• vom 18.04.2014, 10:41 Uhr

Cannes

Update: 03.05.2016, 12:11 Uhr

Hintergrund

Cannes und seine Geschichte




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Von Matthias Greuling, Cannes

  • Gründung des Festivals geht auf Nationalsozialisten zurück

Die Croisette. - © Cannes

Die Croisette. © Cannes

Cannes ist seit Jahrzehnten das bedeutendste Filmfestival der Welt. Jeder, der einmal Filmluft geschnuppert hat, möchte seinen Film an der Croisette auf der Leinwand sehen. Das Motto lautet: Dabeisein ist alles, die Goldene Palme für den besten Film ist nur eine Zugabe. Cannes ist elitär, versnobt, eingebildet und darf es auch sein: Denn alles, was Rang und Namen hat im Filmgeschäft, trifft sich im Mai hier im stets sonnigen Süden Frankreichs zum kollektiven Filmeschauen.

Indirekt hat die Gründung des Cannes-Festivals mit Hitlers NS-Regime zu tun: Im faschistischen Italien hatte man bereits ein internationales Festival installiert: Die Mostra del Cinema von Venedig gilt als das älteste Filmfestival der Welt  und wurde, je näher der Krieg rückte, zunehmend von deutschen und italienischen Preisträgern dominiert, um die faschistische Einheit der beiden Länder auch am Filmsektor zu unterstreichen. 1939 standen alle Zeichen auf Sieg für den französischen Film "La Grande Illusion" von Jean Renoir. Doch der Goldene Löwe (der damals noch Coppa Mussolini hieß) ging in diesem Jahr an Leni Riefenstahls "Olympia" und den italienischen Film "Luciano Serra, Pilota", der von Mussolinis Sohn gemacht wurde.

Grund genug für die Franzosen, ihr eigenes Festival ins Leben zu rufen, um dort ihre Filmwirtschaft gebührend zu feiern. Mehrere Austragungsorte standen zur Debatte, schließlich kamen Cannes und Biarritz an der Atlantikküste in die Endausscheidung. Cannes machte das Rennen, wegen "seiner sonnigen und bezaubernden Atmosphäre", wie es damals hieß. Das erste Festival sollte am 1. September 1939 beginnen, doch mehr als die Eröffnungsgala ging nicht über die Bühne: Frankreich und England hatten Deutschland nach Hitlers Polenfeldzug den Krieg erklärt.

Und so war erst einmal Pause für die Filmkunst an der Cotê-d-Azur. Erst ab 1946 fand das Festival regelmäßig statt, ab 1949 in dem eigens dafür erbauten Palais Croisette, auf dessen Gelände heute das Marriott Hotel steht. 34 Jahre lang wurde das Festival dort ausgetragen.

Während in den ersten Jahren Filme aus verschiedenen Ländern gezeigt wurden, jeweils proportional zu deren cineastischen Output, und das Festival eher den Charakter eines Forums hatte, wurde es in den 50er Jahren immer größer und beliebter. Eine Pariser Juwelierin hatte 1954 die Idee, den Hauptpreis in Form einer Goldenen Palme zu vergeben, Regisseur Jean Cocteau zeichnete daraufhin eine schnelle Skizze der Palme. Im darauffolgenden Jahr wurde sie zum ersten Mal überreicht.

In diese Zeit fallen auch die ersten nackt abgelichteten Starletts, die seinerzeit freilich viel mehr Aufregung erzeugten als heute.

1960 fand zum ersten Mal der "Cannes Market" statt, auch "Marché du film" genannt, eine Art Filmmesse, bei der Filmeinkäufer und Verleiher Filme wie Waren einkaufen. Der "Marché du film" ist heute der einer der weltgrößten seiner Art: Hier werden die großen Deals zwischen Produzenten, Kinoketten und TV-Sendern gemacht.

Mit der "Critic’s Week" und der "Director’s Fortnight" wurden in den 60er Jahren zwei Nebenschienen im Programm integriert. 1968 wurde das Festival wegen politischer Proteste unterbrochen: Francois Truffaut, Jean-Luc Godard und andere Anhänger von Henri Langlois, Chef der "Cinematheque Francais", verhinderten Screenings durch aktionistische Auftritte.

Erst in den 70er Jahren ging das Festival dazu über, nicht mehr bloß Filme nach den Ursprungsländern, sondern nach eigenen Kriterien auszuwählen, wie es heute weltweit üblich ist. Amerikanische Filme dominierten das Festival: Von Robert Altmans "M.A.S.H." (1970) über Martin Scorseses "Taxi Driver" (1976) bis hin zu Francis Ford Coppolas "Apokalypse Now" (1979) reichten die Preisträger. 1978 rief Gilles Jacob, der heutige Festivalpräsident, die Nebenreihe "Un certain regard" ins Leben, in der die frischesten und innovativsten Filmarbeiten zu sehen sind. Seit 1983 logiert das Festival im großen "Palais des Festivals", das wegen seiner Hässlichkeit gerne verächtlich "Bunker" genannt wird.




Schlagwörter

Hintergrund, Filmfestival

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Dokument erstellt am 2012-05-18 10:42:49
Letzte Änderung am 2016-05-03 12:11:01


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