fröhlich. Dass die Tantiemen aus dem Album-Verkauf der Organisation "Feeding America" zugute kommen, hat die amerikanische Obdachlosenhilfe glücklich gestimmt.