• vom 12.06.2018, 16:48 Uhr

Buwog

Update: 12.06.2018, 17:12 Uhr

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"Für relativ viel Geld wenig gesagt"




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  • Am 38. Prozesstag gegen Karl-Heinz Grasser und andere musste sich der Walter Meischberger zu weiteren Abhörprotokollen äußern.

Zweitangeklagter Walter Meischberger vor Prozessbeginn.

Zweitangeklagter Walter Meischberger vor Prozessbeginn.© APAweb, Helmut Fohringer Zweitangeklagter Walter Meischberger vor Prozessbeginn.© APAweb, Helmut Fohringer

Wien. "Wo woa mei Leistung" - der berühmteste Satz in der Causa Buwog stand am Dienstag im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts auf der Tagesordnung und brachte den Zweitangeklagten Walter Meischberger erwartungsgemäß in Erklärungsbedarf. Gefallen ist der Satz bei einem Telefonat mit dem mitangeklagten Makler Ernst Karl Plech. Dieser ist krankheitsbedingt verhandlungsunfähig.

Meischberger will in dem abgehörten Telefonat von Plech wissen, welche Leistung er für ein Immobilienprojekt in Wien erbracht hat. Meischberger erklärte dies damit, dass er schon Bescheid wusste, er wollte nur seine Erinnerungen noch einmal abklopfen und auffrischen.


Aus den Telefonaten zu Jahresbeginn 2010 mit Plech und dem Erstangeklagten, Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, geht hervor, dass alle drei ob der mittlerweile hartnäckigen Verfolgung durch die Justiz inklusive zahlreicher Hausdurchsuchungen und medialer Berichterstattung schon recht nervös waren. Sie hatten damals schon den Verdacht, dass sie abgehört werden, woraufhin sich Grasser und Meischberger mehrere Wertkartenhandys zulegten, nicht wissend, dass diese auch abgehört werden können.

Das "Haider-Sparbuch"
Die ungewöhnliche Geheimhaltung erklärte Meischberger damit, dass man nicht wollte, dass alles in den Medien landete. Was so nicht funktionierte, die Abhörprotokolle waren in späterer Folge Grundlage satirischer Lesungen im Audimax der Uni Wien.

In den Telefonaten zwischen Meischberger und Grasser ging es auch um einen Kärntner Staatspolizisten mit familiären Verbindungen zu einem damaligen Kärntner FPÖ-Spitzenpolitiker, der für 5000 Euro Infos und Kontakte zur Staatsanwaltschaft herstellen hätte können. Diese Spur verlief aber im Sand. Aus einem der abgehörten Telefonate wird auch die Verteidigungsstrategie von Meischberger sichtlich: Bei der Einvernahme durch die Behörden nicht viel sagen und auf alte Aussagen verweisen. Er merkte dabei im Telefonat mit Plech an, dass er bei früheren Einvernahmen "für relativ viel Geld wenig gesagt hat".

Unterdessen hat der Prozesstag Interessantes zum FPÖ-Abschied Meischbergers hervorgebracht. Er spricht in einem Telefonat mit Plech von einem 2,5-Millionen-"Haider-Sparbuch", das dieser von der Kanzlei des späteren FPÖ-Justizministers Böhmdorfer zur Weiterleitung an ihn bekommen habe. "Du, da im Safe liegen die ganzen Unterlagen vom Haider-Sparbuch", sagte Meischberger zu Plech im Februar 2010. Meischberger hatte sich 1999 offenbar seinen politischen Abschied mit 2,5 Millionen Schilling von der FPÖ abkaufen lassen.

Im Verlauf des Telefongesprächs sagt Meischberger außerdem, "das ist a politischer Skandal, da gehts nicht um die Steuer". Plech meint, "da müss ma mit dem Böhmdorfer reden, ihn warnen, net".

Meischberger spricht dann auch davon, dass es ja einen Prozess gegeben habe, wo jemand wegen Schwarzgeld der FPÖ verurteilt worden sei. Damals habe man dann vorgeworfen, "das des Schwarzgeld aus der FPÖ wär und ih daun a Liste von Leit aufzählt hob, die mir des geborgt haben domois". Obwohl er offenbar Verfolgung fürchtet, bleibt er zuversichtlich: "Nur diesen Zusammenschluss werden sie nicht zusammenbringen."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-12 16:55:21
Letzte Änderung am 2018-06-12 17:12:31


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