• vom 21.12.2017, 17:28 Uhr

Buwog

Update: 22.12.2017, 13:09 Uhr

Peter Hochegger

Trinker der Kokosnuss




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Von Daniel Bischof

  • Hocheggers Geständnis sei ein PR-Gag, meinen manche. Er wolle mit sich ins Reine kommen, sagt der Ex-Lobbyist.

Wahl-Brasilianer Peter Hochegger mag laut eigenen Angaben das Wasser der tropischen Frucht. - © apa/Hans Punz

Wahl-Brasilianer Peter Hochegger mag laut eigenen Angaben das Wasser der tropischen Frucht. © apa/Hans Punz

Wien. Ein Heiligenschein schwebt über dem Gesicht, darunter steht in großen Buchstaben "Innocent": Es war schon ein symbolträchtiger Getränkekarton, mit dem der angeklagte Ex-Lobbyist Peter Hochegger am Dienstag bei Gericht erschien. Kokosnusswasser enthielt die weiß-blaue Packung. Ein Trendgetränk, das auch hierzulande immer beliebter wird. Doch mundet dem in Brasilien lebenden Hochegger das Wasser der tropischen Steinfrucht wirklich? Oder war der Griff zum "unschuldigen" Getränk nur ein PR-Schmäh des PR-Fachmannes?

Eine reine "PR-Show" sei jedenfalls sein Teilgeständnis im Buwog-Prozess, meinen Karl-Heinz Grasser, die anderen Mitangeklagten und ihre Verteidiger. Hochegger hatte am vergangenen Freitag als einziger von vierzehn Angeklagten ein Teilgeständnis abgelegt. Jeweils 2,4 Millionen Euro von der Buwog-Provision hätten Grasser, der Ex-Lobbyist Walter Meischberger und Ex-Immobilienmakler Ernst Karl Plech kassiert. Er selbst habe "aus Profitgier" zwei Millionen Euro eingesteckt, gab der Ex-Lobbyist an.


Seitdem richten sich alle Augen auf Hochegger, dem einst die zweitgrößte PR-Agentur Österreichs gehörte. Die Aussage des 68-jährigen Steirers könnte prozessentscheidend sein. Kommt Hochegger glaubwürdig und gewissenhaft rüber, gewinnt die Oberstaatsanwaltschaft einen enorm wichtigen Beweis für ihre Anklagevorwürfe. Wird er hingegen als Taktiker und Schwindler wahrgenommen, können Grasser und Co. wieder aufatmen.

"Er ist ein Geschäftsmann"
So zweifeln die Mitangeklagten Hocheggers Motivation auch massiv an. "Der PR-Experte macht hier PR in eigener Sache", sagte Meischberger. "Für mich ist klar, dass hier PR-Mann Hochegger versucht, sich mit der Unwahrheit freizukaufen und dass er dabei nicht davor zurückschreckt, andere in den Schmutz zu ziehen", so Grasser zu Medienvertretern.

Verteidiger Herbert Eichenseder behauptete, dass Hochegger ein Buch über das Buwog-Verfahren schreibe und eine gute Geschichte brauche: "Der muss das ja verkaufen. Er ist ja ein Geschäftsmann!" Hochegger bestritt das. Am Mittwoch und Donnerstag wurde er stundenlang und ausführlich von Richterin Marion Hohenecker einvernommen - und auch zu seiner Motivation für das Geständnis gefragt.

Denn immerhin hat sich Hochegger selbst schwer belastet. Im Falle einer Verurteilung könnte ein Geständnis strafmildernd wirken. Andererseits fehlt Hochegger im Gegensatz zu Grasser und Co. ein anderer, wichtiger Milderungsgrund: die bisherige Unbescholtenheit. Hochegger wurde bereits in der Telekom-Affäre zu zwei Jahren Haft, davon acht Monate unbedingt, verurteilt. Hochegger beantragte keine Fußfessel, sondern ging ins Gefängnis in Hirtenberg.

Während der Zeit in Haft habe er nachgedacht und seine Fehler erkannt, meinte Hochegger. So habe er wieder zu seinen Wurzeln zurückfinden können und beschlossen, sich der Causa zu stellen, um wieder mit sich ins Reine zu kommen. Er sei bald 69 Jahre alt und wolle einen sehr schönen und sehr langen Lebensabend mit innerem Frieden haben, sagte er.

Hochegger verbringt seinen Lebensabend eigentlich in Brasilien - derzeit wohnt er wegen des Prozesses aber in Wien. Laut Medienberichten liest er viel, beschäftigt sich mit spirituellen Dingen und betreibt regelmäßig Yoga.

Entspannt antwortete er dann auch der oft nachhackenden, strengen Hohenecker. Ins Stottern geriet der stets einen Pullover tragende Angeklagte nicht. "Die Frage ist berechtigt", sagte er auf kritische Nachfragen. Nie wurde er lauter oder leiser, seine Stimme blieb monoton-ruhig.

Hochegger gab zu, früher taktisch ausgesagt zu haben. Nun aber sei das nicht der Fall. Was davon zu halten ist: Darüber hat der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Hohenecker zu entscheiden.

Auf den Geschmack gekommen
Und was ist nun mit dem Kokosnusswasser? Hochegger schmunzelte, als ihn die "Wiener Zeitung" auf seine Getränkewahl ansprach. Ihm sei das anfangs gar nicht aufgefallen, erklärte er. Ein PR-Schmäh sei das keineswegs. Vielmehr habe er in Brasilien am Kokoswasser Geschmack gefunden.

Ein bisschen Abwechslung muss dann aber doch sein. Am Donnerstag setzte sich Hochegger mit "klassischeren" Getränken zum Zeugenpult: einem stillen Wasser und einem Fruchtsaft.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-21 17:32:06
Letzte Änderung am 2017-12-22 13:09:13


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