• vom 16.08.2017, 18:31 Uhr

Brexit

Update: 17.08.2017, 09:32 Uhr

Brexit

Eine Grenze, die keine sein darf




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  • Großbritannien will eine neuerliche Abschottung von Irland verhindern. Vor allem aus politischen Gründen.

Die Wachtürme, die einst die Trennlinie zwischen Nordirland und Großbritannien überragten, wurden vor knapp 15 Jahren abgebaut. Neue sollen nach dem Brexit nicht entstehen.

Die Wachtürme, die einst die Trennlinie zwischen Nordirland und Großbritannien überragten, wurden vor knapp 15 Jahren abgebaut. Neue sollen nach dem Brexit nicht entstehen.© ap/Morrison Die Wachtürme, die einst die Trennlinie zwischen Nordirland und Großbritannien überragten, wurden vor knapp 15 Jahren abgebaut. Neue sollen nach dem Brexit nicht entstehen.© ap/Morrison

London/Brüssel. (czar/reu) Noch wird sie als unsichtbare Grenze bezeichnet. Und ginge es nach den beiden Seiten, würde es auch in Zukunft dabei bleiben. Denn weder Großbritannien noch Irland sind daran interessiert, zwischen ihren Territorien wieder Schlagbäume aufzustellen und Kontrollen einzuführen - so wie es noch vor zwei Dutzend Jahren war. Die Rückkehr zu so einem Zustand soll daher auch nach einem Austritt des Königreichs aus der Europäischen Union vermieden werden. Damit wird die einzige Landgrenze, die Großbritannien hat, zu einem Knackpunkt in den Brexit-Verhandlungen.

Daher konnte die Regierung in Dublin die jüngste Ankündigung aus London nur begrüßen. Großbritannien wolle auch nach seiner Trennung von der EU keine Abschottung zwischen seiner Provinz Nordirland und dem Unionsmitglied Irland, heißt es in einem gestern, Mittwoch, vorgelegten Strategiepapier. Stattdessen sei ein nahtloser und reibungsfreier Verkehr ohne eine "physische Grenz-Infrastruktur und Grenzposten" wünschenswert.


Das hat zum einen ökonomische Gründe. Kein anderer europäischer Staat ist mit Großbritannien so eng verbunden wie Irland. Zehntausende Menschen passieren täglich die 500 Kilometer lange Grenze zwischen den beiden Ländern. Das Handelsvolumen zwischen den Nachbarn beläuft sich auf etwas mehr als eine Milliarde Euro - und das pro Woche.

Zum anderen gibt es da auch noch politische und gesellschaftliche Verknüpfungen. Es ist gerade einmal knapp zwanzig Jahre her, dass mit dem Karfreitagsabkommen ein Friedensvertrag geschlossen wurde, der den Bürgerkrieg in Nordirland beendete. Die Bilanz der Kämpfe zwischen pro-irischen Katholiken und protestantischen pro-britischen Loyalisten waren tausende Tote, zehntausende Verletzte und hunderttausende Traumatisierte gewesen. Die Wunden, die die Ereignisse geschlagen hatten, sind tief - und sie könnten wieder aufreißen, wenn es erneut eine strikte Trennung zu Irland gibt, ist die Befürchtung in London und Dublin, aber auch in Brüssel.

Daher gelte es, "eine praktische Lösung" zu finden, die "den einzigartigen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Kontext der Landgrenze mit Irland" berücksichtige, argumentierte der für Nordirland zuständige Minister, James Brokenshire. Außerdem sollten keine neuen Hürden für den Handel innerhalb des Königreichs entstehen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-08-16 17:57:06
Letzte Änderung am 2017-08-17 09:32:05


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